NATUR-Kongress fordert zukunftsfähigen Konsum

Klare Zielsetzung – Vielfalt in der Umsetzung

Der NATUR-Kongress und die NATUR-Messe 2011 vereinte eine beindruckende Angebotsvielfalt und fachliche Kompetenz. Die über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 6. Nationalen NATUR Kongresses beschränkten sich nicht auf die Forderungen des „Basler NATUR Manifest für einen zukunftsfähigen Konsum“, dass und die darin verlangten politischen und wirtschaftlichen Leitplanken für einen umweltfreundlichen Konsum. Gleich zu Beginn zeigte Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Autor von „Faktor 5“ und Mitglied des Club of Rome mit vielfältigen Praxisbeispielen auf, wie das Ziel zu erreichen ist.


Der diesjährige Kongress war geprägt von der intensiven Arbeit in rund 50 Workshops, von denen viele sich mit der konkreten Umsetzung der Nachhaltigkeitszielsetzungen befassten. Mit einem Zusammenspiel politischer Rahmenbedingungen, breit abgestützter Branchenstandards ist dabei der grösste „Impact“ zu erzielen. Ein bekanntes Beispiel ist die heute weit gehend etablierte Standard der nachhaltige Palmölproduktion. Dies bringt den einzelnen Unternehmen zwar kaum einen unmittelbaren Marketingnutzen, stärkt jedoch sehr wohl die Glaubwürdigkeit der ganzen Ernährungswirtschaft insgesamt.

Einigkeit bei den Zielen, Vielfalt bei der Zielerreichung

Eine grosse Vielfalt an staatlichen und privatrechtlichen Labelprogrammen positionieren sich mit Nachhaltigkeitsleistungen, welche über solche Branchenstandards hinaus gehen. Bei Bioprodukten dienen weltweite Regelungen und Zertifizierungssysteme vom Biohof bis ins Verkaufsregal als Grundlage. Bei Tierschutzanforderungen bestehen bereits grosse gesetzliche Unterschiede. Noch grösser ist die Herausforderung bei der Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung insgesamt.

Umwelt- und KonsumentInnen-Organisationen wie der WWF versuchen mit Labelratings regelmässig Orientierungshilfen für den nachhaltigen Konsum zu bieten. Fachdiskussionen um die Chancen und Risiken solcher Bewertungen bildeten denn auch einen der Schwerpunkte des diesjährigen NATUR-Kongresses. Weit gehend unbestritten war dabei die Zielsetzung der kontinuierlichen Verbesserung der verschiedenen Anbieter, was selbstverständlich auch die Labelratingsysteme selber mit einschliessen muss.

Für die Praxis, namentlich in den oft innovativsten kleinen und mittelgrossen Unternehmen, stellen die durch solche Bewertungssysteme immer komplexer werdenden

Richtliniengebäude eine ernsthafte Herausforderung dar. Während die Erfüllung der Anforderungen an sich oft gerade für KMU gut machbar ist, verursachen die Dokumentation und die Zertifizierung all der Auflagen oft unverhältnismässige Aufwände und Kosten.

Einmal mehr stellt sich die Frage nach dem Verursacherprinzip: Wer mehr leistet, muss dafür auch noch bezahlen. Müsste es nicht gerade umgekehrt sein? Dabei gilt es beim Sammeln der Nachhaltigkeits-Bewertungspunkte die eigentlichen Zielsetzungen nicht aus den Augen zu verlieren. Die wirklichen Herausforderungen zur Erreichung einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung liegen heute nach wie vor weit ausserhalb der in Richtlinien fassbaren Anforderungen.

NATUR-Messe und Awards als Leistungsschau

Die gut besuchte NATUR-Messe bot eine eindrückliche Leistungsschau verschiedenster Angebote und Dienstleistungen mit konkretem sozial-ökologischen Mehrwert. Erfreulich vielfältig war auch die Aussteller-Durchmischung von gewerblichen Unternehmen bis hin zum Hauptsponsor Coop, von staatlichen Informationsstellen über diverse Umweltorganisationen bis hin zu Hochschulen mit ihren praxisorientierten Forschungsangeboten.

Konkrete und mutmachende Beiträge für eine zukunftsfähige Wirtschaft zeigten auch die verschiedenen Award-Projekte auf. Der nicht ganz überraschende aber verdiente Preisträger in der Kategorie „Hoffnungsträger für eine nachhaltige Schweiz“ war der Musiker Stress.

Mit dem Helvetas’ Biobaumwolle-Projekt ging der „Schweizer Nachhaltigkeitspreis Prix NATURE Swisscanto“ an einen sehr verdienten Gewinner. Das echte „Bionier“-Projekt zeigt gleichzeitig auf, dass die Verbindung von Bio- und Fair Trade-Qualität sehr wohl machbar ist. Tobias Meier nahm stellvertretend für sein Team den Preis entgegen.

In der Kategorie „Generation Zukunft“ wählte das Gala-Publikum das Startup UrbanFarmers zum Gewinner. Die rasch wachsende urbane Bauernbewegung war mit dem „Urban Agriculture Basel“ auch an der NATUR-Messe präsent. Von konkretem Basisbewegungen dieser Art ist noch einiges zu erwarten und sie können zur Bewusstseinsbildung und gesellschaftlichen Veränderungen zumindest ebenso viel beitragen wie komplexe Nachhaltigkeitsregelwerke.

Peter Jossi, p.jossi@bionetz.ch

Informationen und Kontakte:

www.natur.ch

http://www.natur.ch/de/veranstaltungen/kongress/natur-kongress-2011/

http://www.natur.ch/fileadmin/natur/easyuser/NATUR_6_11/Medienmitteilungen/NATUR_2011_MedienMitteilung_D.pdf

http://www.natur.ch/fileadmin/natur/easyuser/NATUR_6_11/Medienmitteilungen/Manifest_D.pdf

http://www.natur.ch/fileadmin/natur/easyuser/NATUR_6_11/Medienmitteilungen/PrixNATURE_D.pdf

http://www.natur.ch/fileadmin/natur/easyuser/Allgemein/Logos/Gala/PrixNATURE_Communique_D.pdf

http://www.natur.ch/allgemeines/fotogalerie/natur-2010/natur-messe/

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