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Rapsöl ist eine Erfolgsgeschichte der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. Freihandelsabkommen könnten jetzt aber den Import von billigerem Palmöl anheizen und den hiesigen Rapsanbau unter Druck setzen. Darum hat die grüne Nationalrätin Maya Graf im Juni  eine Interpellation zum Palmöl-Import und dem Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien eingereicht.

LID: Landauf, landab ernten Bauern in diesen Tagen ihren Raps. Vom Feld wird dieser zu den Sammelstellen gebracht, von wo es weiter zu den Ölmühlen geht. Diese verarbeiten die schwarzen Raps-Körner zu Speiseöl; der nach dem Pressen übrigbleibende Teil, der so genannte Kuchen, dient als protein- und energiereiches Viehfutter. Der Rapsanbau in der Schweiz hat in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebt. Die Anbaufläche konnte stark ausgedehnt werden (siehe Textbox). Heute produzieren die Schweizer Bauern fast doppelt so viel Raps wie im Jahr 2000. Im letzten Jahr konnten sie gar so viel ernten wie noch nie.

Blühendes Rapsfeld

Rapsöl im Trend

Dass Rapsöl im Trend liegt, zeigt sich im am steigenden Marktanteil. Lag dieser im Jahr 2002 noch bei 17,4%, waren es im letzten Jahr bereits 25,5%. Damit ist Rapsöl nach Sonnenblumenöl das beliebteste Speiseöl.
Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt, den täglichen Bedarf an Pflanzenöl mindestens zur Hälfte in Form von Rapsöl zu decken. Rapsöl sei ein besonders wertvolles Öl, weil es einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren enthalte, erklärt SGE-Mediensprecherin Steffi Schlüchter. Es eigne sich für die kalte wie auch warme Küche.

Neue Sorten verleihen Rapsanbau Flügel

Der Rapsanbau und die Rapsölproduktion gelten innerhalb der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft als Erfolgsgeschichte. Vor rund zehn Jahren haben Rapsproduzenten, Saatgut-Züchter, Verarbeiter und die Forschungsanstalt Agroscope ein Projekt lanciert, um dem Schweizer Rapsanbau neue Impulse zu verleihen. Gezüchtet wurde eine neue Sorte: HOLL-Raps. Daraus lässt sich ein Öl pressen, das wegen einer anderen Fettsäurestruktur hitzebeständig ist. Es eignet sich folglich besonders zum Frittieren und für heisses Anbraten und somit für den Einsatz in der Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Herkömmliches Rapsöl konnte deren Anforderungen nur teilweise erfüllen.

Palmöl konkurrenziert  Rapsöl

Ob der Höhenflug der Schweizer Rapsproduktion weiter anhält, ist derzeit ungewiss. Die Schweiz verhandelt aktuell zusammen mit anderen EFTA-Staaten ein Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien. Über den Inhalt der Verhandlungen ist noch nichts bekannt. Bekannt ist hingegen, dass es sich bei Malaysia und Indonesien um die weltgrössten Produzenten von Palmöl handelt und diese an einem erleichterten Export für Palmöl besonders interessiert sein dürften.
Beat Röösli vom Schweizer Bauernverband glaubt denn auch, dass die beiden asiatischen Länder auf einen Zollabbau im Bereich pflanzlicher Öle drängen werden. Palmöl würde damit billiger, der Import somit attraktiver.

Befürchtugnen der Schweizer Getreideproduzenten

"Je billiger Palmöl ist, desto stärker kommt Schweizer Rapsöl unter Druck und könnte ersetzt werden", befürchtet Andrea Koch vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband. Betroffen seien vor allem verarbeitete Lebensmittel. Bei diesen sei die Herkunft einzelner Rohstoffe für Konsumenten meist nicht so entscheidend, der Swissness-Trumpf steche hier kaum. Verarbeiter könnten deshalb versucht sein, vermehrt billiges Palmöl statt Schweizer Rapsöl einzusetzen. Laut Koch kann HOLL-Raps praktisch eins zu eins durch Palmöl ersetzt werden. Koch befürchtet, dass unter vermehrten Importen von Billig-Palmöl nicht nur der Rapsanbau, sondern der Ackerbau im Allgemeinen leiden könnte. "Raps ist eine der wenigen Ackerkulturen, deren Anbau sich bislang rentiert hat", so Koch. Bauern sind im Rahmen der Fruchtfolge verpflichtet, mehrere Kulturen anzubauen, auch solche, die weniger lukrativ sind wie etwa Futtergetreide. "Für viele Bauern fiel die Bilanz dank dem Raps dennoch positiv aus", erklärt Koch.

Auch Ölmühlen unter Druck

Unter zunehmenden Palmöl-Importen würden nicht nur Rapsproduzenten leiden, sondern auch die drei Schweizer Ölmühlen, die Raps verarbeiten. Eine davon ist die in Muttenz BL ansässige Florin AG. Man habe die Rapsölproduktion in den letzten Jahren kontinuierlich steigern können, erklärt Geschäftsführer Christian Florin. Auch er glaubt, dass ein Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien den Druck auf die hiesige Rapsproduktion und -verarbeitung erhöhen wird. "Im Moment ist es aber noch zu früh, um präzise Aussagen zu den Konsequenzen zu machen", so Florin. Derzeit würden sich Raps- und Palmöl preislich nicht gross unterscheiden, was sich mit einem Abbau des Grenzschutzes ändern könnte. Der Swissness-Bonus, den Rapsöl gegenüber Palmöl hat, wiegt laut Florin das preisliche Handicap nicht auf.

Interpellation im Nationalrat eingereicht 

Maya Graf, Nationalrätin Grüne, hat im Juni 2015 eine Interpellation zum Palmöl-Import und dem Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien eingereicht. Darin zeigt sie sich besorgt wegen der Ausweitung der Palmöl-Plantagen, die zu einer drastischen Abnahme des Urwalds führe. Vom Bundesrat will Graf unter anderem wissen, ob das Abkommen soziale und ökologische Mindeststandards für den Handel mit Palmöl vorsehe.

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