Die Verantwortlichen der CoOpera Beteiligungen AG und ihr Umfeld beschäftigte im vergangenen Jahr eine Frage ganz besonders: Börsengang ja oder nein? Die Zustimmung zu einem Börsengang durch den Verwaltungsrat der CoOpera Beteiligungen AG war umstritten. Nun hat die Finanzierungsfrage eine entscheidende Wende erfahren. Matthias Wiesmann beleuchtet die Hintergründe. 

Der Anfang der Geschichte liegt weit zurück. Sowohl in der Schweiz wie in Deutschland wurden mit Beginn der 80-er Jahre Naturkost-/Bioläden gegründet. Zeitlich etwas versetzt entwickelte sich ein zunächst regionaler Grosshandel. Es gab Kooperationen und Fusionen.

Die CoOpera Beteiligungen AG (CBAG) engagierte sich sehr früh im Biogrosshandel in der Schweiz. Zunächst beim regionalen Frischeverteiler Horai AG, später mit der Finanzierung des Managementbuyouts der Vanadis AG, die schweizweit Bio- und vor allem auch Demeter-Trockenprodukte auslieferte. Später kam die Beteiligung am Importeur und Verteiler Via Verde AG hinzu. Ab etwa 2005 bemühte sich die CBAG intensiv um Kooperations- oder Fusionslösungen, um eine leistungsfähige schweizerische Biologistik zu realisieren.

Biogrosshandel: Fusion, Konsoldierung - und Finanzierung

Diese Bemühungen mündeten Mitte 2007 schliesslich in die Fusion der drei grössten Verteiler zur BioPartner Schweiz AG. Während die nach Fusionen meist nötige Konsolidierung noch einige Zeit beanspruchte, wurde ebenfalls 2007 eine Bioholding angedacht, die international im Bereich Finanzierung und Nachfolge tätig werden sollte. Die von holländischen, deutschen, italienischen und Schweizer Partnern gegründete Bio Development Holding AG (BDH) blieb zunächst Idee und rechtliches Gefäss, bekam aber eine Funktion mit der Übernahme eines grösseren Aktienpakets der Bio Partner Schweiz AG. Die Übernahme wurde von der CoOpera Beteiligungen AG finanziert, welche damit zur Hauptaktionärin der BDH wurde.

Gang an die (Berner) Börse?

Damit war aber auch die Frage zu diskutieren, wie es mit der Finanzierung der BDH weitergehen sollte. Für die CBAG kam es nicht in Frage, sich über den bereits grossen Anteil der BDH im CBAG-Portefeuille hinaus zu engagieren. So kam die Frage eines Börsengangs ins Gespräch. Zur Diskussion stand natürlich nicht die grosse Schweizer Börse SIX, sondern die lokale und überschaubare regionale Berner Börse.

Da „Börse“ im CoOpera-Zusammenhang schon immer ein Thema war, wurde die Möglichkeit eines Börsengangs in verschiedenen Gremien diskutiert – befürwortet, aber auch kritisiert. Klar war für die CoOpera-Einrichtungen immer, dass kein Geld in börsennotierte Aktien fliessen sollte. Dass es die CoOpera Sammelstiftung PUK in den 30 Jahren ihres Bestehens geschafft hat, ihr Kapital ohne Börsen-Aktien anzulegen, ist sicher eine beachtliche Leistung. Nun sollte an einem Grundpfeiler der Überzeugung gerüttelt werden? Die Argumente, dass es nicht um Anlage an einer Börse, sondern um Kapitalbeschaffung geht; dass es sich um eine kleine regionale Börse mit geringem spekulativem Potential handeln würde; und dass die Alternative wohl nicht lauten könne, eine „weisse Weste“ behalten zu können oder handlungsfähig zu bleiben, konnte nicht alle DiskussionsteilnehmerInnen überzeugen.

Neue Wege ohne Börsengang - dank Grossinvestorin

Und nun hat sich ein Weg aufgetan, die notwendige Kapitalausstattung zu erreichen, ohne an die Börse gehen zu müssen. Wie verschiedentlich zuvor fand sich die Lösung im Netzwerk der CoOpera. Die Investoren sind Schweizer Privatpersonen, welche in sinnvolle Projekte und nachhaltige Unternehmen investieren. Sie vertreten Grundwerte, die z.B. mit jenen der Alternativen Bank Schweiz oder der Freien Gemeinschaftsbank Basel vergleichbar sind.

Damit kann die CBAG nicht nur ihr Engagement auf ein Normalmass herunterfahren, sondern vor allem auch sagen: Wir haben 20 Jahre lang mit dem Biogrosshandel gelitten, eine Reihe von wirtschaftlichen Schwierigkeiten und persönlichen Konflikten begleitet; nun haben wir unsere Aufgabe erfüllt und können die Verantwortung abgeben.

Mit drei Mitgliedern hat der BDH-Verwaltungsrat einen starken Bezug zur
Anthroposophie (Fabio Brescacin, EcorNaturaSí; Nikolai Fuchs, Nexus Foundation, vorher Landwirtschaftliche Sektion; Peter Tschannen, Unternehmensberater, vorher Remei AG). Urs Mantel (Berater, VR von Biogrosshandelsunternehmen) und Yves Enderli (VR BioPartner Schweiz AG) bringen wie auch Fabio Brescacin und Peter Tschannen grosse Erfahrung in der Führung von Bio-Grosshandelsunternehmen in den BDH-Verwaltungsrat. Auf die Entwicklung der Bio Development Holding darf man gespannt sein.

Kontakt und weitere Informationen: Matthias Wiesmann


CoOpera und CoOpera Beteiligungen AG

Die CoOpera Sammelstiftung PUK wurde 1984 gegründet, als der betriebliche Teil (sog. 2. Säule) der Altersvorsorge nach dem Kapitaldeckungsprinzip gesetzlich eingeführt wurde. (Gründer: Gerold Aregger, Marc Desaules, Udo Herrmannstorfer, Daniel Maeder, Matthias Wiesmann) Bis heute haben die etwa 4500 Versicherten in 450 angeschlossenen Betrieben und 500 Rentner ein Vermögen von einer halben Milliarde Schweizerfranken zusammengebracht (Zinserträge eingeschlossen), die der Stiftungsrat anzulegen hat.

Zur Erweiterung der Anlage- und Handlungsmöglichkeiten wurde die Sammelstiftung um die CoOpera Immobilien AG, die CoOpera Beteiligungen AG und die CoOpera Leasing AG erweitert. Die Gründer der Sammelstiftung gründeten 1993 auch die Stiftung für Nutzungseigentum am Boden. Ein freier Zusammenschluss für Erfahrungsaustausch und Weiterbildung ist die CoOpera Arbeitsgemeinschaft.

 

 

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