Die Öbu vereinigt als «Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften» Unternehmen unterschiedlichster Branchen mit einer gemeinsamen Aufgabe: Die Weiterentwicklung der Schweizer Wirtschaft nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit. Mit ökologisch und sozial verantwortlichem Handeln sichern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig. Im aktuellen bionetz.ch-Gastkommentar zeigt Simone Nägeli von der Öbu mit einem konkreten Produktbeispiel auf, was diese Zielsetzung in der Praxis alles umfassen kann.

Wer weder den knusprig-caramellige Biss in ein Twix, noch die schokoladig-schaumige Zartheit eines Mars mag, der kann das Geschmackserlebnis der Kult-Riegel seit diesem Jahr auch anders geniessen: Neu gibt es die beiden auch als Joghurt! Zu den bestehenden zig Joghurt-Geschmacksrichtungen wie Pina Colada, Apfelstrudel, Zwetschgen-Zimt oder den Evergreens Erdbeere und Schokolade, kommen je länger je mehr auch die Geschmäcker der bekanntesten Candys.

Das obige Beispiel zeigt: Die Auswahl an Produkten, und sei es nur bei den Joghurts, ist riesig und bietet für jeden Geschmack, jede Tageszeit und jegliche Gelüste das Passende. Kein Wunder kaufen wir immer mehr, wenn das Angebot stetig wächst und neue Bedürfnisse geweckt werden.

Foodwaste ist eine Folge davon, ein Phänomen des heutigen Konsums. Die Konsequenzen gehen aber noch weiter, denn die Überproduktion verbraucht nicht nur unnötig Lebensmittel und Ressourcen, sondern sorgt auch für unnötige CO2-Emissionen durch die Transporte, die Verarbeitungprozesse in der Industrie oder – bei Gemüse und Früchten – die Beheizung von Gewächshäusern.

Öbu render mars aNeue Produkte wecken neue Bedürfnisse. Deshalb bräuchten Konsumenten heute eine Konsum-Erziehung (Bild: obs/Danone GmbH Deutschland).

Schulung im Konsumieren

Das heutige Ausmass unseres Konsums ist nicht mehr nachhaltig. Das hat auch die Lebensmittelindustrie gemerkt. So beginnen heute Lebensmittelkonzerne wie Unilever, die Konsumenten zu einem nachhaltigeren Konsum zu motivieren. Ziel von Unilever ist, bis 2020 den ökologischen Fussabdruck der Unilever-Produkte um die Hälfte zu reduzieren, dies nota bene bei wachsender Bevölkerungszahl.

Ein Beispiel von Konsumentenerziehung zeigt auch die Migros, die ihre Kunden bei jedem Einkauf über deren Anteil an «grünen» Produkten wie etwa Bio-Lebensmittel informiert. Zwar werden solche Aktionen von verschiedenen Seiten immer wieder als reines Marketing kritisiert. Die erwähnten Kampagnen machen aber zumindest auf das Problem aufmerksam. Die Hauptaussage: Wenn schon kaufen, dann bitte nachhaltige Produkte. Das ist doch schon mal ein Anfang.

öbu 2014 IMG 3245Öbu: Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften (Bild: Öbu)

Nachhaltige Herstellung...

Dass die Konsumenten in der heutigen Zeit beim «bewussten» Konsumieren Nachhilfe nötig haben, steht ausser Frage. Dies hat auch die Öbu, das Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften an ihrer letzten Jahreskonferenz, dem «Forum ö 2014» diskutiert. An der Konferenz stehen jeweils Themen im Mittelpunkt, für welche die Wirtschaft neue Lösungen braucht.

In der Lebensmittelindustrie muss das Ziel sein, den mit Konsum und Produktion verbundenen Energie- und Ressourcenverbrauch zu senken. Deshalb sieht die Öbu, neben der Schulung der Konsumenten im nachhaltigen Konsumieren, auch bei den Herstellern Handlungsbedarf. Unternehmerische Ansätze, die eine nachhaltigere Produktionsweise anstreben, gibt es bereits einige. Die Gebrüder Meier im Zürcher Oberland beispielsweise kultivieren in ihrem Gewächshaus mit der Abwärme der nahe gelegenen Kehrichtverbrennungsanlage klimaneutrale Gurken, Radieschen und Tomaten. Ähnlich funktionieren auch die Tropenhäuser in Frutigen und Wolhusen, die mit Abwärme tropische Früchte produzieren.

...und reale Preise

Aus Sicht der Öbu muss neben einem Sinneswandel bei den Konsumenten und neuen, innovativen Lösungsansätzen auf Seiten der Lebensmittelproduzenten auch die Politik neue Massstäbe setzen. Die Öbu engagiert sich seit langer Zeit für die ökologische und soziale Kostenwahrheit. Sinnvoll wäre, die tatsächlichen Preise für Lebensmittel zu verlangen – etwa via ökologischer Steuerreform. Dazu gehört auch die Besteuerung der Lebensmittel-Transporte. Die Ängste vor einer solchen Reform sind zwar gross – die Öbu ist aber überzeugt, dass eine ökologische Steuerreform machbar und durchaus wirtschaftsfreundlich möglich ist.

Schliesslich profitieren von einem nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen – wie etwa dem Boden für Kuhhaltung und Kakaoplantage – langfristig auch die Hersteller. Damit sie auch in Zukunft Milch, Caramel und Kakao für das Mars-Erlebnis im Joghurt produzieren können.

Quellen und weiter Informationen:


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