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Agroscope hat 840 einzigartige Birnensorten identifiziert. Die Beschreibung der Sorten soll die Vielfalt erhalten und zu einer vermehrten Nutzung anregen. So etwa zur Produktion von Schaumwein oder Birnen-Balsamico.

Agroscope / Bauernzeitung.ch - Die Forschungsanstalt Agroscope hat in den letzten Jahren die Vielfalt der einheimischen Birnensorten unter die Lupe genommen. Mittels molekulargenetischer Analysen konnten die Wissenschaftler 840 in der Schweiz heimische Birnensorten ermitteln. Sie zeugen von mannigfaltigen Formen und Farben: von kugelig grün und berostet bis perlförmig gelb oder orange mit dunkelroter Deckfarbe. Sogar eine gestreifte Birne ist im Inventar vertreten: die ‚Schweizerhose‘, deren Namen sich vom Beinkleid der Schweizergarde in Rom ableitet.

Agroscope BirnenIn der Schweizer Birnenvielfalt darin steckt viel kulinarisches (Nischen-)Potenzial (Foto: Agroscope).

Aromen von Anis bis Zimt

Ebenso vielfältig ist die Aromapalette: Sie reicht von herb-süss bis säuerlich-spritzig, knackend, schmelzend oder stark adstringierend. Birnen weisen oft sehr charakteristische Geschmacksnoten auf, die an Zimt, Vanille, Karamell, Anis, Bergamotte oder Muskat erinnern. 

Dem Apfel kulinarisch ebenbürtig

Birnen sind auch im Hinblick auf Inhalts- und Nährstoffgehalt gehaltvoll und dank ihrer Gerbstoffe gesundheitsfördernd sowie vorteilhaft auf die Verdauung. Und sie stehen laut Agroscope-Fachleuten bezüglich kulinarischer Qualitäten den Äpfeln in nichts nach. Aus den gängigen Tafelbirnensorten wie ‚Conférence‘, ‚Kaiser Alexander‘ und ‚Gute Luise‘ und den traditionellen wie ‚Williams‘ und ‚Theilersbirne‘ werden Edelbrände hergestellt. Vermehrt werden auch wieder Nischensorten wie ‚Palmischbirne‘ oder ‚Islerbirne‘ destilliert. Mostbirnen werden häufig dem Süssmost beigemischt.

Birehung, Schlorzifladen und vin cuit

Viele alte Schweizer Birnensorten finden nur regionale Verbreitung und sind fest in der kulinarischen Geschichte der Schweiz verankert. So die Westschweizer Birnensorten die ‚Sept-en-geule‘ oder die freiburgische ‚Poire-à-Botzi‘, aus der die Welschen ‚vin cuit‘ herstellen. Oder die ‚Theilersbirne’,  aus der Produzenten aus der Zentralschweiz Birnendicksaft gewinnen. In der Deutschschweiz findet man eher Sorten wie ‚Wasserbirne‘, ‚Herbstlängler‘, ‚Knollbirne‘ oder ‚Luzeiner Längler‘. Nach alten Hausrezepten entstehen aus ihnen die Birnenmasse für Schlorzifladen, Birewegge und Birrebrot. Auch der Birehung und Birnel – meist aus einer Assemblage der gängigsten Mostbirnen produziert – stehen in einer langen kulinarischen Tradition.

Nischenprodukte wie Poiré, Schaumwein oder Birnen-Balsamico

Aufgrund der vielseitigen Verwendungszwecke sieht Agroscope ein grosses Nutzungspotenzial der Schweizer Birnensorten. Zum Beispiel für Nischen-Produkte wie Poiré, Schaumwein und Birnen-Balsamico. Der Erhalt des Genpools alter Sorten sei wichtig, damit künftige Generationen auf diese Ressourcen zurückgreifen und damit auf veränderte Umweltbedingungen und Konsumtenbedürfnisse reagieren könnten. Viele alte Sorten entsprechen laut Agroscope aber nicht mehr den heutigen Bedürfnissen des Anbaus oder Marktes. Auch machten einigen Sorten Krankheiten zu schaffen. So habe die Anzahl Gelbmöstler, eine einst weitverbreitete Birnensorte, in den letzten Jahren wegen des Feuerbranderregers stark abgenommen.

Sorten werden dokumentiert

Agroscope hat zusammen mit Fructus, der Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, von 2000 bis 2005 Obstsorten inventarisiert. Seither werden sämtliche Sorten aus dem Nationalen Inventar in mehreren dezentralen Erhaltungs-Sammlungen abgesichert. Mit den Fructus-Projekten zur Beschreibung von Obstgenressourcen (BEVOG I–III) werden diese im Detail beschrieben und fotografisch dokumentiert. Anhand exakter Beschreibungen der Fruchteigenschaften konnten bis jetzt rund die Hälfte der Birnen für die Schweizer Nationale Datenbank zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen (www.bdn.ch) dokumentiert werden. Finanziert wird die Arbeit durch das Bundesamt für Landwirtschaft im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzen-genetischen Ressourcen für die Ernährung und Landwirtschaft

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