Die Käfighaltung von Legehennen ist in der EU seit Anfang Jahr verboten. Fast die Hälfte der Mitgliedstaaten hält sich nicht daran – zum Ärger der Übrigen.

Von Jonas Ingold, Landwirtschaftlicher Informationsdienst

Legehennen, die in ihrem Käfig nicht mal den Platz einer A-4-Seite zur Verfügung haben. Dieses Bild gehört in der Schweiz längst der Vergangenheit an. Nicht so in der EU. Dort ist die konventionelle Käfighaltung für Legehennen zwar seit dem 1. Januar verboten. Doch zwölf EU-Mitgliedstaaten – unter anderem Italien, Spanien, Polen und Frankreich – haben es bisher nicht geschafft, die neue Regelung umzusetzen – trotz einer Übergangsfrist von rund zwölf Jahren. Schätzungsweise bis zu 100 Millionen Legehennen stehen noch in solchen Käfigen. Diese an sich illegal produzierten Eier finden sich dadurch nach wie vor EU-weit in verarbeiteten Produkten.

Ungeklärte Situation um illegale Eier

Das führt in Ländern, die das Verbot teils schon seit längerem umsetzen, zu Unmut. Denn obwohl die Eierproduzenten in diesen Staaten Millionen in die Umgestaltung ihrer Anlagen investiert haben, werden sie von illegalen Billigst-Eiern konkurriert.

Weil nach wie vor nicht geklärt ist, was mit illegalen Eiern geschehen soll, gelangen sie in die Verarbeitung oder in den Verpflegungssektor. In Deutschland und Grossbritannien fordern Produzenten daher ein Importverbot von illegalen Eiern und Eierware. Die Regierungen Deutschlands und Grossbritanniens sehen hingegen keine Möglichkeit den Import zu verhindern, weil ein Importverbot ihrer Ansicht nach gegen die Regeln zum EU-Binnenmarkt verstossen würde.

Käfighaltung in der EU

Seit dem 1. Januar 2012 gilt in der EU ein Verbot der Legehennenhaltung in konventionellen Käfigen mit einer Fläche von 550 cm2 pro Tier. Nach wie vor ist in der EU die Haltung in sogenannt ausgestalteten Käfigen erlaubt. Diese müssen eine Mindestgrösse von 750 cm2 pro Henne aufweisen und Sitzstangen, Nester sowie Scharrbereich aufweisen. Einige Staaten wie Österreich haben auch die Haltung in solchen ausgestalteten Käfigen verboten. Auch in der Schweiz sind ausgestaltete Käfige verboten. Die konventionelle Käfighaltung verbot die Schweiz als weltweit erstes Land bereits 1992.

Briten drohen mit Klage

Der Rat der britischen Eierindustrie (BEIC) will das nicht hinnehmen und droht der eigenen Regierung mit einer Klage. "Die britischen Produzenten haben viel investiert, um den gesetzlichen Verpflichtungen zu entsprechen und den Tierschutz zu verbessern. Nun brauchen wir die Unterstützung unserer Regierung, um die unfairen Wettbewerbsverzerrungen zu unterbinden", so der BEIC-Vorsitzende Andrew Parker.

Herkunftslogo lanciert

Auch in Deutschland wird die Verarbeitung von illegalen Eiern heftig kritisiert. Dort fordert der Bundesverband Deutsches Ei (BDE) vom Lebensmittelhandel, Produkte mit illegal produzierten Eiern aus den Regalen zu verbannen. Denn Konsumenten können zwar beim Kauf von ganzen Eiern das Herkunftsland erkennen, nicht aber bei Eiern in verarbeiteten Produkten wie Teigwaren, Kuchen oder anderen Lebensmitteln. Die deutsche Eierwirtschaft hat zudem ein "Deutsches-Ei-Logo" entwickelt, das zurzeit am Markt eingeführt wird. Dadurch sollen die Konsumenten besser auf die Herkunft hingewiesen werden.

2 unserer Mitglieder

Neue Mitglieder

Nach oben