Schluss mit Greenwashing im Meer: Das fordert der Verein fair-fish vom WWF anlässlich des Weltmeerestags am 8. Juni. Die Fischereifachleute von fair-fish beurteilen die Politik des WWF als zunehmendes Hindernis für die Durchsetzung nachhaltiger Fischereipraktiken. Sie stützen sich dabei auf eine Studie des Kieler Fischereibiologen Rainer Froese: danach sind 39 Prozent der Fischbestände unter dem WWF-Label «MSC» überfischt und nicht nachhaltig bewirtschaftet (1).

Die Antwort von WWF und MSC auf Froeses wissenschaftlichen Befund ist vor allem eine faule Ausrede: Froese habe seine Studie zu streng angelegt (2). In der gleichen Studie hat freilich das Label «Friend of the Sea» (FOS) erheblich besser abgeschnitten (12% der Bestände überfischt) (3). Der grosse Unterschied wird umso erstaunlicher, wenn man weiss, dass eine Zertifizierung bei FOS ein paar tausend Euro kostet, beim MSC aber von hunderttausend Euro an aufwärts. Der Verein fair-fish lädt den WWF Schweiz ein, an der Tagung (4) von fair-fish am 16. Juni in Winterthur teilzunehmen und sich dort mit Froese direkt auseinanderzusetzen.

WWF soll vom hohen Ross steigen
Der Verein fair-fish fordert den WWF auf, endlich vom hohen Ross zu steigen und sich den Realitäten zu stellen. Das Resultat von Froeses Studie kommt ja nicht überraschend; schon 2010 hatten Meeresbiologen den MSC massiv kritisiert, weil er das Überfischen und Grundschleppnetze zulässt (5). Der MSC hatte daraufhin versprochen, eine unabhängige Untersuchung über seine Umweltleistung in Auftrag zu geben; er beauftragte freilich eine WWF-nahe Agentur und erhielt von ihr ein schmeichelhaftes Resultat (6).

Froese selber, der sich auf die massgeblich von ihm mitgeschaffene, weltweit führende Fischdatenbank fishbase.org stützen kann, hatte den WWF wiederholt auf überfischte Bestände aufmerksam zu machen versucht. Nachdem der renommierte Forscher vom MSC jedesmal wie ein lästiger Leserbriefschreiber auf den Instanzenweg verwiesen worden war und ihn ohne Ergebnisse durchlief, beschränkt er sich heute ohne grosse Hoffnung auf Hinweise an den MSC.

WWF soll nachhaltige Fischerei fördern statt nur sein Label
Von einer breit getragenen Umweltorganisation dürfen die Spender/innen erwarten, dass sie unvoreingenommen an die Lösung von Problemen herangeht. Es kann nicht sein, dass die grösste Umweltorganisation ihre Macht und den guten Glauben ihrer Spender/innen missbraucht, um mit massiver Propaganda ein einziges Label auf dem Fischmarkt durchzusetzen, nämlich das eigene, das obendrein schlechter abschneidet als ein anderes internationales Label, welches keine Spenden verheizt.

Vom WWF Schweiz ist insbesondere zu erwarten, dass er seine WWF Seafood Group und deren Kriterien auch für Produkte aus nachhaltiger Fischerei öffnet, die nicht das teure MSC-Label tragen. Ähnlich gilt dies für die Politik des WWF in andern Ländern wie Deutschland und Österreich.

Schliesslich fordert fair-fish den WWF auf, endlich mit dem Märchen von der «Unabhängigkeit» des MSC aufzuhören - ohne die jahrelange Werbung des WWF wäre MSC unbedeutend geblieben, denn er ist zu umständlich, zu teuer und wird ohne grundlegende Reform zunehmend irreführend.

Kontakt: Billo Heinzpeter Studer, Co-Präsident fair-fish

Verein fair-fish - aus Rücksicht auf Fische, Natur und Fischer/frauen

Petition in dieser Sache an den WWF

Vertiefende Informationen:

1) Studie von Rainer Froese
2) Kommentar von fair-fish zur Studie (Seite 3 f.) 
3) Zusammenfassung der Studie von Froese

4) Programm der fair-fish-Tagung vom 16. Juni

5) Kritik von Meereswissenschaftern am MSC, 2010

6) fair-fish zur Überprüfung des MSC-Programms, 2011












2 unserer Mitglieder

Neue Mitglieder

Nach oben