Frédéric Amstutz produziert seit über 20 Jahren BioSprossen. Die EHEC-Krise schlug ein wie eine Bombe und machte auch vor seinem Betrieb nicht halt. Das Vertrauen der Konsumenten ist erschüttert, trotz einwandfreier Qualität.

Von Kathrin Honegger, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID


Sprossen"So was gabs noch nie", sagt Frédéric Amstutz und schüttelt den Kopf. Die Auswirkungen der EHEC-Krise seien enorm. Er spricht aus Erfahrung, denn seit 21 Jahren beliefert Amstutz Kunden vom Seeland bis ins Bündnerland mit seinen preisgekrönten Sprossen, die er mit einzigartiger Produktionsmethode und ohne chemische Zusätze in seinem Betrieb Espro in Sigriswil/BE heranzieht. Zusammen mit seinem inzwischen 12- köpfigen Team produziert und vertreibt er Sprossen und Keimlinge und handelt nebenbei mit Wild- und Zuchtpilzen sowie Frischkräutern und Blüten. Das Hauptgeschäft liege aber klar bei den Sprossen, von denen 28 verschiedene Sorten angeboten werden. So wachsen in einem umfunktionierten und nur wenige Quadratmeter grossen Sattelschlepper um die 60 Tonnen Sprossen pro Jahr heran. Das Geschäft lief gut, bis die EHEC-Krise einsetzte. "Als es am Freitag bekannt wurde, hat es am darauffolgenden Montag richtig gehagelt von Rückfragen", erinnert sich Amstutz. Der Umsatz brach schlagartig um 50 Prozent zusammen. Das Resultat: Mehrere Hunderttausend Franken Verlust und die Kündigung von einigen Angestellten. 300 der 700 Käufer seien abgesprungen. Diese müssten erneut wieder aktiv an Bord geholt werden: "Von alleine kommen die in der jetzigen Situation nicht zu uns zurück." Das Vertrauen von den Kunden sei zwar da, doch seien schliesslich deren Gäste ausschlaggebend. Und wegen der vielen deutschen Touristen, reagiere die Branche besonders sensibel.

Geschäftsstrategie ändern

Amstutz überlegt sich nun, die bisherige Geschäftsstrategie zu ändern und verstärkt in den Handel einzusteigen. Der jetzige Direktverkauf mit den vielen Lieferfahrten sei unter diesen Umständen relativ kostenintensiv. Dabei schätze er den persönlichen Kontakt mit seinen Kunden eigentlich sehr. Mehr Zwischenhändler bedeuten schliesslich weniger Eigenständigkeit und eine tiefere Marge.

Für Amstutz war schon früh klar, dass er auf eigenen Beinen stehen möchte – unabhängig von Vorschriften und Auflagen. Noch während der Landwirtschaftsschule pröbelte er bereits mit Sprossen herum. Erste Versuche mit Gartenkresse fanden im Badezimmer statt. Das Ziel war eine Produktionsmethode zu finden, bei der die Sprossen weder geschnitten noch sonst mechanisch behandelt werden müssen. Und schliesslich fand er sie, seine "statische" Produktionstechnik mit der er seinen "Englischen Rasen" heranziehen konnte. Er liess sie sogleich patentieren. Seit der Gründung des Betriebs im Jahr 1990 züchtet er die Sprossen nach diesem Verfahren.

Herkömmliche Sprossenproduzenten lassen die Sprossen in langsam rotierenden Trommeln heranwachsen. Dadurch lasse sich zwar mehr und schneller produzieren, doch die Qualität – zumindest optisch – komme an seine gerade wachsenden Sprossen nicht heran. "Der Unterschied ist enorm", sagt Amstutz. "Unsere Sprossen sind kräftig und haben keine oder nur wenige mechanische Schäden". Dank der guten Qualität sei zudem die Lagerhaltung exzellent und besser als bei der Konkurrenz. Eine Woche Lagerhaltung ist garantiert. Zwiebelsprossen etwa halten sogar bis zu drei Wochen.

Nischenprodukt von einzigartiger Qualität

Amstutz entdeckte diese Nischenproduktion als erster in der Schweiz und leistete quasi Pionierarbeit: "Wir waren damals die Einzigen in der Schweiz, die ohne Trommeln produzierten. Im Ausland gab es das zwar schon, aber das wussten wir nicht als wir anfingen."Im Vorfeld der EWR-Abstimmung von 1992 reiste Amstutz eigens nach Dänemark, um bei der Konkurrenz etwas vorzufühlen und die Verkaufspreise einzuschätzen. Fazit: Das Geschäft mit Sprossen lohnt sich.

BioSamen aus Italien

Für die eigene Produktion bezieht Amstutz das Saatgut direkt aus Italien. Dabei handle es sich ausschliesslich um BioSamen, beteuert er. "Ich würde nie Saatgut aus Nordafrika beziehen – zu heikel, zu hohes Risiko." Sein Saatgut werde zudem zweimal überprüft, einmal in Italien und dann nochmals in der Schweiz. Die kritischen Bedingungen in Nordafrika seien durchaus bekannt. Trotzdem aber gelange von dort aus massenhaft Saatgut nach Europa.

Das Geschäft von Frédéric Amstutz ist hart getroffen, obwohl zwischen seinen Sprossen und jenen ägyptischen Bockshornkleesamen keinerlei Zusammenhang besteht. Die Wirkung der Medien sei frappant gewesen, erzählt ein Mitarbeiter von Espro. Leider werden viele vorerst auf die geschmacksintensive und vitaminreiche Garnitur verzichten, so Amstutz.

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