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Warnung

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(Bio-Markt.info) - Am 02.03.2010 hat Gesundheitskommissar der Europäischen Union - John Dalli - den Anbau für die Gentechnik-Kartoffel Amflora der Firma BASF genehmigt. Während man sich in der Konzernzentrale in Ludwigshafen die Hände reibt, ist es ein schlechter Tag für Lebensmittelwirtschaft, Bauern und Verbraucher.

"Es ist völlig unverständlich, warum ein Gesundheitskommissar die Bedenken der Europäischen Behörde für Arzneimittelprüfung (EMEA) an der Antibiotika-Resistenz der Amflora übergeht und dann noch eine Vermischung mit Speisekartoffeln gestattet", kommentiert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), den Vorgang. Dies sei besonders unverständlich, weil mittlerweile konventionell gezüchtete Sorten mit den gleichen technischen Eigenschaften wie Amflora zur Verfügung stünden.
Als dreist wertet Löwenstein die Grenzwertregelung, nach der Verbraucher tolerieren müssen, dass pro 25-kg Sack bis zu drei Knollen gentechnisch verändert sein können, obwohl Amflora gar nicht für den Verzehr geprüft oder zugelassen ist.

Nach Ansicht des BÖLW unterstreicht die Amflora-Genehmigung die Notwendigkeit, den bereits im Dezember 2008 von den EU-Umweltministern gefassten Beschluss umzusetzen, wonach auch eine Bewertung der sozio-ökonomischen Folgen des Anbaus von Gentechnik-Pflanzen vorzunehmen ist. "Ein Aspekt der im Zulassungsverfahren bislang völlig ausgeblendet wird", so Löwenstein. Da bislang lediglich 20 ha Anbaufläche für die Gentechnikknolle im zentralen Register angemeldet worden sind, ist für 2010 praktisch nicht mit der Erzeugung von Amflora zu rechnen. "Wir können jetzt nur noch auf die Vernunft der Erzeuger zählen, auch ab 2011 dem Risiko von Vermischung und daraus resultierendem Streit zwischen Nachbarn aus dem Weg zu gehen", hofft der BÖLW-Vorsitzende.

Zur Zulassung der umstrittenen Genkartoffel Amflora durch EU-Kommission erklärt Ulrike Höfken, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Agrogentechnik und Ernährungspolitik: "Die heutige Zulassung der Genkartoffel Amflora und dreier Kombi-Gen-Maispflanzen brüskiert die gentechnik-kritische europäische Öffentlichkeit. Die Kommission bricht ihre eigenen Gesetze im Hinblick auf die Verwendung der risikoreichen Antibiotika-Marker und das Vorsorgeprinzip. Zudem erhält die BASF-Kartoffel eine skandalöse Verschmutzungslizenz. Damit wird die "Nulltoleranz" für nicht zugelassene gentechnische Verunreinigungen unterlaufen."

Mit der grossflaechigen Projektion einer Gen-Kartoffelfratze auf das Bundeskanzleramt in Berlin haben Greenpeace-Aktivisten in den frühen Morgenstunden des 3. März 2010 gegen den Anbau der umstrittenen Gen-Kartoffel "Amflora" protestiert. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat erklärt, die Zulassung der Gen-Kartoffel durch die EU-Kommission hinzunehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Parteichef Horst Seehofer und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Gen-Kartoffel zu fördern. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die Warnungen vor den gesundheitlichen und ökologischen Risiken ernst zu nehmen und den Anbau in Deutschland zu verbieten.

Die Unternehmen, die sich in der Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller (AoeL) zusammengeschlossen haben appellieren an die Stärkeindustrie und die Landwirte, die Kartoffel nicht zu akzeptieren, zumal es hinreichend konventionelle Alternativen mit den gleichen Eigenschaften gibt. Da das erzeugt Eiweiss als Futtermittel zugelassen ist, kann es in die Nahrungskette gelangen. "Das widerspricht dem Menschenrecht auf freie Auswahl der Lebensmittel", sagt Johannes Doms, Geschäftsführer der HiPP Produktion. Mit der löchrigen Grenzwert-Regelung sei der Agrogentechnik Tür und Tor geöffnet. Er fordert die EU-Kommission auf, rechtliche Unsicherheiten über die Folgekosten auszuräumen. "Es entstehen uns zusätzliche Aufwendungen bei der Qualitätssicherung und finanzielle Risiken durch Kontamination", argumentiert Doms. "Wir gehen von einer 100-prozentigen Haftung des Patent-Inhabers aus. Wir werden deshalb jeden denkbaren Weg gehen, um die Rechnungen für alle zusätzlichen Kosten, die uns durch die Genkartoffel entstehen, an die BASF weiterzuleiten!"

Quelle: BÖLW-Pressemeldung

Copyright: Bio-Markt.info, 03.03.2010 mit freundlicher Genehmigung, A.d.R.
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