Der Sprossenhof in Bienenbüttel hat Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann beschuldigt, den Betrieb als Quelle der Ehec-Epidemie vorverurteilt zu haben. „Uns ist bis heute nicht klar, wie der Minister Lindemann am 5. Juni 2011 unter Namensnennung unseres Betriebs diesen Verdacht aussprechen konnte, als ob er schon festgestanden hätte“, sagte Uta Kaltenbach, Geschäftsführerin des Gärtnerhofs Bienenbüttel, der taz in ihrem ersten ausführlichen Interview über die Vorwürfe gegen sie. „Wir wurden vorverurteilt, obwohl es bis heute keinen Beweis gibt, dass unser Hof eine Quelle der Ehec-Epidemie war.“ Bislang gebe es keinen Labornachweis, dass ihre Sprossen den gefährlichen Erreger übertragen haben.

Nach Lindemanns Pressekonferenz hätten die Gärtnerhof-Mitarbeiter Morddrohungen erhalten, ergänzte Kaltenbach. Die Vorwürfe lasteten so stark auf ihnen, dass sie sich nun von einer Psychologin therapieren lassen müssten. Wegen der sechswöchigen Betriebssperre durch die Behörden hätten sie neun ihrer 15 Mitarbeiter entlassen. „Wir machen nur noch 5 % unseres normalen Umsatzes“, sagte Kaltenbachs Partner Klaus Verbeck. Die Sprossenproduktion - ihre Haupteinkunftsquelle - hätten sie bis auf weiteres stillgelegt. Zahlungsunfähig sei der Hof vor allem deshalb nicht, weil er keine Schulden habe.

Sie kritisierten, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das die Ermittlungen koordinierte, ihren Antrag auf Akteneinsicht abgelehnt habe. Sonst könnten sie die Vorwürfe gegen ihre Produkte nicht überprüfen. Dabei werden sie von von Rebecca Harms, Fraktionschefin der Grünen im Europäischen Parlament, unterstützt. „Den Leuten müssen die Akten vorgelegt werden, damit sie überhaupt mal eine klare Begründung haben“, sagt die Niedersächsin der taz. Die Behörden sollten weiter nach den wirklichen Ursachen der Epidemie suchen - auch wenn sie den Fall schon als aufgeklärt darstellen.

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Beitrag übenommen von Bio-Markt.info

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