Die Genossenschaft Gran Alpin wird 30 Jahre alt. Die Idee von drei mutigen Männern hat sich zum erfolgreichen Modell für die Vermarktung von authentischen Bergprodukten entwickelt.

Fausta Borsani

Sonnenkraft inklusive

gran alpin 4764 kleinBerg-Gerste, sonnengereift. Bild: Gran Alpin.Heute sind bei Gran Alpin 120 GenossenschaftlerInnen registriert, davon 100 produzierende Bauern und Bäuerinnen. Die breite Produktepalette erstaunt: Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Nackthafer, Emmer und Buchweizen - daraus werden Körner, Flocken, Mehl, Teigwaren und - der Malzgerste sei Dank - Gran-Alpin-Bier hergestellt! Sämtliches Getreide dazu wächst in den Bergen? «Ja, und das besondere am Berggetreide ist, dass es so robust ist. Es muss der harschen Witterung trotzen und mit der kürzeren Vegetationsperiode klarkommen. Dabei tankt es intensiv Sonne und wird so zum geschmacksvollen und gesunden Gran Alpin Getreide!». Maria Egenolf, seit 9 Jahren Geschäftsführerin von Gran Alpin, ist ganz offensichtlich von «ihrem» Getreide begeistert. «Mein Lieblingsprodukt sind die Roggenteigwaren. Der «Cadi-Roggen» ist nach dem 2. Weltkrieg im Bündnerland gezüchtet und entwickelt worden. Er ist speziell geeignet für Höhenlagen», erklärt die Agronomin, die selber jahrelang in der Biolandwirtschaft gearbeitet hat. Auch die Haferflocken haben es ihr angetan, besonders, wenn sie einen langen Arbeitstag vor sich hat. Denn «sie halten lange satt,» wie sie versichert.

Vernetzung und Weiterbildung

2017 09 04 10.46.45Geschäftsführerin Maria Egenolf mit ihren Lieblingsprodukten. Bild: BionetzDie diesjährige Ernte ist in den höheren Regionen noch in vollem Gange. Das meiste an Brau- und Speisegerste wird noch gedroschen. Die Ernte des Berggetreides kann bis Ende September gehen, wenn nicht vorher schon Schnee kommt. «In diesem Jahr war es zuerst sehr trocken, dann sehr nass, sodass Unkräuter schwerer in Schach zu halten waren. Die Qualität ist trotzdem gut. Und bald wird das erste Wintergetreide ausgesät», erklärt Maria Egenolf. Sie koordiniert den Anbau und vermarktet die Produkte. «Dabei arbeite ich sehr eng zusammen mit der Bergeller Mühle Scartazzini sowie mit drei Brauereien, welche die Gerste verbrauen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Plantahof, dem landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum von Graubünden, sowie mit Alpinavera, der Marketing- und Kommunikationsplattform für zertifizierte Regionalprodukte aus den Schweizer Bergen, sind für uns wichtig».

Logistik: Pooling vom Feisten

feldbegehung mustair 049 Feldbegehung im Val Müstair. von links nach rechts: Johannes Fallet, Pächter des Klosterbetriebs St. Johann in Müstair und Vorstandsmitglied von Gran Alpin; Martin Roth, landwirtschaftlicher Berater vom Plantahof; Aldo Arpagaus, Landwirt in Cumbel im Lugnez und Vorstandsmitglied von Gran Alpin; Peer Schilperoord, Experte für Getreidekrankheiten und alte Sorten. Bild: Gran Alpin. Bio ist im Kanton Graubünden eine Erfolgsgeschichte: bereits 60% der Betriebe sind bio-zertifiziert. Und es werden immer mehr. Gran Alpin will auch weiter wachsen, aber: «Es ist viel Know-How nötig. Zum Beispiel bezüglich der Unkrautbekämpfung oder der Sortenwahl», weiss die engagierte Geschäftsführerin. «Darum bieten wir zusammen mit dem Plantahof Beratungen und Feldbegehungen für unsere ProduzentInnen und weitere interessierte Bauern an». Und die Logistik sei auch nicht ganz ohne: Um die 80 Läden, einige Restaurants sowie mehr als 100 Privatkunden zu beliefern, sind besondere Kooperationen nötig. Für die Lieferung der Produkte ins Unterland spannt Gran Alpin mit dem Glaceproduzenten Glatsch Balnot sowie mit Chäs & Co zusammen. Die Zusammenarbeit mit Grossverteiler Coop, der seit 2015 die Rollgerste im Sortiment führt, stellt Gran Alpin vor grosse Anforderungen: «da darf nichts schiefgehen», so Maria Egenolf. Auch Andreas Caminada, ein hochdotierter Koch, gehört zu ihren Kunden. Die Verantwortung die sie trägt, ist enorm - sie managt die Produktion von 500-600 Tonnen Getreide und setzt knapp eine Million Franken pro Jahr um. Dafür stehen der Organisation ganze 160 Stellenprozent zur Verfügung!

Preise über Preise

2017 09 04 10.43.34Mitarbeiterin Elvira Cadosch beim Einpacken von Bestellungen. Bild: BionetzDass die Arbeit von Gran Alpin in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, zeigt sich daran, dass die Genossenschaft schon begehrte Preise gewinnen konnte. Im 2011 den allerersten Prix Montagne der Schweizerischen Berghilfe und 2017 den Bio-Grischun Preis. Dies vor allem als Anerkennung für 30 Jahre Einsatz für den Bergackerbau. Maria Egenolf ist viel auch an Märkten und Messen anzutreffen. Zum Beispiel am Bruneggfest in Hombrechtikon, der Slow Food Messe in Zürich oder dem Fürstenauer Genussmarkt. Gran Alpin ist wunderbar vernetzt, nicht zuletzt auch via bionetz.ch! Dabei schätzt sie, dass Gran Alpin (noch) ein kleiner Betrieb ist: «Ich kenne jeden Produzenten und auch fast alle KundInnen persönlich, mindestens vom Telefon her».

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