Sativa ist 1998 aus einer kleinen Saatgutinitiative entstanden, die unabhängiges Biosaatgut sicherstellen wollte. Heute produziert Sativa über 550 Samensorten Gemüse, Blumen, Kräuter und Gründüngungen für Hausgärten und ErwerbsgärtnerInnen.

DSC 0521Das Unternehmen Sativa Rheinau gibt es seit 1998. Bild: zVg.

Fausta Borsani / Alte und seltene Sorten sowie Neuzüchtungen extra für den Biolandbau: Sativa macht alles, damit Bio-LandwirtInnen, Bio-GärtnerInnen sowie Private Samen aussäen können, die auf die biologische Wirtschaftsweise angepasst sind und auch selbst vermehrt werden könnten. Unter konventionellen Bedingungen gezüchtete Sorten sind für Bio-Flächen oft weniger geeignet. Deshalb braucht es eine eigenständige biologische Züchtung.

Erprobt in der Bio-Praxis

Sativas Pflanzenzüchtung findet unter Praxisbedingungen statt, auf biologisch oder biodynamisch bewirtschafteten Feldern und Triebhäusern - nicht in sterilen Labors. Das führt dazu, dass die Samen von Sativa auch unter den heutigen, teils extremen Wetterbedingungen gedeihen: Das Ziel sind robuste Pflanzen, die auch Wetterextreme, wie Wasserknappheit oder vernässte Böden wegstecken können. Die Bio-Züchtung ist sehr kapitalintensiv und dauert 10 bis 15 Jahre. Dafür bietet Sativa Sorten an, die gut schmecken, eine gute Ernte geben und die GärtnerInnen auch selbst nachbauen können. Bisher hat Sativa 13 biologische Sorten gezüchtet: von A bis Auberginen bis Z wie Zuckermais.

Sativa GewaechshausDie Pflanzenzüchtung findet unter Praxisbedingungen statt. Bild: bionetz.ch

Moderne Maschinen und Kreativität

Nebst einer Getreide- und Saatgut-Reinigungsanlage betreibt Sativa auch eine Abfüllanlage mit modernsten Maschinen. In der Hochsaison werden zirka 17'000 Portionentütchen und 2'500 Profibeutel pro Woche abgefüllt. «Es braucht viel Kreativität und Organisationstalent, damit der Vertrieb nichts von Engpässen und Arbeitsspitzen merkt», sagt Stefan Gantenbein, der Leiter der Abfüllanlage gut gelaunt.

Stefan Gantenbein SativaStefan Gantenbein, Leiter der Abfüllanlage. Bild: bionetz.ch

Veredelung für den Erwebgartenbau

Nebst Samen vertreibt Sativa auch biologisches Pflanzgut: Blumenzwiebeln, Erdbeerjungpflanzen, Pflanzkartoffeln, Steckzwiebeln und Knoblauch. Dabei folgt das Angebot der Nachfrage. Auch Veredelungen des Saatguts ist bei Sativa möglich, z.B das sogenannte «Coating», bei dem das Saatgut mit einem mineralischen Pulver beschichtet wird, damit es rieselfähig und besser sichtbar wird. Oder die Kalibrierung, das zu einer gleichmässigeren Keimung führt. Das ist vor allem für den mechanisierten Erwerbsgartenbau sehr nützlich. Sativa unterhält auch einen Online-Shop und arbeitet an vielen regionalen Märkten mit ProSpecieRara zusammen.

Abfuellanlage SativaIn der Hochsaison werden zirka 17'000 Portionentütchen und 2'500 Profibeutel pro Woche abgefüllt. BIld: bionetz.ch

Jetzt mitmachen beim Salat-Projekt von Sativa und ProSpecieRara!

Haben Sie im Garten freie Beete von 5 bis 15 Quadratmeter? Können und wollen Sie von Juli bis September für Sativa Salate anbauen und einige Daten in Ihrem Computer eingeben?

Machen Sie mit: Sativa stellt Saatgut und Anleitungen zur Verfügung. Sie ziehen den Salat vor und bauen ihn so an, wie sie ihn normalerweise bei sich kultivieren (Rein-oder Mischkultur). So wirken Sie mit an der Entwicklung von neuen, biologischen Salatsorten mit, die widerstandsfähig gegenüber Mehltau sind.

Weitere Informationen und Anmeldung (bis 15. Juni 2019 oder fürs Folgejahr): www.mit-vereinten-gaerten.org

Drei Fragen an Amadeus Zschunke, Geschäftsführer von Sativa:
- Warum ist Biosaatgut wichtig?
Die Verwendung von Biosaatgut ist eine Frage der Konsequenz. Ein teilumgestellter Betrieb wird von dem Meisten zurecht als halbe Sache verstanden. So ist es auch beim Saatgut.  
Biosaatgut und Biosorten legen die Grundlage, damit sich der Biolandbau auch in Zukunft weiter entwickeln kann. Dazu braucht es Sorten, die sich für die spezifischen Bedürfnisse des biologischen Anbaus eignen.
 
- Warum züchtet Sativa neue Gemüsesorten?
Auch die Biowelt entwickelt sich weiter. Es gibt neue Anforderungen an Sorten durch den Klimawandel, durch neue Krankheiten oder Schädlinge oder durch sich verändernde Bedürfnisse der KonsumentInnen. Dafür braucht es neue Sorten. Sativa engagiert sich zudem für nachbaufähige Sorten und gegen die unzulässige Privatisierung von Sorten durch Patente.
 
- Warum ist Sativa beim Bionetz?
Biodiversität ist nicht nur eine Notwendigkeit in der Natur, sondern auch auf dem Acker und im Stall. Hier sprechen wir von der Agrobiodiversität, die ebenso zunehmend bedroht ist, weil immer weniger verschiedene Sorten angebaut werden. Biodiversität ist aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet wichtig. Vielfalt ist letztlich im Interesse Aller. Hierzu leistet Bionetz in der Schweiz einen wichtigen Beitrag.

Sativa

Das Unternehmen Sativa gibt es seit 1998 und es beschäftigt heute 60 MitarbeiterInnen mit insgesamt etwa 4100 Stellenprozent. Die Firma ist in den Händen der Mitarbeitenden und ist Teil des ökologisch-sozialen Projekts Fintan.

Sativa verfügt über Pachtland - 14 Hektaren Ackerfläche und 7'500 Quadratmeter Gewächshäuser in der Schweiz und 11 Hektaren Acker und 4'000 Quadratmeter Gewächshaus in Italien. 85% des verkauften Saatgutes wird aber in Vertragsanbau produziert. Je 40 Vertrags-Betriebe vermehren Gemüse und Getreide. Die Hälfte der Betriebe befindet sich in der Schweiz und die andere Hälfte teilt sich auf zwischen Italien, Frankreich und Deutschland.

Pro Jahr verlassen den Sativa-Vertrieb zirka 350'000 Portionentütchen und 40'000 Profibeutel Samen.

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