Algen werden immer häufiger bei der Herstellung von Kosmetika, Nahrungsmitteln, Futterzusatzstoffen, Verpackungsmaterial oder Biotreibstoff verwendet. Immer mehr Unternehmen in Europa steigen in die kommerzielle Algenzucht ein. Die neue EU-Öko-Verordnung umfasst deswegen auch Regelungen für die biologische Algenzucht.

wakameWakame-Algen schmecken als Suppe oder Salat. Bild: Pixabay

Algen sind nicht gleich Algen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten, die winzig kleinen Mikroalgen und die grossblättrigen Makroalgen, die oft als Speisealgen gewonnen werden. Davon kennt man vor allem die Rotalgen Nori, welche die Sushi-Rollen zusammenhalten. Die Braunalge Wakame findet Verwendung in der japanischen Misosuppe und schmeckt kräftig nach Meer. Eine weitere Braunalge, der Zuckertang, schmeckt leicht süsslich und die Grünalge Ulva wird für «Meeressalat» verwendet. Die bekanntesten Mikroalgen sind Spirulina, Chlorella und sogenannte AFA-Algen, die der Markt in Form von Nahrungsergänzungsmitteln bietet.

Anbau von Algen sei gut für die Umwelt

Die Zucht beziehungsweise der Anbau von Algen hört sich erstmal durchweg positiv an. Im Gegensatz zur tierischen Aquakultur muss in der Regel nicht «gefüttert» beziehungsweise gedüngt werden, da die Algen in den nährstoffreichen Küstengebieten angebaut werden. Die Anlagen können Fischen als Rückzugsort und Kinderstube dienen. Durch das schnelle Wachstum - vom Setzling bis zur erntereifen Alge sind es je nach Algenart etwa sechs Monate - nehmen die Algen in kurzer Zeit eine Menge Kohlendioxid und Nährstoffe aus der Umwelt auf. Sie dienen sozusagen als natürliche Filteranlagen.

Trotz einiger Schattenseiten

Der Algenanbau sorgt aber auch für Probleme: Die Kinderstube für Meerestiere ist durch die kurze Anbauperiode begrenzt, da die komplette Anlage nach ein paar Monaten abgeerntet wird. Und für die Kohlendioxid-Aufnahme gilt: Zwar wird Kohlendioxid beim Wachstum der Algen gebunden, aber durch die Ernte (Betrieb von Ernteschiffen, Transport, Verarbeitung, etc.) entsteht wiederum Kohlendioxid. Hier kommt es auf die Effizienz und Nachhaltigkeit des Betriebes an. In der neuen EU-Öko-Verordnung wird darum ein Nachhaltigkeitsplan gefordert, der jährlich zu aktualisieren ist, um die Umwelteinflüsse der Anlage zu begrenzen.

Nachhaltigkeit muss erreicht werden

In Asien (zum Beispiel in China, Japan, Indonesien) werden Algen schon seit Jahrzehnten im grossen Stil angebaut. Darum kann man hier die Auswirkungen von grossen Algenkulturen beobachten: Zu dichter Besatz führt zu Nähstoffarmut in den umgebenen Gewässern und zu einem erhöhten Risiko von Krankheitserregern. Daher muss die Nachhaltigkeit der Algenzuchten in Europa und weltweit vorangetrieben werden, nur so kann die positive Bilanz der Algenzucht erhalten bleiben.

Standort wichtig

Laut der EU-Öko-Verordnung müssen Standorte so gewählt werden, dass sie nicht durch Schadstoffe oder andere im ökologischen Landbau verbotene Stoffe kontaminiert sind. Ökologische und konventionelle Produktionseinheiten dürfen nur bei Einhalten eines Mindestabstandes nebeneinander gehalten werden, um eine mögliche Durchmischung zu verhindern. Zudem muss der Standort so gewählt werden, dass eine Zerstörung von Mangrovenbeständen auszuschließen ist.

Wildsammlung kontrolliert

Das Sammeln von Wild-Algen darf mengenmässig keinen gravierenden Eingriff in den Zustand des Ökosystems darstellen. Durch Massnahmen wie Sammeltechniken, Mindestgrössen, Alter, Reproduktionszyklen oder Grösse des verbleibenden Algenbestands wird sichergestellt, dass sich die Algenbestände erneuern können und Beifänge vermieden werden. Der Betrieb muss Aufzeichnungen führen, damit die Einhaltung der Bestimmungen der EU-Öko-Verordnung kontrolliert werden kann.

Quelle: Algen in Bio-Qualität: Grün-blaue Zukunft auch in Europa?

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