Swiss Fair Trade Forum zum Thema Kaffee: Das Vorzeigeprodukt des Fairen Handels hat noch riesiges Potential

Der Notruf der Kaffeekleinbauern vor 20 Jahren ist noch nicht verhallt. Damals herrschten Tiefstpreise auf dem Rohkaffee-Weltmarkt. Der Verkauf von Kaffee aus Fairem Handel durch die Pionierorganisationen, die Gründung der Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) und die Zertifizierung von Kaffee als erstem Fairtrade-Produkt war ein wichtiger Schritt in eine bessere Zukunft. Doch auch heute noch kämpfen viele Kleinproduzenten um einen fairen Preis und bessere Lebensgrundlagen. Am Swiss Fair Trade Forum 2012 wurde deutlich, das der Faire Handel auch beim Vorzeigeprodukt Kaffee noch riesiges Potential hat.

Am Swiss Fair Trade Forum in vom 27. November 2012 trafen sich in Solothurn Experten, Produzenten, Händler und Interessierte, um über die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven des internationalen Kaffeehandels zu diskutieren. Eines wurde schnell klar: Trotz Fairem Handel und grosser Fortschritte profitieren noch lange nicht alle Produzenten vom Fairen Handel. «In Äthiopien erhalten die Kleinbauern für ein Pfund konventionellen Rohkaffee heute 1.60$. Erst der Fairtrade-Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie erlauben es, Bildung für die Kinder und den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu finanzieren», bemerkt Tadesse Meskela, General Manager der Oromia Coffee Farmers Cooperative Union (OCFCU) LTD.

20 Jahre Fairer Handel

Das Absacken des Weltmarktpreises für Rohkaffee nach dem Auseinanderbrechen des bis dahin gültigen Internationalen Kaffee Abkommens zwischen Import- und Exportländern wurde 1989 zur existentiellen Bedrohung für viele Kaffeekleinbauern. 2001 kam es noch schlimmer, der Rohkaffeepreis fiel unter 0.45$ pro Pfund. Eine Initiative verschiedener Hilfswerke führte in der Schweiz 1992 zur Einführung des Fairtrade-Labels Max Havelaar mit Kaffee als erstem zertifiziertem Produkt. Das grundsätzliche Ziel des Fairen Handels hat auch nach 20 Jahren noch Gültigkeit, wie Rolf Buser, erster Geschäftsleiter der Max Havelaar-Stiftung (Schweiz), betont: «Einer möglichst grossen Anzahl von Kaffee-Kleinbauern und ihren Kooperativen den direkten Marktzugang zu fairen Bedingungen zu gewähren und ihnen dadurch nicht nur die Existenz, sondern eine eigenständige Entwicklung und ein Leben voller Hoffnung und Würde zu ermöglichen. Ein kostendeckender Preis und verlässliche Handelsbeziehungen sind meines Erachtens unentbehrliche Grundvoraussetzungen dazu.»

Der Kaffeehandel 2012

Weltweit gibt es etwa 25 Millionen Kaffeebäuerinnen und -bauern in über 50 Ländern. Rechnet man deren Familien dazu, leben ca. 120 Millionen Menschen direkt vom Kaffeeanbau. Rund 80 Prozent davon arbeiten in kleinen Familienbetrieben. Hauptproduzentenländer sind Brasilien (33%), Vietnam (15%) und Indonesien (6%). Die Rohkaffeeproduktion weltweit liegt bei rund 7.8 Millionen Tonnen. Kaffee ist damit nach Erdöl das am zweithäufigsten gehandelte Produkt. Gerade mal 10 Akteure kontrollieren über 60 Prozent des weltweiten Kaffeehandels – darunter auch der Schweizer Nestlé Konzern. Bei den Röstern ist die Konzentration ähnlich hoch: das Röstgeschäft liegt zu über 40 Prozent in den Händen von 10 Akteuren.

Eine Alternative mit grossem Potential

Kaffee aus Fairem Handel ist eine echte Alternative. «Jeder Akteur entlang der Handelskette vom Produzenten über den Händler und den Röster bis zum Konsumenten spielt eine wichtige Rolle. Denn er hat die Wahl, sich für Fairtrade-Kaffee zu entscheiden. Dieses Label stellt die höchsten Anforderungen und hat die beste die Wirkung für die kleinen Produzenten bewiesen», erklärt Julie Stoll, Generalsekretärin der Plate-Forme pour le Commerce Équitable in Frankreich. Das Wachstumspotential ist riesig, weiss auch Sonja Ribi, Geschäftsführerin von Swiss Fair Trade: «Weltweit wird nur etwa 1.5 Prozent des Kaffees fair gehandelt. Bei 98.5 Prozent der Kaffee-Produktion besteht also das Potential, die Lebensgrundlage der Menschen im Süden über den Fairen Handel zu verbessern».

Vielversprechende Trends

Trotz aller Herausforderungen ziehen die Teilnehmer des Swiss Fair Trade Forums eine positive Bilanz. In der Schweiz stagnierte der Marktanteil von Fair Trade-Kaffee im Detailhandel seit Jahren bei rund 5 Prozent. 2012 wird er erstmals bei 8 Prozent liegen. Der weltweit steigende Kaffeekonsum (um 2.5 % pro Jahr) und neue Absatzmärkte in den Schwellenländern sind auch für fair gehandelten Kaffee eine Chance. Zudem ist das Thema Nachhaltigkeit auch bei den grossen Akteuren angekommen. Bernard Gaud von CaféMA international in Genf macht deutlich: «Der Faire Handel ist nicht nur etwas für den Nischenmarkt, auch für grosse Akteure bietet er echte Lösungen hin zu einer nachhaltigen Entwicklung.»

Quelle und weitere Informationen: Swiss Fair Trade

Kontaktperson: Sonja Ribi, Geschäftsführerin

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