Der Verein fair-fish (bionetz.ch-Mitglied) befasst sich seit Jahren mit art-, umwelt- und menschengerechten Methoden in der Aquakultur ebenso wie beim Wildfang. Im aktuellen Gastbeitrag reagiert Co-Präsident Billo Heinzpeter Studer auf den Artikel «Bedenkenlos Fisch konsumieren» im «Migros Magazin» (Printversion). Bereits vor einiger Zeit hatte sich fair-fish zur «Pioniertat» der Migros mit dem leinengefangenen Thun aus den Malediven kritisch geäussert.

«Bedenkenlos Fisch konsumieren» darf man gemäss einer Werbebotschaft im «Migros-Magazin», wenn man Fisch in der Migros kauft. Begründung: Die Migros halte sich als einziger Fischverkäufer in der Schweiz absolut an die Empfehlungen des WWF. So listet die Migros jene Fischarten aus, deren Bestände stark überfischt sind – und ersetzt sie durch andere, noch nicht überfischte Arten.

Der Teufel steckt in diesem «noch nicht». Es ist völlig unverantwortlich, wenn die Migros ihre Kundschaft glauben macht, sie dürfe dank WWF und Migros bedenkenlos Fisch essen.

Aus zwei Gründen:

  1. Erstens ist der WWF nicht im Besitz der meeresbiologischen Wahrheit. Das von ihm gegründete und bis heute massiv geförderte Label «MSC» für nachhaltigen Fischfang wird von vielen Meeresbiologen (weitere Informationen) immer wieder kritisiert, weil es auch für überfischte Bestände verliehen wird.
  2. Der Ersatz einer bereits dezimierten Fischart durch eine andere verlagert nur das Problem. Wenn Migros z. B. die Gelbschwanzmakrele aus dem Sortiment streicht und stattdessen den Adlerfisch anbietet, dann mag dies zwar den Druck auf die erste Art reduzieren, setzt aber nun einfach die zweite Art unter Druck.

fair fish trawl trash skate high res croppedFang von Tiefseegarnelen mit Grundschleppnetzen: Oft wird mehr als die Hälfte der mitgefangenen Fische als «unbrauchbar» über Bord geworfen (Foto: Elliot Norse / Marine Photobank).

Meeresbiologen, die weder von der Fischindustrie noch von einer grossen Spendenorganisation bezahlt werden, können offen reden. Und sie sagen klar, dass die Fangmengen insgesamt um etwa die Hälfte reduziert werden müssen, damit sich die Fischbestände endlich erholen können. Das heisst, dass wir unseren Fischkonsum erheblich reduzieren müssen. Pro Mensch sind im Durchschnitt nur 20 Fischmahlzeiten pro Jahr nachhaltig verfügbar, solange die Fischbestände nicht wieder ihre urspüngliche Grösse erreicht haben. In einem meerfernen Land wie der Schweiz sollten wir max. einmal im Monat Fisch essen, um den Küstenvölkern im Weltsüden ihre traditionelle Ernährung nicht wegzuessen.

Der Slogan «Bedenkenloser Fischkonsum» kann nur einer Supermarktkette einfallen, die es mit der Wahrhheit nicht so genau nimmt. Dass die Migros der erste Detailhändler der Schweiz sei, der sich voll dem Diktat des WWF unterstellt, ist eine lächerliche Werbebehauptung. Mal hat Coop die Nase vorn, mal Migros. Der Unterschied liegt in der jeweils schnelleren oder langsameren Reaktionszeit auf aktuelle Marktherausforderungen.

Hintergrundinformationen:

fair-fish Petition und Informationen zur Deklaration der Fangmethode

 

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