Das Problem beginnt in der Wertschöpfungskette keineswegs erst auf Stufe Gastronomie oder Detailhandel oder gar Endverbraucher. Enorme Mengen an Früchten udn Gemüsen werden bereits aussortiert, bevor sie in den Handel gelangen, weil im Handel schnell einmal unverkäuflich ist, was nicht schön aussieht oder einem bestimmten Kaliber entspricht.

Der deutsche Verbraucherschutzminister Johannes Remmel hat nun eine Initiative gestartet, um die Wertschätzung von Lebensmitteln zu steigern. Vertreter der Landwirtschaft, des Einzelhandels, der Lebensmittelwirtschaft, von Verbraucher- und Wohlfahrtsverbänden sowie der Wissenschaft haben am Freitag, 17. Dezember, über Wege diskutiert, wie die Vernichtung von Lebensmitteln reduziert werden kann. "Wir gehen davon aus, dass jährlich viele Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie nicht den Vorstellungen entsprechen", sagt Remmel. "Wir wollen und müssen nachhaltiger konsumieren. Wir wollen eine neue Wertschätzung für gute, gesunde und ehrliche Lebensmittel erreichen. Das Wissen um die Qualität von Nahrungsmitteln führt dazu, dass sie auch bewusster behandelt und konsumiert werden."

NRW ist das erste Bundesland, das der Verschwendung den Kampf ansagt. Die Fachhochschule Münster wird 2011 Daten über vernichtete Lebensmittel in Nordrhein-Westfalen sammeln und auswerten. Auf dieser Grundlage sollen dann die Ursachen systematisch analysiert werden. Die Verringerung der Lebensmittel-Verschwendung hat großes wirtschaftliches und ökologisches Potenzial: Ressourcen, Abfall und klimaschädliches CO2 werden eingespart. Das zeigen die Erfahrungen in Großbritannien, wo vor fünf Jahren ein ähnliches Projekt gestartet wurde. Dort landeten jährlich 8,3 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Innerhalb der fünf Jahre dauernden Kampagne (Love Food - Hate Waste) wurden 670.000 Tonnen Lebensmittel weniger weggeworfen.

In Deutschland geben die Bürgerinnen und Bürger rund zehn Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. 1970 waren es 20 Prozent. In anderen europäischen Staaten ist der Anteil höher: Fast 16 Prozent sind es in Frankreich, mehr als 20 Prozent in Spanien und Italien. Die Preise für Lebensmittel sind die niedrigsten im europäischen Vergleich. "Es kann nicht der richtige Weg sein, bei der Ernährung nur auf den Preis zu achten - oder nur mit dem Preis zu werben", sagt Remmel. "Wenn Waren verramscht werden, darf man sich nicht wundern, wenn Kunden Lebensmittel leichten Herzens wegwerfen. Hier kann der Handel deutliche Zeichen setzen", forderte Remmel.

Am Runden Tisch berichteten die Teilnehmer von ihren Bemühungen und machten Vorschläge für eine effizientere Wertschöpfungskette. Verbraucherschutzminister Remmel fragte den Handel, ob es nötig sei, noch kurz vor Ladenschluss volle Regale mit frischen Waren, zum Beispiel Brot, anzubieten. Zudem sei es sinnvoll, Rabatte vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums von Waren anzubieten. Gleichzeitig sprachen sich die Beteiligten dafür aus, die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Lebensmittelwirtschaft und des Handels mit den Tafeln und anderen karitativen Organisationen fortzuführen und - wo möglich - auszubauen.

Die Sicherheit von Lebensmitteln, die in den vergangenen 15 Jahren erreicht wurde, steht nicht zur Disposition. "Wertschätzung braucht Vertrauen. Wir möchten eine Diskussion anstoßen, ob Lebensmittel immer einer Norm entsprechen müssen. Obst oder Gemüse, das in Größe und Farbe abweicht, können Landwirte oft nicht verkaufen. Und bei Schinken oder Käse sieht oft das billige Imitat echter aus als das wertvolle und natürliche Original. Der Handel, die Produzenten, aber auch wir als Verbraucher müssen ein neues Verhältnis zu natürlichen Produkten entwickeln. Die Natur entspricht nicht immer der Norm. Das sollte auch die Werbung nicht suggerieren", sagte Remmel.

Quelle: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

zitiert nach oekolandbau.de. Redaktion M. Wiesmann

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