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(Matthias Wiesmann, bionetz.ch) Der Aussage dieser Schlagzeile: "Bio ist nicht immer besser. Konventionelle Landwirtschaft muss die Natur nicht mehr belasten als Biolandbau." ist nicht zu widersprechen. Der Botschaft hingegen schon. Der Beitrag in der NZZ am Sonntag vom 28.3.2010 von Claudia Frick (sie hat zu diesem Thema eine Diplomarbeit geschrieben) liest sich wie ein PR-Artikel für IP-Landwirtschaft.

Die Förderung der Bio-Landwirtschaft liess sich seinerzeit nicht realisieren ohne eine analoge Förderung der IP-Landwirtschaft. "Die Anforderungen des ÖLN entsprechen denjenigen der Integrierten Produktion aus dem Jahre 1996. Eingeführt wurde der ÖLN im Jahr 1997." (www.landwirtschaft.ch) Seither gibt es in der Schweiz praktisch nur noch ökologische Landwirtschaft. Es ist verständlich, dass die konventionelle Landwirtschaft ihr Image aufpolieren und mit der Biolandwirtschaft möglichst gleichziehen will.

Zurück zur Aussage: Bio ist nicht immer besser. Die Aussage ist schon fast aus logischen Gründen richtig. Wer wollte denn etwa behaupten, ein Mönch sei immer ein besserer Mensch als ein weltlicher Zeitgenosse?! Die Aussage, Bio sei nicht immer besser, hätte man schon 1985 machen können - und sie wurde gemacht in der Antwort eines Demeter-Bauern im Emmental auf eine Artikelreihe in der Bernerzeitung, welche in schwarz-weiss-Manier die konventionelle Landwirtschaft verteufelte. Damals - und in geringerem Umfang wohl heute noch - gab es eine extensive Voralpenlandwirtschaft, die sehr nachhaltig war. Selbst an steilsten Hanglagen, die mit der Seilwinde gepflügt werden mussten, gab es keine Bodenerosion.

Die Frage ist ja nicht, ob gewissenhaft und extensiv praktizierte Formen der Landwirtschaft mit ÖLN nicht auch einmal besser sein können, als Intensivformen von Biolandwirtschaft. Die Frage ist, wie die konventionelle oder ÖLN-Landwirtschaft insgesamt dasteht im Vergleich mit Biolandwirtschaft insgesamt. Diese Ökobilanz-Fragestellung könnte sich Claudia Frick für das nächste Forschungsprojekt vornehmen.

Aber nicht nur das berührt merkwürdig am Artikel der Wissenschaftsjournalistin in eigener Sache. Sie schreibt: "Mehrjährige Datenreihen zu den Erträgen und Umweltauswirkungen der unterschiedlichen Anbaumethoden gab es bis anhin fast keine. Eine Studie von Agroscope Reckenholz Tänikon (ART) und dem Kanton Luzern (Mitarbeiterin Claudia Frick, Anm. M.W.) liefert nun solche Daten."

Es handelt sich um Daten über einen Zeitraum von 18 Jahren. Der DOK-Versuch des FiBL (Vergleich von drei Anbaumethoden) läuft nun schon über 30 Jahre! Er findet im Frick-NZZaSo-Beitrag keine Erwähnung. Wahrheitswidrig ist aber auch diese Aussage nicht. Sie schreibt: "fast keine".

Wie gesagt: auf die Botschaft kommt es an, nicht auf die Wörter.

Matthias Wiesmann

Links:

NZZ-Artikel "Bio ist nicht immer besser"
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