Bauernbetriebe ökologisch arbeiten und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich sein? Ja, sagt eine Studie. Allgemeine Erfolgsrezepte gibt es aber nicht.

Von Jonas Ingold, Landwirtschaftlicher Informationsdienst

Umweltschonendes und dennoch ökonomisch rentables Bewirtschaften eines Landwirtschaftsbetriebs. Hinter dieser Vorgabe wird oft ein Zielkonflikt vermutet. Schweizer Forscher kommen zu einem anderen Schluss. Ein solcher Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie bestehe nicht, sagen sie im Schlussbericht des Projektes "Zentrale Auswertung von Ökobilanzen landwirtschaftlicher Betriebe". Ganz klar sind die Resultate aber nicht. In ihrer Studie haben die Forscher bei 106 Betrieben den Zusammenhang zwischen ökologischem und ökonomischem Erfolg analysiert. Die Betriebe wurden aufgrund der ermittelten Kennzahlen in vier Gruppen unterteilt: Ökologisch und ökonomisch günstig, ökologisch und ökonomisch ungünstig, ökologisch günstig/ökonomisch ungünstig sowie ökologisch ungünstig/ökonomisch günstig. Die analysierten Betriebe verteilten sich auf alle vier Gruppen. Ein Zusammenhang zwischen Ökologie und Ökonomie wurde dementsprechend nicht festgestellt. Ökologische Produktion kann rentieren, muss aber nicht. Eine für die Allgemeinheit gültige Formel können die Forscher also nicht liefern. Auswertung der Ökobilanzen Das Projekt "Zentrale Auswertung von Ökobilanzen landwirtschaftlicher Betriebe" wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde es unter anderem von Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) und der TSM Treuhand GmbH. Mit dem Projekt sollten Stärken und Schwächen der Schweizer Landwirtschaft erkannt sowie ökonomische und ökologische Erfolgsfaktoren gefunden werden. Die Erkenntnisse sollen künftig für die Beratung genutzt werden. Beim Ackerbau klappts am besten Unterschiede zeigen sich bei den Betriebstypen. In der Gruppe der sowohl ökonomisch als auch ökologisch günstigen Betriebe finden sich fast ausschliesslich Betriebe aus der Talregion, insbesondere Ackerbaubetriebe. Wirtschaftlich zwar günstig, aber ökologisch ungünstig zeigten sich vor allem kombinierte Veredelungsbetriebe, Mutterkuh-Betriebe dominierten das Bild bei den zwar ökologisch günstigen, wirtschaftlich aber ungünstigen Betrieben. Beiderseits ungünstig wurden vor allem Verkehrsmilchbetriebe eingeordnet. Für die Forscher auffallend ist vor allem, dass sich Verkehrsmilchbetriebe und Mutterkuh- und Rindviehbetriebe fast nur in ökonomisch ungünstigen Gruppen befanden. Keine generellen Aussagen lassen sich darüber machen, wie die jeweilige Landbauform Einfluss nimmt. Sowohl Betriebe mit Ökologischem Leistungsnachweis (ÖLN) als auch Biobetriebe wurden in allen vier Gruppen gefunden. Die Zahl der teilnehmenden Biobetriebe war aber zu gering, um Rückschlüsse zu ziehen. Allgemeine Erfolgsrezepte gibt es nach Angaben der Forscher ohnehin nicht. Dafür seien die Zusammenhänge zu komplex und die Schweizer Landwirtschaft zu vielseitig. Der Schlussbericht zum Projekt "Zentrale Auswertung von Ökobilanzen landwirtschaftlicher Betriebe" ist unter www.agroscope.ch abrufbar.

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