Wer Hochstammbäume pflegt, hat viel Aufwand zu tiefem Lohn. Hochstamm Suisse will die Produkte mit Mehrwert verkaufen und den Bauern somit mehr Rentabilität garantieren. Das Label ist auf Kurs.

Hochstammbäume sind nicht mehr zeitgemäss. Hochstammbäume sind unrentabel. Hochstammbäume sind wirtschaftlich unbedeutend. Diese Clichés kennt Stephan Durrer, Geschäftsführer von Hochstamm Suisse, zur Genüge. Ganz entkräften kann er sie nicht. „Ich kann diese Vorurteile nicht negieren, sie stimmen zu gewissen Teilen. Aber ich kann sie relativieren”, so Durrer am Medientag des LID.
 
Tatsächlich kämpfen Produzenten von Hochstammobst mit der Rentabilität. Inklusive Bundesbeiträge kommen sie auf einen Stundenlohn von rund zehn Franken. Kommt besondere Ökoqualität hinzu, steigt er auf 32 bis 38 Franken, allerdings bei einem deutlichen Mehraufwand. Hochstamm Suisse will den Ertrag der Produzenten steigern, indem zertifiziertes Obst unter dem Label Hochstamm Suisse verkauft wird. Zwei Franken zusätzlich gibt das pro 100 Kilo Kernobst, auf 35 Franken pro 100 Kilo kommt damit ein Produzent von Spezialmostobst.
 
LID 3 967ad1a7c1Hochstammobst kann mit Mehrwert verkauft werden - doch nicht alles findet Abnehmer (Bild: Jonas Ingold, LID).

Bundesgeld reicht nicht

„Damit fängt sich die ganze Geschichte an zu rentieren”, sagt Durrer. Hochstamm Suisse sei im Bewusstsein gegründet worden, dass Direktzahlungen alleine nicht reichen. „Wir wollen einen marktorientierten Anbau haben”, erklärt der Geschäftsführer. Durrer ist mit Hochstamm Suisse auf Kurs. Mit Coop konnte einer der grossen Detailhändler ins Boot geholt werden. Sämtliche Most-Eigenmarken hat Coop mittlerweile auf Hochstamm Suisse umgestellt, was einen 100 Prozent-Hochstammanteil und 100 Prozent Schweizer Obst im Saft garantiert. Mit dem Grossverteiler im Rücken seien auch die Verarbeiter gekommen, sagt Durrer. Der grösste Schweizer Mostproduzent Ramseier etwa, aber auch Emmi, das Joghurt mit dem Label auszeichnet. Laut Durrer ist man damit „in einem Bereich angelangt, der einschenkt.” Auch mit regionalen Organisationen wie Hochstamm Seetal oder zuger-rigi-chriesi arbeitet die Organisation zusammen.

Der Markt ist klein

Dennoch, der Markt wird zwar grösser, ist im Vergleich mit dem gesamten Mostmarkt aber noch immer klein. Von den ca. 40‘000 Tonnen Spezialmostobst, die pro Jahr vermarktet werden, entfallen nur 3‘500 Tonnen auf Hochstamm Suisse. Mit 100‘000 Bäumen, die unter Vertrag stehen, werden erst vier Prozent der Gesamtzahl abgedeckt. Grösser ist der Marktanteil bei Nischenprodukten, wie etwa Konservenzwetschgen. „Dank uns werden die erst wieder gehandelt”, so Durrer, mit Blick auf die 75 Prozent Marktanteil.

Im Mostbereich ist zweifellos noch Potenzial vorhanden, gerade bei jungen Leuten. Durrer nennt als Beispiel Apfelwein, der in den USA und anderen Ländern unter dem Namen Cider ein Trendprodukt ist, in der Schweiz zumindest aktuell aber hauptsächlich bei der älteren Bevölkerung ankommt. Auch Hersteller Ramseier will vermehrt ein neues Klientel anstreben: Seit kurzem ist der „Suure Moscht” auch in der Büchse erhältlich und soll somit ein neues Publikum erreichen.

Quelle: LID (Jonas Ingold)

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