«Ibergeschtrig» - so fängt die gemeinsame Geschichte der vier Schulfreunde aus dem Kanton Uri an. Aber eigentlich war die Geschichte der späteren Farfallagründer nie vorgestrig, sondern immer schon zukunftsweisend. «Ibergeschtrig» stammt aus dem dortigen Dialekt und so auch viele der Liedtexte, die sie mit ihrer Band «Ibergester» aufgegriffen haben. Damals - in den achtziger Jahren. Als die Männer lange Haare und Vollbärte trugen. Die Frauen lange Kleider. Wie Marianne Richard, die mit ihrem späteren Mann Jean-Claude, Gian Furrer und Paul Gisler unterwegs war. Sie machten Musik und wohnten in einer WG. Genau genommen nicht nur in einer: von Uri ging es ins Tessin – die letzte gemeinsame WG war in Zürich, dort wo 1985 ihr erster Laden eröffnet wurde – vor 30 Jahren.

«Gemeinsam Musik zu machen ist eine super Basis», sagt Jean-Claude Richard rückblickend. «Denn auch beim Musizieren kommt es ja sehr auf Harmonien, gemeinsame Einsätze, Proben an, um sich zu verbessern. Wie in einem Unternehmen.»

Farfalla 2 04 201530 Jahre Farfalla: Das heutige Leitungsteam.... (Bild: Farfalla)

Von der Toskana über den Rosenhof ins Seefeld

Das Unternehmen Farfalla war damals vielleicht ein flüchtiger Gedanke, so leise wie ein Flügelschlag. Oder ein Schmetterlingsschlag? Denn der italienische Name für Schmetterling stand bei der Namensgebung Pate. «Der Name war sofort klar», so Jean-Claude, der in der Firma bis heute für die Düfte verantwortlich ist. Nicht nur für die Naturparfums, sondern für die Beduftung aller Produkte. Wobei Beduftung das falsche Wort ist, denn bei Farfalla werden die ätherischen Öle nicht nur als Duft, sondern auch als Wirkstoffe eingesetzt.

Und dass ätherische Öle ihre Wirkung haben, lernten die vier Gründer sehr früh. Denn eigentlich war ein fünfter Freund der Geburtshelfer. Er verkaufte Ende der 70er Jahre ätherische Öle auf dem Rosenhof in Zürich. Seine Fläschchen lagerte er unterm Bett seiner kleinen Wohnung. Irgendwann konnte er aber nicht mehr schlafen. «Klar, die Düfte machen ja was mit Dir», so Osmologe Jean-Claude. Und da dort nicht nur beruhigender Lavendel stand, stellte der junge Mann die Düfte schliesslich in der WG seiner Freunde im Keller unter. Dort vergass er sie, als er auf Weltreise ging.

Die vier Freunde dagegen hatten die Düfte angesteckt. «Wir hatten da alle eine Affinität. Ich habe beim Spaziergehen mit unserem Sohn Malvin damals Pfingstrosen gesammelt, weil ich den Duft so liebte.» Nur das mit dem Konservieren klappte noch nicht so recht. Da mussten noch viele handwerkliche Schritte gelernt werden. Denn eigentlich gingen alle erst einmal einer anderen Profession nach: Jean-Claude und Paul bei einem Reiseveranstalter, Gian als Mitinhaber einer Physiotherapie, die auch aromatherapeutische Anwendungen praktiziert hat.

27 Jahre WG-Erfahrung – von der Wohngemeinschaft zur Firma

Aber in der Freizeit probierten die vier sich im Mischen von Parfums und Cremes. «Ich erinnere mich noch gut, wie mein Vater in der Küche stand und im Mixer die Cremes anrührte», so Malvin Richard, der in diesem Jahr selbst Vater geworden und inzwischen für das Marketing bei Farfalla zuständig ist. «Mir kam das auch nicht komisch vor».

An dieser Stelle lächelt Malvins Schulfreund Lukas Lüscher, der inzwischen auch im Unternehmen ist: «Dir vielleicht nicht, aber den anderen im Ort schon», so Lukas Lüscher über den Schulfreund Malvin, der anfangs mit seinen Eltern noch in der Wohngemeinschaft gewohnt hatte, Mitgründer Paul war sein Patenonkel. Wobei das in den Achtzigern auch gerne noch mit dem entsprechenden Unterton «Kommune» genannt wurde, während heute selbst gesetzte Wirtschaftleute von Alters-WGs träumen. Das könnten sich Marianne, Jean-Claude, Gian und Paul auch vorstellen, bringen sie es zusammen doch auf 27 WG-Jahre.

Farfalla 1 04 2015…. und wie es vor 30 Jahrzehnten begann (Bild: Farfalla).

30 Jahre Firmengeschichte

30 Jahre, die mit dem Verkauf im Rosenhof und später einem Laden im Züricher Seefeld ihren Anfang nahmen. «Wir Frauen waren tagsüber im Laden, die Männer mussten noch in anderen Jobs das Geld verdienen», erinnert sich Marianne Richard. Denn vom Umsatz im Seefeld konnte man anfangs nicht leben. Manchmal waren es 20, 30 Franken am Tag, samstags vielleicht auch mal 80, die die «Duftwolke» umsetzte.

Aus dem Laden wurde die Idee eines Kosmetikunternehmens geboren: Farfalla. Ein Name, der an die Bedeutung der Schmetterlinge bei der Bestäubung der Blüten erinnert. Und ohne Blüten keine Pflanzen und damit keine Pflanzenkosmetik. Ein Name, der aber auch musikalisch klang, denn die Musik haben die vier Freunde bis heute nicht aufgegeben.

Es war eine Zeit, in der viele Naturkosmetikunternehmen ihren Ursprung haben. Es war aber auch eine Zeit, in der mit der aufkommenden Ökologie-, Friedens-, und Frauenbewegung viel Dynamik in der Gesellschaft war und in der junge Menschen alternative Lebensformen suchten.

«Glück schlägt Geld» - die sehr «morgige» Geschäftsphilosophie

Das Modewort Work-Life-Balance war vor 30 Jahren noch nicht geboren, aber im Grunde ist es das Erfolgsrezept, das Farfalla bis heute ausmacht. Begegnet man den Gründern heute, dann spiegeln die Gesichter eine Zufriedenheit, die sich auch in vielen Lachfalten zeigt. Humor verbindet wie die Musik. «Wir haben aber auch eine gute Streitkultur», so Furrer, der im Unternehmen für die Zahlen verantwortlich ist. Was bedeutet, dass viel, viel geredet und diskutiert wird. «Meistens haben wir solange geredet, bis wir eine Lösung hatten», ergänzt Marianne Richard, einzige Frau im Gründungsteam. «Eigentlich hat mich das nie gestört», sagt sie rückblickend und Jean-Claude ergänzt: «Kosmetik kann man gar nicht ohne Frauen machen.» Im heute 83köpfigen Unternehmen sind 60 Prozent der Mitarbeitenden weiblich.

Dazu tragen auch äusserst flexible Arbeitszeitregeln und Home Office Arbeitsplätze bei. Die Mitarbeitenden betreiben beispielsweise Yoga. Zu den Grundsätzen gehört gleicher Lohn für gleiche Leistung. Und niemand verdient mehr als das 3,3 fache vom niedrigsten Lohn. Damit lebt Farfalla seit 30 Jahren eine Firmenkultur, die heute unter Schlagwörtern wie «Glück schlägt Geld» diskutiert und von der sogenannten Generation Y eingefordert wird. Eben nicht «ibergeschtrig» sondern sehr «morgig».

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