Immer sauber bleiben - Biosiegel versprechen umweltfreundliche und gesunde Textilien

von Fredericke Winkler, oneco, Teil I siehe hier

Ein vielen Verbrauchern optisch vertrautes Label ist die weiße Blume mit dem Schriftzug „Textiles Vertrauen“. Dahinter verbirgt sich der Öko-Tex Standard 100, der mit Schadstoffprüfungen nach eigenen Angaben für weltweit gesundheitlich unbedenkliche Textilien bürgt.

Das Prüfzeichen gibt es seit 1992 und sein Standard basiert auf den bereits damals existierenden gesetzlichen EU-Prüfnormen zur Verwendung von Chemikalien. Das Deutsche Forschungsinstitut Hohenstein sowie das österreichische Textilforschungsinstitut hatten daraus einen einheitlichen Kriterienkatalog gegossen, der nach Ökotex-eigenen Angaben weltweit einheitlich gilt. Zu diesen Kriterien gehören zum Beispiel die Kontrolle des PH-Werts sowie des Einsatzes von Schwermetallen, Pestiziden und allergieauslösenden oder krebserregenden Farbstoffen. Biologische Aspekte, das Thema Nachhaltigkeit oder fairer Handel sind damit nicht abgedeckt.

ökotex logo
ökotex 1000
ökotex100plus
Logo des Oeko-Tex Standards 100 Öko-Tex 1000 zertifiziert Stoffproduzenten Öko-Tex100plus zertifiziert Stoffe & Hersteller


Der Öko-Tex 1000 geht mit seinen Kriterien über die gesundheitliche Unbedenklichkeit hinaus. Hier geht es vorrangig nicht um das Produkt, also zum Beispiel einen bestimmten Stoff, sondern um das Unternehmen, das diesen herstellt. Um sich mit diesem Siegel zu schmücken, müssen Unternehmen festgelegte Kriterien für umweltverträgliche Herstellungsprozesse erfüllen. Dazu gehören sparsamer Umgang mit Energie, die Einhaltung von gesetzlichen Richtwerten bei Abluft und Abwasser sowie der Ausschluss von umweltschädlichen Farbstoffen. Hinzu kommen der nachweisliche Verzicht auf Kinderarbeit sowie Maßnahmen zur Sicherheit am Arbeitsplatz der Angestellten. Derzeit sind 55 Unternehmen aus zwölf Ländern in Europa, Asien und Afrika nach Ökotex-Standard 1000 zertifiziert. Jene davon, deren gesamten Produkte zusätzlich Öko-Tex 100 geprüft sind, dürfen das Siegel Öko-Tex100plus tragen.

EU-Umweltzeichen

Nicht minder bekannt ist das seit 1992 existierende EU-Umweltzeichen – die Euroblume – das sich unter anderem durch die Gütekontrolle des gesamten Produktlebenszyklusses – also von der Herstellung bis zur Entsorgung – hervortut und neben vielen anderen Branchen auch in der Textilindustrie genutzt wird. Wichtige Kriterien sind – wie bei Ökotex - die Umweltverträglichkeit und die geringe Gesundheitsbelastung, aber auch die geringe Verschmutzung von Wasser und Luft bei der Herstellung sowie die Qualitätsmerkmale des fertigen Produkts, wie Passformerhalt und Farbechtheit. Die Grundlagen für diesen Kriterienkatalog wurden gemeinsam mit Umweltschutzorganisationen, Verbraucher- und Industrieverbänden, Gewerkschaften, kleinen und mittelständischen Unternehmen und dem Zertifizierer erarbeitet. Vergeben wird das Siegel in Deutschland vom Deutschen Institut für Gütersicherung und Kennzeichnung (RAL) und dem Umweltbundesamt für jeweils drei Jahre.

logo textile exchange

Auch die Industrie selbst begann vor allem mit Beginn des neuen Jahrtausends eigene Initiativen zur Förderung ökologischer Materialien zu gründen. So bemüht sich die Non-Profit Organisation Textile Exchange – ehemals Organic Exchange – um das globale Wachstum des biologischen Baumwollanbaus und –absatzes. Mit rund 230 Mitgliedern, darunter Hess Natur, Marks and Spencer, Nike, dem Otto-Versand und Patagonia bewerben sie die Vorteile nachhaltiger Materialien und bringen in diesem Sinne Marken, Händler, Landwirte und die wichtigsten Akteure miteinander ins Gespräch. Textile Exchange ist aktuell in acht Ländern vertreten.

Logo cotton made in africa

Ebenfalls durch eine industrieinduzierte Initiative entstanden, ist das Projekt Cotton made in Africa. Die Idee ist, afrikanischen Bauern, die sich bereit erklären, auf natürliche Anbauverfahren zu setzen und weitestgehend auf Pestizide zu verzichten, die Abnahme ihrer Rohstoffe über eine Allianz internationaler Textilunternehmen zu sichern. Die Initiative wird regelmäßig aufgrund ihrer weichen Teilnahmekriterien und dem nicht ausreichenden ökologischen Anspruch kritisiert. So ist das primäre Ziel des Projekts, welches von der Aid by Trade Foundation, eine von Michael Otto gegründete Stiftung, ins Leben gerufen wurde, nicht der kontrolliert biologische Anbau von Baumwolle, sondern die Armutsbekämpfung und die Bildungsförderung durch die Erhöhung der Erträge der Kleinbauern in Afrika.

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