Vier Mal im Jahr bezahlen, jede Woche einen Gemüsekorb erhalten: Das Konzept der Vertragslandwirtschaft fasst auch in Bern Fuss.

Von Karin Iseli, LID / Kritischer Kommentar dazu weiter unten von Matthias Wiesmann


In der Westschweiz funktioniert das Konzept der Vertragslandwirtschaft schon seit einigen Jahren. "Warum sollte es in der Deutschschweiz anders sein?", fragten sich im November 2008 einige Mitglieder von Attac Bern, einer globalisierungskritischen Gruppierung. Nach einem Vortrag von Rudi Berli von der Westschweizer Bauerngewerkschaft Uniterre war für sie klar: "Das wollen wir bei uns in Bern auch anbieten."

Sechs Bauern liefern Produkte
Am 15. Dezember wurde nun der Verein SoliTerre gegründet. Dieser hat zum Ziel, die Vertragslandwirtschaft in die Stadt Bern zu bringen. Zur Kerngruppe des Vereins gehören sechs Biobauern aus der Umgebung von Bern und sieben Konsumenten. Der Saal im Kornhausforum Bern war an diesem Dienstagabend bis auf den letzten Platz besetzt, das Interesse an dem Angebot scheint gross zu sein. Germaine Spoerri von der Kerngruppe verwundert dies nicht. Bereits die erste öffentliche Diskussionsrunde im November sei sehr gut besucht gewesen, sagt er.

Doch nicht nur bei den Konsumenten scheint die Idee anzukommen, auch die Suche nach Bauern, die mitmachen möchten, gestaltete sich einfacher als gedacht. "Wir haben mit Hilfe eines Inserates im ‚Schweizer Bauer‘ Produzenten gesucht. Von den zehn Bauern, die an die Infoveranstaltung gekommen sind, machen heute fünf beim Projekt mit", sagt Spoerri.

Das Gemüse muss nicht perfekt sein
Wie man die Sache anpacken muss, um Erfolg zu haben, liessen sich die Initianten von Uniterre genau erklären. Und auch die Statuten wurden aus der Westschweiz übernommen. "Zuerst hatten wir die Idee, eigenes Land zu pachten und so die Vertragslandwirtschaft aufzubauen. Wir mussten dann aber schnell einmal merken, dass uns dafür die Ressourcen fehlen", so einer der Initianten. Mit der heutigen Lösung sei man aber mehr als zufrieden. "So kommen nun auch Bauern in den Genuss der Vorteile von der Vertragslandwirtschaft."

Ein grosser Vorteil sei das Verteilen des Risikos auf verschiedene Schultern, erklärte Initiantin Marina Bolzli. "Anders als etwa bei den Grossverteilern bekommen unsere Bauern ihr Geld im Voraus. Ein Rüebli darf auch geliefert werden, wenn es nicht schnurgerade gewachsen ist." Die Preise für die jeweiligen Produkte werden jeweils im Winter von der Mitgliederversammlung bestimmt.
Bauer und Marktfahrer Daniel Wüstefeld aus Liebisdorf sieht in der Vertragslandwirtschaft noch einen anderen, für ihn entscheidenden Vorteil: "Dank der Körbe können auch Produkte, die auf dem Markt wegen Überproduktion nicht mehr abgesetzt werden können, vermarktet werden."

Der Verein hofft, im März mit rund 50 Korbabnehmern zu starten. Was und wie viel in den wöchentlich gelieferten Körben drin ist, wird von der Produktpalette der mitmachenden Bauern sowie von der Jahreszeit bestimmt. "Eine Orange wird man im Korb nie finden, denn diese wachsen nun mal nicht auf meinem Hof", sagt Wüstefeld. Neben Gemüse und Obst enthalten die Körbe sporadisch auch Selbstgemachtes von den Höfen oder auf Wunsch ein Stück Trockenfleisch. Bezahlt wird vierteljährlich. Die Körbe werden jede Woche in eines von drei Depots in der Stadt Bern geliefert und können dort von den Kunden abgeholt werden.

Weitere Informationen: www.soliterre.ch

Copyright: Karin Iseli, LID, Mediendienst Nr. 9232 vom 18.12.2009

Hier lesen Sie dazu auch den kritischen Kommentar "Zurück auf Feld 1?" von Matthias Wiesmann

(bionetz.ch-News vom 26.11.2009)

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