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Im Januar 2016 haben Sébastien Magnin und Andreas Jiménez den Vertrag über den Verkauf von Biodis an Bio Partner unterzeichnet. Ein Entscheid, der auch zu Emotionen führte. Doch er stellt sicher, dass die Tradition des Westschweizer Bio- und Rohkost-Pioniers weiterlebt. Die Hintergründe dazu in unserem Interview.

Sébastien Magnin und Andreas JiménezStimmig vereint: Sébastien Magnin (SM) von Biodis, jetzt Leiter von Kunz Vital, mit Andreas Jimémez (AJ), Geschäftsführer von Bio Partner (Foto: Joel Koch, Bio Partner).

Was hat zum Verkauf von Biodis an Bio Partner geführt? Weshalb gerade zu diesem Zeitpunkt?

SM: Die Situation ist heute schwierig. Aus verschiedene Gründen: die Eurosituation, Supermärkte, die immer mehr Bio-Produkte verkaufen; Handelsgrenzen, die verschwinden; teure Computersysteme. Für den Detailhandel sind das gewaltige Herausforderungen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss man schnell reagieren, investieren, neue Kapazitäten und Visionen schaffen – das ist schwierig für kleine Unternehmen wie Biodis. Für uns war darum der Zeitpunkt gekommen, einen starken Partner zu finden. Mit Bio Partner sahen wir eine gute Basis für eine Zusammenarbeit. Dank einem Umsatzvolumen von über 50 Prozent waren wir in der Deutschschweiz schon gut vertreten; unser strategisches Ziel war, dieses zu vergrössern. Vor allem im Rohkost-Bereich, wo Biodis seit 55 Jahren Pionier ist. Wir hatten vor drei Jahren die Chance, Kunz Vital zu übernehmen. Ein Unternehmen, das Geräte für Rohkost-Konsumenten und Veganer anbietet: Mixer, Entsafter usw. Diese haben wir auf unserer Website integriert – diese Synergien haben zu einem  sofortigen Erfolg geführt. Bio Partner kann von dieser Nische profitieren.

AJ: Die aktuellen Zahlen über den Biomarkt in der Schweiz zeigen, dass der Fachhandel im Unterschied zu den Grossverteilern nur minimal zulegen konnte. Ich bin davon überzeugt, dass es im Fachhandel zusätzliche Impulse und Unterstützung braucht. Daher war der Zusammenschluss mit Biodis für uns eine logische Konsequenz. Der Biohandel, d.h. sowohl der Grosshandel als auch der Fachhandel, muss sich anpassen und wachsen können, um die Relevanz auf dem Markt zu behalten. Die Kompetenzen der beiden Unternehmen Bio Partner und Biodis bilden eine sehr gute Ergänzung ...

Wo sehen Sie die Vorteile für Ihre Kunden im Biofachhandel?

AJ: Unsere Kunden profitieren von einem noch grösseren Sortiment. Mit einer Lieferung wird dieses noch einfacher verfügbar sein. Jetzt auch die hochentwickelten Angebote von Biodis. Unsere Kunden können aus dem Kassensystem oder über MDE (mobile Datenerfassungs-Geräte) oder weitere Möglichkeiten bequem bestellen. Was sie heute ordern, ist am nächsten Morgen im Laden.

SM: Für uns ist der Vorteil, dass wir uns auf unsere Nische konzentrieren können. Wir können den Rohkost-Markt genauer beobachten und schneller auf Innovationen reagieren. 

Was geschieht mit den Mitarbeitenden und dem Geschäftssitz von Biodis?

SM: Inzwischen leben wir seit vier Monaten mit der neuen Situation. Bio Partner hat allen Mitarbeitenden (inklusive Kunz Vital) einen Arbeitsplatz angeboten. Von den 35 Mitarbeitenden konnten oder wollten sieben nicht wechseln, diesen Mitarbeitenden mussten wir kündigen. Für uns war es wichtig, alles transparent und schnell zu kommunizieren. Wir boten allen Mitarbeitenden ein Outplacement-Seminar an und hatten einen Sozialplan vorbereitet. Die sprachliche Integration der Westschweizer Mitarbeitenden bei Bio Partner verläuft unproblematisch, viele konnten schon Deutsch.

AJ: Der Standort La Chaux de Fonds bleibt bestehen; von dort aus werden die Kunz Vital-Produkte vertrieben. Im Moment stecken wir in der Phase des sich Kennenlernens. Gegenseitige Besuche von den Mitarbeitenden helfen, Vertrauen aufzubauen und die Prozesse kennenzulernen

Wird der Name Biodis vom Markt verschwinden?

AJ: Ja, ab Juni werden nur noch zwei Unternehmen sichtbar sein: Bio Partner als Grosshandelsunternehmen und Kunz Vital als Webshop.

SM: Biodis wird verschwinden – c’est la vie! Der Entscheid hat am Anfang viele Emotionen ausgelöst. Mein Vater war ein Pionier der Branche und hat die Firma gegründet; ich habe sie weitergeführt und vergrössert. Nach drei Monaten Übergangsphase wird die Geschichte weitergehen. Wir hatten unsere Kunden zu einem Forum eingeladen. Nach den Emotionen kam die Vernunft. Die Kunden haben verstanden, dass dieser Entscheid ein nötiger Schritt war.

Aus dem Biomarkt sind auch kritische Stimmen zu vernehmen. Kritikern sind die Grösse und Marktdominanz von Bio Partner ein Dorn im Auge ...

AJ: Das ist ein verständlicher menschlicher Reflex, aber man muss das Ganze sachlich anschauen. Und Grösse ist relativ; mit 240 Mitarbeitenden ist Bio Partner kleiner als viele andere Grosshändler wie beispielsweise Pistor. Die Integration von Biodis bringt auf mittlere Sicht Vorteile auf allen Ebenen: breiteres Sortiment, technischen Fortschritt, höhere Margen bei unseren Kunden, rationellere und ökologisch sinnvolle Infrastruktur und Prozesse.

SM: Man muss sich vergegenwärtigen: Die Konkurrenz kommt aus dem Ausland. Anbieter aus Frankreich, Deutschland und anderen EU-Ländern drängen immer stärker auf den Markt. Ich sehe es als Chance, dass zwei Schweizer Unternehmen sich verbunden haben. Grösser zu sein, bedeutet konkurrenzfähigere Preise – ein wichtiger Faktor für die Zukunft.

Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten ein bis drei Jahre aus?

AJ: Bis Juni schliessen wir die Integration ab. Dann wollen wir die Grosshandels-Dienstleistungen auf Biodis ausweiten. Auch in der Zukunft steht für uns der Ausbau eines möglichst umfassenden Services für den Bio-Fachhandel im Zentrum. 

SM: Bei Kunz Vital liegt der Fokus darauf, das Sortiment zu vergrössern und auf dem Deutschschweizer Markt bekannter zu machen.

AJ: Zunehmend ein grosses Thema ist die Transparenz der Daten, gemeint sind Informationen zu den Produkten und ihren Inhaltsstoffen. Wir wollen diesen Bereich künftig ausbauen. Die Vorbereitung ist sehr aufwändig und sowohl organisatorisch wie technisch komplex. Aber im Markt sind diese Daten immer wichtiger für die Detailhändler, um die Kunden gut zu beraten.

Was wünschen Sie sich vom Biofachhandel?

AJ:  Offenheit, mit der Situation umzugehen, und die Bereitschaft, die Konsequenzen richtig einzuschätzen.

SM: Eine realistische Haltung und Verständnis für die heutige Situation. Wir führen die gute Beziehung zu den Kunden im Fachhandel weiter; daran ändert sich nichts.

Interview: Julia Antoniou, Webredaktorin Bionetz.ch

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