Soziale und ökologische Probleme plagen diese für die andalusische Wirtschaft lebenswichtige Kulturpflanze. In die Schweiz wir sie auch momentan trotzdem schon wacker importiert, denn die Erdbeere ist die Lieblingsbeere der SchweizerInnen.

die dunkle Seite der ErdbeereDie dunklen Seiten der Erdbeere: unmenschliche Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung. Bild: Pixabay
Die Arbeitsbedingungen der SaisonarbeiterInnen im spanischen Huelva werden durch den Tarifvertrag des Sektors geregelt, der für alle ArbeiterInnen gilt, unabhängig von ihrer Herkunft. Diese Vereinbarung, die von den Arbeitgebern und den nationalen Gewerkschaften unterzeichnet wurde, wird aber überhaupt noch nicht durchgesetzt.

ArbeiterInnen leben in Angst und Erschöpfung

Heute wird noch darüber verhandelt, obwohl die diesjährige Erntesaison schon lange angefangen hat. Aber die Löhne für die ErntearbeiterInnen liegen immer noch weit unter dem Mindestlohn. Die andalusische Arbeitergewerkschaft erklärt durch ihren Sprecher in Huelva, José Antonio Brazo Regalado, dass «die Vereinbarung systematisch verletzt wird und unter den Saisonarbeitern Hoffnungslosigkeit herrscht». Und: «Alles passiert hinter den Zäunen der Farmen. Die ArbeiterInnen haben Angst, stehen unter brutalem psychischem Druck und arbeiten sich fast zu Tode.»

Erdbeeren gefährden Grundwasser und grösstes Naturschutzgebietes Europas

Die Umgebung des Doñana-Nationalparks, ein Weltkulturerbe und besonders schützenswert für seine Flora und Fauna, wird landwirtschaftlich mit Erdbeerplantagen übernutzt. Um die Erdbeeren zu bewässern, wird illegal Grundwasser entnommen, was das Schutzgebiet gefährdet. Seit mehr als dreissig Jahren prangert der WWF die Situation in der Region und den «Diebstahl des Wassers aus Doñana» an. Felipe Fuentelsaz vom WWF Spanien sagt, dass 20 % der in der Region angebauten Erdbeeren «illegal sind». Das sind etwa 1600 Hektaren Anbaufläche – soviel wie 1600 Fussballfelder. Der WWF Spanien, der seit 2007 mit Einzelhandelsketten in der Schweiz zusammenarbeitet, weist darauf hin, dass diese zum Thema Wasser sowie Umwelt- und Sozialthemen «an vorderster Front» stehen. Sie wollen wissen, ob ihre Hauptlieferanten legal sind oder nicht und es sicherstellen.

Rücksichtsvoller Anbau ist möglich

Die Bio-Farm Flor de Doñana, zeigt, wie es gehen könnte. Flor de Doñana produziert jedes Jahr drei Millionen Kilo Erdbeeren. Das Unternehmen ist bio-zertifiziert und verwendet somit auch keine chemischen Hilfsmittel. Um Schädlinge und Krankheiten zu bekämpfen, lässt sich Flor de Doñana z.B. von Insekten unterstützen. Das Unternehmen beliefert Migros und Coop in der Schweiz. Flor de Doñana in Almonte beschäftigt lokale Arbeitskräfte: 95 % der ArbeiterInnen kommen aus der Gemeinde selbst oder den Nachbargemeinden. Mehr als 80 % der MitarbeiterInnen sind Frauen, sowohl bei der Ernte als auch im Lager. Auch in der finanziellen, administrativen und technischen Leitung figurieren 90 % Frauen. Dem Unternehmen ist die Familienfreundlichkeit wichtig. Kurze Arbeitstage von vier Stunden sind für diejenigen möglich, die das wollen, mit obligatorischen freien Tagen, wie z. B. Sonntagen (ausser zu Schlüsselzeiten während der Pflücksaison).

Kommentar von Fausta Borsani
Es lohnt sich also immer noch sich zu fragen, unter welchen Bedingungen die spanischen Erdbeeren produziert werden – und bei Untransparenz die Finger davon zu lassen. Und es lohnt sich, auch noch etwas zu warten: Die ersten Schweizer Bio-Erdbeeren werden Anfang Mai geerntet. Die grössten Mengen sind ab Juni zu erwarten.

Quelle: Die sehr gute und lesenswerte Reportage der Féderation romande des consommateurs «Huelva, le côté obscur de la fraise»

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