Am Bioackerbautag vom 8. Juni auf dem Betrieb «Grand Champ« von Frédéric Zosso ging es an mehreren Posten um Biopflanzenzüchtung.

Peter Kunz, einer der Experten, war den ganzen Tag am Posten anwesend und gab bereitwillig Auskunft über seine Arbeit sowie die heute verfügbaren Weizen und Dinkelsorten aus seiner Züchtung.

Von Markus Johann 
p6080030Peter Kunz (Bildmitte) erklärt den Landwirtschaftsschülern von Grangeneuve die Vorteile seiner Weizensorten aus der Biopflanzenzüchtung. Bild: BionetzPeter Kunz gilt als Pionier im Biolandbau. Er hat vor über 30 Jahren mit seiner Züchtungsarbeit begonnen und konnte die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickeln. Der Geschäftssitz der Firma ist heute in Feldbach am Zürichsee, wo sich auch ein Zuchtgarten befindet. Am 1. Juli ist dieser Zuchtgarten mit mehreren hundert Getreidesorten anlässlich des Tags der offenen Zuchtgärten öffentlich zugänglich. Ein spezielles Anliegen ist Peter Kunz die Nachwuchsförderung. Denn es ist heute gar nicht so einfach, junge Agronominnen und Agronomen zu finden, die sich in der Züchtungsarbeit engagieren möchten. Träger der GZPK ist eine gemeinnützige Stiftung. Über die Lizenzeinnahmen vom Saatgutverkauf lässt sich nur ein kleiner Teil der Züchtungsarbeit finanzieren. Der Hauptteil vom Budget wird über Spenden sowie Einnahmen aus Projekten finanziert. Von Coop wird die GZPK jährlich mit einem Betrag aus dem Fonds für Nachhaltigkeit unterstützt. Bisher tragen vor allem die Bauern über die Lizenzen aus dem Saatgutverkauf einen Anteil aus der Wertschöpfungskette bei. Wünschenswert wäre jedoch eine Beteiligung aller Teilnehmer der Wertschöpfungskette. Zum Beispiel über einen kleinen Beitrag am Endverkaufspreis. Bei nur 1-3 Rappen pro verkauftes Brot kämen da schnell einmal ein paar zehntausend Franken zusammen.

Biozüchter leisten viel Aufbauarbeit 

p6080062Die Weizensorten Pizza (links) und Wiwa im FiBL-Streifenversuch. Bild: BionetzVon der Weizensorte Wiwa, die heute im Bioweizenanbau der Schweiz über 40% Anteil hat und auch in Süddeutschland viel angebaut wird, wurden die ersten Kreuzungen 1990/91 gemacht. Nach der eigentlichen Züchtungsarbeit, die jeweils 8-10 Jahre dauert, folgt die Vorvermehrung- und Vermehrung der Sorte. Das dauert dann nochmals 4-5 Jahre. Während der Vermehrungsphase kommen die Sorten dann in die FiBL-Streifenversuche sowie in die Feldversuche von Agroscope, die jährlich auf verschiedenen Biobetrieben angelegt werden. Die Resultate aus diesen Versuchen sind relevant für die Aufnahme auf die entsprechenden Sortenlisten.

Sorten aus der Biopflanzenzüchtung kommen mit den Bedingungen auf Biohöfen am besten zurecht

Ein Standort der FiBL-Streifenversuche war dieses Jahr auch der Betrieb Zosso. Es kann es gut und gerne 15-20 Jahre dauern, bis sich eine Sorte etabliert sowie auch bewährt und durchgesetzt hat. «Diese Jahre sind für uns Vorinvestitionen. Während diesen Aufbaujahren erzielen wir keine Einnahmen aus dem Saatgutverkauf. Deshalb bezeichnen wir die Lizenzeinahmen auch viel lieber als Sortenentwicklungsbeiträge» erklärte Züchter Kunz. «Wir machen unsere Arbeit aus Überzeugung und mit viel Herzblut für die Biobäuerinnen und Biobauern. Denn nur eine Sorte, die von Anfang an auch unter Biobedingungen gezüchtet wurde, kommt mit den Bedingungen auf den Biohöfen wirklich optimal zurecht. Unsere Sorten müssen sich mit wenig Nährstoffzufuhr gut entwickeln können und benötigen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten. Schliesslich kann der Biobauer nicht einfach mit Stickstoff oder Pestiziden nachhelfen», gab er zu bedenken.

Ertrag und Verarbeitungseigenschaften sind ebenso wichtig

Natürlich seien auch der Ertrag sowie gute Verarbeitungseigenschaften wichtig. Alle Faktoren müssten mit praktisch derselben Gewichtung bei der Züchtungsarbeit berücksichtigt werden. «Unsere Arbeit ist auch nie abgeschlossen, denn es stellen sich immer wieder neue Herausforderungen. Wie z.B. die Klimaveränderungen mit Zunahme der extremen Trockenheits- oder Niederschlagsperioden. Dafür braucht es wiederum neue Sorten, die trotz der veränderten Klimabedingungen gut auf den Biobetrieben wachsen und gedeihen können. Weiter wollen wir mit unserem Stickstoffeffizienzzüchtungsprogramm Sorten ermöglichen, die auch mit wenig Stickstoff sehr gute Backeigenschaften sowie etwas höhere Erträge hervorbringen können», teilte Züchter Kunz den interessierten Besucherinnen und Besuchern mit.

Getreide, Mais, Sonnenblumen, Erbsen, Gemüse und Äpfel ohne Gentech

Gentechnische Eingriffe lehnen die Biozüchter ab. Gemäss der offiziellen Sortenliste vom FiBL werden die nachfolgenden GZPK-Getreidesorten in der Schweiz für den Anbau von Brotgetreide empfohlen. Weizen: Wiwa, Pizza, Tengri, Scaro. Dinkel: Titan, Tauro, Zürcher Oberländer Rotkorn. Für alle übrigen Sorten wird eine Abnahmevereinbarung mit einem Verarbeiter empfohlen. In der GZPK gibt es auch noch Züchtungsprojekte für Mais, Sonnenblumen und Körnerleguminosen. Neben der GZPK gibt es in der Schweiz noch 2 weitere Biopflanzenzüchtungsinitiativen. Die Sativa Rheinau züchtet neue Gemüsesorten. Bei Pomaculta in Hessigkofen/SO entstehen neue Apfelsorten.

 


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