Anfangs August wurde bekannt, dass die Firma l'Oréal, der grösste Kosmetikhersteller der Welt, die Logocos Naturkosmetik AG übernommen hat. Der Multi Nestlé ist an l' Oréal beteiligt. Logocos beschäftigt derzeit 340 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von 59 Millionen Euro. Wir haben den Geschäftsführer eines Bioladens, einen Naturkosmetik-Vertreiber und eine Naturkosmetik-Expertin angefragt, was sie von der Übernahme halten.

Bioladen Altstetten Zurich

Der Bioladen

Pierre Moser vom Bioladen Altstetten, Zürich erklärt: «Für uns war es schnell klar, dass wir keine Produkte dieser Gruppe verkaufen wollen. Unsere Kunden übergeben uns die Verantwortung ein Bio-Sortiment zusammenzustellen, welches gewissen ethischen Grundsätzen folgt. Diesen Grundsätzen kann der neue Inhaber meines Erachtens nicht nachkommen. Mir ist bewusst, dass ein «Produktescanning» extrem komplex ist und unsere Möglichkeiten begrenzt sind. Darum sind wir auf unsere Lieferanten angewiesen, die uns mit den nötigen Hintergrundinformationen «füttern» sowie uns dann allenfalls Alternativen vorschlagen. Für den Biofachhandel sind solche Entwicklungen sehr wohl auch eine Chance, sich glaubwürdig zu positionieren und die Grundwerte aktiv und selbstbewusst zu kommunizieren. Wir im Bioladen habe viele positive Feedbacks erhalten, als wir diese Erklärung im Bioladen Altstetten verteilt haben

Der Vertriebspartner

Der Vertriebspartner von Natur-Kosmetik «HautQuartier» hat uns folgende Stellungsnahme zukommen lassen: «Eines vorweg: Wir alle bei HautQuartier sind sehr überrascht betreffend der Logocos-Übernahme durch L`Oréal. Selbstverständlich verstehen wir all die Fragen der BioladnerInnen und KundInnen, die über viele Jahre Naturkosmetik und damit auch die Logocos Marken mit aufgebaut haben. Momentan läuft noch die kartellrechtliche Prüfung dieser Akquisition. Solange diese Prüfung nicht abgeschlossen ist, wissen selbst die Mitarbeiter von Logocos nicht, wie es weitergehen wird. Nach Abschluss dieser Prüfung werden wir so schnell als möglich Gespräche führen, die ganz sicher zur Klärung der Zukunft von Logocos beitragen werden. Natürlich haben auch wir bei HautQuartier uns Gedanken darüber gemacht, unter welchen Voraussetzungen wir in Zukunft dieses Sortiment weiterhin führen werden. Für uns ist momentan sehr wichtig:

  • Dass Logocos weiterhin eigenständig bleiben wird,
  • die Qualität der Produkte sich nicht ändert,
  • die Philosophie der Marken sich nicht ändert,
  • die Menschen dahinter die gleichen sind.

Stand heute ist klar: HautQuartier wird mit den Marken Logona und Sante weiter anbieten, weil:

  • viele KundInnen weiterhin diese Produkte kaufen wollen,
  • Logocos  ein wichtiger Lieferant von HautQuartier ist,
  • und Logocos immer noch die gleiche Firma mit denselben Menschen und Produkten ist.

Über die vielen Jahre hinweg ist zwischen HautQuartier und Logocos eine gute partnerschaftliche Beziehung entstanden. Mit einigen Logocos-Mitarbeitern verbindet uns mittlerweile eine Freundschaft und wir wollen die MitarbeiterInnen von Logocos in dieser Situation nicht alleine lassen. Wir stehen in engem Kontakt mit den LadnerInnen, um Fragen betreffend des Sortiments zu klären. Wir sind sehr daran interessiert, mit den KundInnen gute Lösungen zu finden. Und wir sind sicher, dass wir als HautQuartier nötigenfalls Alternativen anbieten können.»

Die Expertin

ElfriedeDambacher Foto ChristianThomas BerlinElfriede Dambacher. Foto: Christian Thomas, Berlin

Schliesslich haben wir Elfriede Dambacher von Naturkosmetik Konzepte nach Ihrer Meinung dazu gefragt. Und publizieren hier ihre Antwort: «Naturkosmetik ist begehrlich geworden. Seit einigen  Jahren sind weltweit vermehrte Merger-Aktivitäten festzustellen: Alles was nicht niet- und nagelfest ist, wechselt den Besitzer. Jedes Unternehmen hat die Freiheit zu entscheiden, ob sie werteorientiert oder profit-orientiert agieren wollen. Für alle, die sich eng mit dem Gründer, dem Unternehmen und der Marke Logona identifiziert haben und die Marke im Biohandel mit aufgebaut haben, ist das ein einschneidendes Ereignis. L’ Oréal testet bereits seit Jahren im Bereich naturnahe und Natur-Kosmetik aus, was funktioniert und was nicht. Bereits vor vielen Jahren wurde die französische Naturkosmetikmarke Sanoflore übernommen. Nun kommt ein zweiter Pionierbetrieb dazu. Für den Bio-Fachhandel ist Werteorientierung nach wie vor ein wichtiger Vorteil, allerdings kann das Sortiment nicht nach den Eigentumsverhältnissen der Marken ausgerichtet werden, sonst sind die Regale bald leer. Ein Siegel als zertifizierte Naturkosmetik ist kein Garant, dass der Eigentümer kein profit-orientiertes Unternehmen ist. Die Kriterien der Verbände beziehen sich auf das Produkt, nicht auf die Marke und das Unternehmen und umfassen schon gar nicht die Eigentumsverhältnisse. In der Pionierphase war das noch übersichtlich und einfach. Heute ist Naturkosmetik ein lukrativer Markt geworden. Da tummeln sich viele, die mit der ursprünglichen Idee der Biobranche nicht mehr viel gemein haben. Daher finde ich wichtig, dass der Bio Fachhandel klare Sortimentskriterien erarbeitet, die der aktuellen Situation gerecht werden. Will man nur inhabergeführte Marken führen, dann ist das Kosmetikregal im Bio Fachhandel bald leer, denn die Marken benötigen mehr monetäre Ressourcen um im rauhen Wind des Wettbewerbs bestehen zu können. Das wird noch weitere Übernahmen und Beteiligungen zur Folge haben

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