Der Schweizer Biomarkt hat 2013 gemäss aktuellen Zahlen der Bio Suisse die Grenze von 2 Milliarden Franken überschritten. Coop erzielte dabei, u.a. mit den vielfältigen Aktivitäten zum «20 Jahre Coop Naturplan»-Jubiläum, allein 1 Milliarde Franken Bioumsatz. Positiv entwickelte sich erfreulicherweise auch der Biofachhandel. Mit den neuen Landwirtschaftsinitiativen ist eine neue Agrardebatte lanciert. Bio Suisse wird auch dazu richtungsweisende Impulse liefern müssen.

Peter Jossi – Die Zahl der Knospe-Betriebe in der Schweiz hat weiter zugenommen: Mittlerweilen arbeiten 5'884 Produzenten und 847 Verarbeiter nach den Richtlinien von Bio Suisse. Die gesamte Bioanbaufläche nahm um 5'000 ha zu. Der Biomarkt erreichte im letzten Jahr mit einem Marktanteil von 6.9% einen neuen Rekordwert. Der Gesamtumsatz biologisch produzierter und verarbeiteter Güter machte 2.053 Milliarden Franken aus. Das Wachstum binnen Jahresfrist betrug 223 Millionen Franken (+ 12.1%).

Die positive Entwicklung freut auch Bio Suisse-Präsident Urs Brändli: «Die Nachfrage nach Bioprodukten hält an und deren Deckung durch die Inlandproduktion steigt ungebremst weiter.» Die Knospe erfülle bereits heute höchste Ansprüche; die Herausforderungen seien aber klar: «Wir sind als Verband laufend gefordert, neue Erkenntnisse einzubeziehen, Lücken zu eruieren und uns gemeinsam - vom Bioproduzenten über den Verarbeiter bis zum Händler - weiter zu entwickeln.»

Bio Suisse aepfelBio mit Swissness gewinnt an Bedeutung (Bild: Bio Suisse).

Landwirtschaftsinitiativen: «Neutrale Haltung» des Vorstands durch Delegierte bestätigt

Mit der Verabschiedung der Agrarpolitik 2014-17 (AP 2014-17) im Verlauf von 2013 sind die Rahmenbedingungen für die nächsten Jahre gesetzt. Mehr agrarpolitische Ruhe hat dies nicht bewirkt. Im Gegenteil – wie die Lancierung der «Ernährungssicherheitsinitiative» des Schweizer Bauernverbands und die «Lebensmittelinitiative» der Grünen zeigt.

Bio Suisse-Präsident Urs Brändli betonte einleitend zur Diskussion im Rahmen der Bio Suisse-Delegiertenversammlung vom 16. April 2014: Es sei legitim und gut nachvollziehbar, dass sich viele Bio Suisse-Mitglieder öffentlich unterstützend für die Initiativen engagieren würden. Tatsächlich deckten sich viele der Forderungen der Initianten mit den Bio Suisse-Zielsetzungen: Ökologisierung der Landwirtschaft, Steigerung, bzw. Erhaltung eines hohen landwirtschaftlichen Inlandanteils, Förderung der Bauernfamilienbetriebe. Für die meisten Anliegen besteht jedoch schon heute ein klarer Verfassungsauftrag. Der vielfältige Massnahmenkatalog der AP 2014-17 regelt die Umsetzung. Urs Brändli merkte weiter an, dass es zumindest bei der «Ernährungssicherheitsinitiative» des Schweizer Bauernverbands einem Teil der treibenden Kräfte jedoch um eine Rückgängigmachung von ökologischen Fortschritten gehe.

Der Bio Suisse-Vorstand plädierte daher auf eine neutrale Haltung zu beiden Landwirtschaftsinitiativen. In der Diskussion äusserten sich viele Bio Suisse-Delegierte kontrovers und kritisch. Eine solide Mehrheit stärkte jedoch letztlich die Vorstandshaltung.

Bio Suisse weizenfeldMehr Betriebe, mehr Biofläche - auch im Getreideanbau (Bild:Bio Suisse)

Zukunft der Schweizer Landwirtschaft – Debatte neu lanciert

Mit dem aktuellen Entscheid ist einzig die Frage geklärt, dass sich die Bio Suisse während der Lancierungsphase und der Unterschriftensammlung nicht offiziell und aktiv beteiligen wird. Beide Vorlagen haben gute Chancen, die erforderliche Unterschriftenzahl rasch erreichen zu können. Da bei beiden Initiativen eine ganze Reihe von Umsetzungsdetails noch ungeklärt ist, entwickeln sich im Rahmen der parlamentarischen Debatte möglicherweise Gegenvorschläge. Ob Bio Suisse dabei aktiv mitwirken wird, wird sich dabei erst weisen müssen und mit Sicherheit auch weitere Delegierten-Entscheide erfordern. Bis dahin wird Bio Suisse darauf hinwirken, dass die kritischen Elemente der aktuellen Agrarpolitik 2014-2017 verbessert werden.

Marktregulierung mit Grenzen

Fragen zur Identität und Qualität der Schweizer Lebensmittel bleiben daher mit Sicherheit aktuell. Die an den Verkaufspunkten vor der Wahl stehende Kundschaft sucht nach Orientierung und Entscheidungshilfen. Über Label- und Zertifizierungssysteme hinaus wächst der Wunsch nach «Bio mit Mehrwert». In der Erwartung grosser Teile der Kundschaft müssen Biolebensmittel heute aus der vertrauten Region stammen oder bei Importen aus Südländern gleich auch noch Fairtrade-Kriterien erfüllen.

Zunehmend verhalten sich viele Konsumentinnen und Konsumenten selber nicht immer sehr fair und erledigen den Wochengrosseinkauf „ennet der Grenzen" im nahen Ausland. Dabei oft sogar in regionaler Bioqualität, wenn halt dann auch ohne Swissness.

Maya Graf: Bauernfamilien weltweit grosse Bedeutung

Zum Abschluss der Frühjahrs-Delegiertenversammlung von Bio Suisse sprach die grüne Baselbieter Nationalrätin und Biobäuerin Maya Graf als Gastrednerin. Sie setzte sich natürlich für die «Lebensmittelinitiative» der Grünen ein, weitete aber gleichzeitig den Blick aus und betonte in die weltweite Verantwortung der Bauernfamilien. Dies sei im aktuellen «Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe» besonders wichtig. Sie zitierte unter anderem aus Studien, welche die Industrie-Landwirtschaft als Auslaufmodell sehen. Um den Hunger von 800 Millionen Menschen – vor allem auf der Südhalbkugel – zu stillen, brauche es keine globalen Multis, sondern lokale Bauernfamilien und Kooperationen, sagte Graf in ihrer Rede vor den Delegierten.

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