Die Allianz «share for food» wollte mit ihrer diesjährigen Herbsttagung eine fundierte und breit abgestützte Diskussion zum Themenfeld «Fleisch – Hunger – Weidehaltung» anstossen. Mit engagierten Akteuren aus Produktion, Verarbeitung, Handel sowie Konsumentinnen und Konsumenten wurden Lösungsansätze für einen global verantwortungsvollem Fleischkonsum aufgezeigt und entwickelt.

Markus Johann - Die Tagung der Vereinigung «Share for Food» fand am 27. November 2014 an der HAFL in Zollikofen statt. Fritz Schneider (Leiter Abteilung Agronomie, HAFL/ Berner Fachhochschule) und Präsident des Schweizerischen nationalen FAO-Komitees (beratendes Gremiums des Bundesrates), legte gleich zu Beginn der Tagung eindrücklich ein paar wichtige Fakten dar. 70% der weltweit zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Nutzflächen sind für Nutztiere reserviert. Die Landwirtschaft verbraucht dafür 10% der weltweiten Wasservorräte und ist zugleich der grösste Wasserverschmutzer. Die Kräfte des weltweiten Wandels für mehr Fleischkonsum seien die steigenden Einkommen, die zunehmende Urbanisierung sowie die sinkenden Preise für Lebensmittel.

Jedes zweite Schwein in China gemästet

Fritz Schneider lebte mehrere Jahre in Indien. Er wies weiter darauf hin, dass auch dort der durchschnittliche Fleischverzehr pro Person jedes Jahr steigt, wenn auch auf viel tieferem Niveau als in der Schweiz. Jedes zweite weltweit geschlachtete Schwein wird heute in China gemästet. 70% der Sojaproduktion geht nach China, vor allem in die Tiermast. 37% der Fleischprodukte werden heute in der Industrie produziert. Bei den Tieren aus Weidesystemen sind es jedoch nur 9%. Weiderinder werden primär in Mischbetrieben gehalten. Dies sei ein wichtiger Vorteil gegenüber den Tieren aus reinen Mastbetrieben. Schneider plädierte für eine Reduktion von Kraftfutter für Wiederkäuer und hin zu Fleisch und Milch aus Raufutter (Gras und Heu) sowie eine vernünftigere Nutzung von Kraftfutter in der Tiermast von Hühnern und Schweinen.

Macht keinen Hunger Bild 1 PB270023Links im Bild Moderator Thomas Gröbly und rechts Anita Idel, die Fragen aus dem Plenum beantwortet (Bild: Markus Johann, bionetz.ch).

Die Kuh ist kein Klimakiller – bei Weidehaltung

Anita Idel, Tierärztin und Leadautorin des «Weltagrarberichtes», wies unter dem Titel «Die Kuh ist kein Klimakiller» u.a. darauf hin, dass sich in den letzten 50 Jahren die Anzahl der Rinder und Büffel weltweit verdoppelt habe. «Kühe rülpsen Methan, 25mal klimaschädlicher als CO2», betonte Idel. Dennoch seien Rinder unverzichtbar für die Welternährung - durch ihren Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels. In nachhaltiger Weidehaltung haben Wiederkäuer nämlich das Potenzial, Kohlenstoff als Humus im Boden zu speichern, erläuterte Idel.

Die höchsten Emissionen gehen von der synthetischen Düngung und der grossen Monokulturen Mais und Sojabohnen aus. Kühe, Schafe und Büffel dagegen können in Symbiose mit ihren Pansenmikroorganismen Weidefutter zu Milch und Fleisch umwandeln. Deshalb sind sie laut Idel prädestiniert zur Nutzung derjenigen Böden, die nicht beackert und durch Beweidung vor Erosion geschützt werden können. Stattdessen werden sie mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide zu Nahrungskonkurrenten der Menschen gemacht. Milch und Fleisch aus Intensivproduktion sind nur scheinbar billig.

Der wichtigste Appell von Idel an die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung: «Die „Rechnung" kommt garantiert einmal, denn Monokulturen verdrängen die biologische Vielfalt und die CO2-Speicher: das Grünland und den (Regen-)Wald. Es gilt immer den Blick auf alle Parameter und nicht nur auf einzelne einer Tierhaltung zu richten sowie auch den gesamtgesellschaftlichen Aspekt zu berücksichtigen.»

Macht keinen Hunger Bild 2 PB270031Biobauer Samuel Spahn (rechts) erläutert die Resultate aus einer Workshopgruppe (Bild: Markus Johann, bionetz.ch).

Nachhaltigkeitsleistung der Landwirtschaftsorganisationen?

Andrea Hüsser (Erklärung von Bern) und Hans Bieri (Schweizerische Vereinigung für Landwirtschaft und Industrie) legten die Basis für die fünf anschliessenden Workshops. Diese diskutierten unter anderem darüber, ob es landwirtschaftliche Organisationen in der heutigen Form noch braucht. Welchen Beitrag können Landwirtschaftorganisationen sowie einzelne Bauerhöfe zu einer nachhaltigen Landwirtschaft leisten und wie können «Essende» und Bildungsinstitutionen dies unterstützen. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem kleinen Nachtessen, das unter anderem die Gelegenheit bot, den ersten «Share for Food»-Hamburger zu degustieren.

Quellen und weitere Informationen:

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