Branchen-News

(bionetz.ch) - "Biomarkt: Starkes Wachstum" als Headline der Bio Suisse-Meldung in Grossbuchstaben, klein und in Klammern dann die Anmerkung "(ohne Bio-Fachhandel und Direktvermarkter)":

Das mag man als Hinweis darauf werten, dass der Biofachhandel je länger je deutlicher nur noch als Randerscheinung zu gewichten ist.
Tatsächlich fällt die Bilanz für die Pioniere des Biohandels gemischt aus. Es gibt da und dort Wachstum. Es gibt aber vor allem auch Umsatzrückgänge. "Randerscheinungen" brauchen gute Argumente, um überhaupt noch Randerscheinungen zu bleiben. Solche Argumente sind für die andere erwähnte Randerscheinung, die Direktvermarktung möglicherweise stärker als für den Biofachhandel.

So paradox es klingen mag: je professioneller, moderner der Biofachhandel geführt ist, desto eher kann er Argumente verlieren. Er hat die handgestrickten und hausbackenen Merkmale abgestreift und tendiert zum uniformen Detailshandels-Look. Vielleicht suchen die "Randerscheinungs-Kunden" aber nicht nur Produkte, sondern auch Beziehung, Identität. Und diese finden sie im Quartierladen und im Hofladen.

Lesen Sie hier die Mediemitteilung von Bio Suisse, 14.09.2009 (pdf-Datei)

Die Untersuchung der Bio Suisse und der ART Reckenholz-Tänikon belegen fundiert, was schon lange an vielen Einzelfälle beobachtet werden konnte: Obwohl Schweizer Biolebensmittel als starker Bestandteil der derzeit vielzitierten Qualitätsstrategie bewährt haben, fehlen die landwirtschaftlichen Neueinsteiger in die Biolandwirtschaft und in der Konsequenz auch die kleineren und regional orientierten Bioverarbeitungs- und -Vermarktungsinitativen.

Gerade die Verbindung von Regionalität und Bioqualität schafft zusätzliches Vertrauen und Glaubwürdigkeit für den Ausbau des Biomarkts. Zudem bestehen z.B. im Getreidebereich massive Unterdeckungen des Inlandanteils, weil sich gerade für grössere Ackerbaubetriebe die Bioumstellung aufgrund des Direktzahlungssystems nicht lohnt.

Es stellt sich einmal mehr die Frage, ob die staatlichen Fördermittel und Lenkungsabgaben nicht marktverzerrend wirken. Mit Blick auf die zunehmende Marktöffnung ist eine Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems gefragt, dass am Markt bewährten Qualitätsstandards auch die entsprechende Beachtung entgegenbringt. Dazu gehört auch der Einbezug der ganzen Wertschöpfungskette von Stall und Feld bis auf den Tisch der KonsumentInnen.

Ihre Meinung?

Kontakt: p.jossi@bionetz.ch


Hier lesen Sie die Original-Medienmitteilung:

Bio wächst - wo bleiben die Bio-Produzenten?

Der Biomarkt wächst, doch die Bauern zögern, auf Biolandbau umzusteigen. Bio Suisse führte zusammen mit der ART Reckenholz-Tänikon eine Befragung durch, um die Einstiegshürden und Ausstiegsgründe zu evaluieren. Es sind in erster Linie finanzielle Argumente und die häufigen Richtlinienänderungen. Auch die Politik muss sich klar zur Bioförderung bekennen.

Der Biolandbau hat sich in der Landwirtschaft und bei den Konsumenten etabliert, der Biomarkt ist im vergangenen Jahr um 11, 2 Prozent gewachsen. Der Umsatz mit Bioprodukten beläuft sich auf 1,44 Mia Franken. Rund 12 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe arbeiteten 2008 biologisch. Innerhalb von zehn Jahren verdreifachte sich die Anzahl Biobetriebe auf über 6000. Zwischen 2005 und 2007 sank ihre Anzahl um 3,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum hingegen hat die Biofläche um 7 Prozent zugenommen und beträgt heute 11,4 Prozent der Landwirtschaftsfläche.

Bio Suisse wollte diesen Entwicklungen auf den Grund gehen und führte zusammen mit der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon eine Befragung durch, um die Umstellungsgründe zu eruieren, die mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel nichts zu tun haben.

Ausstiegsgründe, Einstiegshürden
Aus- und Einstiegsgründe sind vor allem finanzieller Art. Ausgestiegen sind zahlreiche Milchbetriebe in der Bergregion. Die meist genannten Ausstiegsgründe sind die Preise für Bioprodukte, welche den höheren Aufwand nicht decken, zu geringe Direktzahlungen, der Aufwand für die Kontrollen sowie häufige Richtlinienänderungen.

Fazit: Politik, Richtlinien, Absatzförderung, Beratung

Bio Suisse setzt sich für bessere politische Rahmenbedingungen, finanzielle Anreize für die Bauern und attraktive Absatzmärkte ein sowie für klare, wirksame Richtlinien, welche dem hohen Qualitätsanspruch der Knospe Rechnung tragen.

In der Politik wurde diese Woche ein wichtiger Erfolg erzielt: der Nationalrat befürwortete im Rahmen des Konjunkturprogammes 50 Mio Franken für die Bio-Umstiegsförderung. Bio Suisse setzt sich auch stark für die Beibehaltung der Bioprämie und -Direktzahlungen ein.
Im Rahmen der Absatzförderung arbeitet Bio Suisse mit den Marktpartnern zusammen, damit die Bauern möglichst rasch vom Wachstum im Biomarkt profitieren können und auch der steigenden Nachfrage nach Bioprodukten entsprochen werden kann. In der Produktion legt Bio Suisse grössten Wert auf ein ausgeglichenes, gesundes Wachstum. Überangebote sollen vermieden werden. Es mangelt vor allem an Brot- und Futtergetreide, Raps, Eier sowie Spezialkulturen wie Beeren und Kräutern. Mit einer gezielten Beratung sollen möglichst viele Landwirte für den Biolandbau gewonnen werden.

Weitere Auskünfte:

Jacqueline Forster-Zigerli, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Bio Suisse, 079 704 72 41

Stefan Flückiger, Geschäftsführer Bio Suisse, 079 621 29 84

Atlant Bieri, Mediensprecher Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, 079 763 70 36

Vor genau drei Jahren - im September 2006 - hob die Schweizer Biostiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Marktökologie (IMO) ein neues Sozial- und Fair Trade Programm aus der Taufe: Fair for Life. Damals begann eine kleine Gruppe von Firmen und deren Zulieferketten ein fair trade System zu etablieren, das unabhängig vom traditionellen Fairhandelssystem funktionieren sollte.

Dieses neue Zertifizierungssystem bot allen engagierten Fairhandelsproduzenten und anderen Firmen entlang der Handelskette, die zuvor vom fairen Handel ausgeschlossen waren, eine Zertifizierungsoption für ihre Produkte.

Vor drei Jahren - eine innovative Idee...
Zahlreiche Firmen arbeiteten bereits damals mit eigenen, betriebsinternen Sozial- und fair trade Richtlinien, liessen diese aber nicht von einer unabhängigen Stelle überprüfen. Die Entwicklung eines einzigen, übergreifenden Fairhandels-Zertifizierungssystems war ein völlig neuer Ansatz und eine Antwort auf den sich schnell weiterentwickelnden fair trade Markt.
Das System sollte für alle Arten von Produkten, Produktionssystemen und für alle Länder anwendbar sein. Daher der Name: Fair for Life. Von Anbeginn spielte das ‘Leben’ eine zentrale Rolle im neuen Programm: Ziel ist die Verbesserung der Lebensbedingungen und der Lebensgrundlage von benachteiligten Produzenten und Arbeitern auf allen Kontinenten, in allen Gesellschaften und in allen Industrie- und Produktionssektoren. Aber "Leben" darf kein Privileg der Menschen sein; der verantwortungsvolle Umgang mit dem Leben von Tieren und Pflanzen sowie deren Lebensräumen ist Teil der Umweltkriterien des Fair for Life Programms; dies kommt im Fair for Life Siegel durch das Blattsymbol zur Geltung.

...heute - eine globale Bewegung
"Durch den Fokus auf die gesamte Wertschöpfungskette der Produkte, von der Produktion über die Verarbeitung bis zum Handel, gelingt es Fair for Life, ganz neue Wege im Fairen Handel zu beschreiten", erläutert Dr. Rainer Bächi, Direktor des IMO. ”Zu Beginn war das Programm ein Experiment des Instituts für Marktökologie und der Biostiftung, aber mittlerweile ist es Teil einer neuen, globalen Fairhandels-Bewegung geworden."

Fair for Life hat vielen Produzenten eine fair trade Zertifizierung eröffnet und die traditionelle Definition des Fairen Handels erweitert. Das Fair for Life Zertifizierungsprogramm ist frei von politischen, religiösen und wirtschaftlichen Präferenzen und stellt das ‘Leben’ in den Mittelpunkt.

Zertifizierung nach einem flexiblen aber strengen und transparenten Programm
Die breite Anwendung und Flexibilität des Fair for Life Programms werden von den Kunden sehr geschätzt, aber die Strenge des Programms und seine Umsetzungskonsequenz sind für viele Produzenten und Unternehmen zunächst eine Herausforderung.
Eine Zertifizierung ab dem ersten Jahr ist aufgrund der detaillierten Anforderungen des Programms an soziale Verantwortlichkeit, Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen, Arbeitsbedingungen sowie Fairhandelsbeziehungen zwischen den Partnern innerhalb der Produktions- und Handelskette kein leichtes Unterfangen. Dennoch haben viele Produzenten, Verarbeiter und Händler hart gearbeitet und es mittlerweile geschafft, die Anforderungen zu erfüllen und die Fair for Life Zertifizierung zu erreichen.

"Wenn wir die vergangenen drei Jahre der Programmumsetzung Revue passieren lassen, so können wir feststellen, dass Fair for Life erheblich dazu beigetragen hat, die Einkommen, Lebens- und Arbeitsbedingungen tausender Bauern und Arbeiter in Afrika, Asien, Europa und auf den Amerikanischen Kontinenten entscheidend zu verbessern", resümiert Dr. Wolfgang Kathe, Leiter der Sozial und FairTrade Abteilung des IMO.

Die Webseite www.fairforlife.net verdeutlicht den Ansatz der Programmtransparenz: Hier werden alle relevanten Informationen über die zertifizierten Unternehmen, einschliesslich ihrer letzten Audit-Resultate und Produktpaletten, veröffentlicht und sind somit für jeden einsehbar.

Überprüfung von individuellen Sozial- und Fairhandelssystemen
Fair for Life bietet nicht nur den strengen und detailliert geregelten Rahmen eines externen Zertifizierungsprogramms an. Das Programm wird heute auch angewendet, um die Umsetzung von firmeneigenen oder markenspezifischen Sozial- und fair trade Richtlinien unabhängig zu überprüfen.

Vor drei Jahren wusste niemand der an der Entwicklung und Umsetzung des Fair for Life Programms Beteiligten, ob dieser Ansatz erfolgreich sein würde. Heute wissen wir, dass der faire Handel diesen neuen Ansatz braucht. Auch wenn die Entwicklung eines hochqualitativen Sozial- und FairTrade Programms und Zertifizierungssystems mit nur geringen Marketing- und Werbemitteln ein Wagnis war, das sich auf Kundennetzwerke und Informationssysteme verlassen musste: es hat sich schon heute ausgezahlt! Fair for Life ist mittlerweile ein bekanntes und schnell wachsendes Zertifizierungsprogramm und Label für ethisch und fair produzierte Waren und Dienstleistungen.

Weitere Informationen bieten die Webseiten www.fairforlife.net und www.imo.ch. Oder kontaktieren Sie Frau Julia Edmaier unter (+41)71-6260683 oder per E-mail: info@fairforlife.net

Medienmitteilung vom 18.09.2009

Lesen Sie hier den Kommentar dazu von Matthias Wiesmann, bionetz.ch:

"Ist es statthaft, dass eine Zertifizierungsorgansation ein Fair Trade-Label lanciert?"

(BioFach) - Trotz Krise stieg der Bio-Umsatz im holländischen LEH um 10 % im ersten Halbjahr 2009.

Der Bio-Umsatz für 2008 betrug nach Angaben des Verbands Biologica 583 Mio. EUR, was einem Zuwachs von 12 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Der Marktanteil für Bio-Produkte lag 2008 bei 2,1 %. Der Marktanteil von Frischwaren stieg von 2,5 auf 2,8 % überdurchschnittlich stark an. Am höchsten liegt der Marktanteil mit 6,6 % aller verkauften Ware bei Eiern, heisst es im Bio-Monitor Jahresbericht 2008 von Biologica.

Der Zuwachs im Fachhandel lag bei knapp 9 %, während er im LEH 11 % betrug. Der Cateringsektor hingegen konnte sich mit 97 % fast verdoppeln.

Quelle: www.biologica.nl

Copyright: BioFach, Newsletter vom 18.09.2009

(LID) - Lebensmittel sollten nach den Wünschen der Konsumenten möglichst aus der eigenen Region kommen, keine chemischen Zusatzstoffe enthalten und nicht aus Massentierhaltung stammen.

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Positive Rolle der biologischen Landwirtschaft im Kampf gegen Klimawandel herausgestellt

Am 22. September 2009 nahm Helmy Abouleish, Geschäftsführer der SEKEM-Gruppe aus Ägypten, am "UN Leadership Forum on Climate Change" unter der Schirmherrschaft des UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon teil.

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