Bio Suisse will noch mehr Nachhaltigkeit

Mehr Umweltleistungen, weniger Bürokratie, neue Wege für die sozialen Standards: Die Delegierten von Bio Suisse beschlossen am 16. November in Olten, das Knospe-Label in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit voranzutreiben. Der mit CHF 10'000 dotierte Bio Suisse-Förderpreis geht an die Walliser Genossenschaft ValNature, die sich der klimaneutralen Produktion und Verarbeitung von Weintrauben verschrieben hat.

Die Delegierten von Bio Suisse haben heute in Olten mit der Bestätigung der in Umsetzung begriffenen Richtlinienrevision einen weiteren Schritt zu einem übersichtlicheren Regelwerk und einer effizienteren, stärkeren Einbindung von Fachgremien und Basis gemacht. «Damit können wir Bürokratie abbauen und gleichzeitig unsere hohen Knospe-Standards bezüglich Umwelt, Tierwohl, Qualität und Soziales wahren», erklärte Bio Suisse Präsident Urs Brändli. Die Delegierten werden im Frühjahr 2012 die Richtlinienrevision endgültig verabschieden.

Einen weiteren wichtigen Entscheid fällte die Delegiertenversammlung bezüglich der Ressourcen- und Energieeffizienz im gedeckten Anbau. Für das Heizen von Gewächshäusern galt bisher eine Temperaturgrenze von 5 °C. Der Einbezug energiesparender und umweltschonender Technologien in die Richtlinien bietet den Vorteil, den Energieverbrauch künftig zu senken und gleichzeitig die Produktionsdauer zu verlängern. Damit festigt Bio Suisse die Stellung der Knospe als in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit führendes Label.

Im Hinblick auf die Agrarpolitik 2014-17 betonte Nationalrat und Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter als Gastreferent, dass zur Bekämpfung von Marktanteilsverlusten und zur Förderung der Schweizer Agrarproduktion die Versorgungssicherheitsbeiträge unabhängig vom Herstellungsverfahren zu verstärken und die Anpassungsbeiträge zu reduzieren seien.

bionetz.ch-Kommentar zur "Versorgungssicherheit"

Agrarpolitik ist eine Kampfzone, in der zwar nicht mit scharfem Geschütz, umso mehr aber mit Nebelpetarden hantiert wird. Eine solche Nebelpetarde heisst "Versorgungssicherheit". Kein Wunder, dass Nichtagrarpolitiker wie beispielsweise bionetz.ch-Berichterstatter und Kommentatoren in dieser vernebelten Landschaft schnell einmal in einem Fettnäpfchen landen, wie das gelegentlich schon geschehen ist. Wahrscheinlich fehlt auch den Parlamentariern, die schliesslich entscheiden werden, die Klarsicht.

Das haben wir beim Kraftfutter erlebt. Die einen sagen: der Kraftfutteranteil hat abgenommen, die anderen sagen: die Kraftfutterimporte haben zugenommen. Die einen sagen: Bioproduzenten verwenden viel weniger Kraftfutter, die anderen sagen: Bioproduzenten importieren besonders viel Kraftfutter. Und jedes Mal stimmts mehr oder weniger.

Nun das mit der Versorgungssicherheit: der Bundesrat ist dafür, deshalb streicht er die Beiträge für Tierhaltung. Der Bauernverband ist dafür, deshalb fordert er die Streichung der Streichung. "Versorgungssicherheit" klingt etwas nach Ernährungssouveränität. Und das ist sicher eine gute Sache. Klingt auch ein wenig nach Plan Wahlen im 2. Weltkrieg. Das war auf jeden Fall eine heldenhafte Sache – mindestens auf symbolischer Ebene.

Was heisst das nun, wenn die Schweizer Milchproduzenten" fordern "Milchbauern wollen Beiträge für die Versorgungssicherheit" (Verlautbarung 1.7.2011). Das heisst: sie wollen Beiträge für die Tierhaltung. Versorgungssicherheit heisst dann: wir haben weiterhin sicher eine Versorgung mit Milchüberschüssen, die nur dehalb produziert werden können, weil eine Menge Kraftfutter eingesetzt wird. Zum Kraftfutter gehört namentlich Getreide. In einer Studie (ebenfalls!) zur Versorgungssicherheit zeigt der Bauernverband auf, dass weltweit lediglich 47% des Getreides der menschlichen Ernährung dient. Der Anteil an Futtergetreide wird auf 36% geschätzt. (Nebenbei: damit wird auch klar, weshalb es die Gentechnologie zur Produktionssteigerung braucht.)

Mit Blick auf diese Fakten können auch wir nachdrücklich für Versorgungssicherheit plädieren. Gemeint ist aber Versorgungssicherheit für die Weltbevölkerung und nicht für die Schweizer Milchbauern.

Matthias Wiesmann

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