Landwirtschaftliche Arbeitsbedingungen in Spanien - und bei uns

Ws. Am 3. Januar haben wir uns in einer Glosse gefragt, wie es wohl um die Arbeitsbedingungen in der Produktion von Knospe-Aktionstomaten Anfang Januar im Coop stehe.

Am 18. Januar titelte die Coop-Zeitung: „Faire Löhne – damit es nicht bitter schmeckt.“ Ein Bericht schilderte die grossen Fortschritte, welche bei den Arbeitsbedingungen erzielt worden sind. Denn – so stellt die Coop-Zeitung fest: „Ein Nichteinhalten von minimalen Sozialstandards führe unmittelbar zu Umsatzeinbussen.“

Diese Situation muss eingetreten sein, nachdem „Der Bund“ und andere Tageszeitungen am 21. Februar über „Die nicht ganz so heile Bio-Welt der Arbeiterinnen in Andalusien“ berichtete. Untertitel: „Bio ist gut für die Konsumenten und die Natur, aber den Landarbeitern geht es dreckig wie eh und je.“ Da war etwa zu lesen: „Im Vorzeigebetrieb für Bio-Gemüse schrieb man Arbeitsrechte nie gross. 'Willst du arbeiten oder nicht?', kriegten jene zu hören, die sich beschwerten. Eine Frau, nennen wir sie Fatima, ärgert sich schon lange über diese Scheinwahlfreiheit. Jetzt ist auch sie entlassen. Acht Jahre hat sie in der Abpackhalle des Bio-Betriebs gearbeitet, sechs Tage die Woche, Überstunden ohne Bezahlung gemacht, am Fliessband Tomaten, Zucchini und Peperoni verpackt. 'Oft arbeiteten wir von neun Uhr morgens bis ein Uhr nachts.' Wer zur Toilette muss oder Wasser trinken will, hat 5 Minuten Zeit, an der Stechuhr muss man sich dafür ausstempeln. 'Braucht man länger, wird automatisch eine halbe Stunde Arbeitszeit vom Lohn abgezogen.'“

Nachdem wir die beruhigenden Worte in der Coop-Zeitung mitvorsichtiger Distanz zur Kenntnis genommen hatten, wollen wir hier nicht anders verfahren. Ein Urteil über soziale Situationen erfordert mehr als der Hinweis auf Richtlinien und Programme, aber auch mehr als die Reportage einer engagierten Journalistin.

Wo Produkte dieser Herkunft mit der Knospe ausgezeichnet werden, kommt Bio Suisse in Zugzwang, denn die Anbaurichtlinien schliessen soziale Aspekte mittlerweile mit ein. Aus diesem Grund griff Bio Suisse das Thema umgehend auf und forderte von den Betroffenen Organisationen (Anbau und Import) Stellungnahmen an. Gleichzeitig hielt die Sprecherin Sabine Lubow fest: „Es ist eine auch für uns sehr bedauernswerte Tatsache, dass die Stellung von Arbeitnehmenden in der Landwirtschaft ganz allgemein – Bio oder konventionell – seit je schlecht ist“. Man könnte hinzufügen:

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