Letzten Montag fand in Lenzburg die alljährliche Fachtagung von bionetz.ch und VELEDES statt. Sowohl morgens wie auch nachmittags standen die Menschen im Mittelpunkt. Morgens die LadnerInnen im Umgang mit KundInnen und MitarbeiterInnen und am Nachmittag die UnternehmerInnen des Fachhandels und wie sie unterstützt werden könnten.

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Sechszehn Menschen, die täglich im Bioladen stehen, was machen sie als Erstes? Sie tratschen. Tratschen ist des Menschen liebste Tätigkeit. Mit einer Besonderheit allerdings, die Dr. jur. Marco Ronzani, seines Zeichens Coach in gewaltfreier und lösungsfokussierter Kommunikation, vorher zur Regel erklärt: Stärken und gute Eindrücke sollen zur Sprache kommen und Ressourcen angesprochen werden.

Ressourcen sichten
Derart «betratscht» ist der Raum mit Wohlwollen gefüllt und es kann an die Bearbeitung der einzelnen Fragestellungen gehen: Was machen wir mit der Mitarbeiterin, die ausgelistete Produkte immer wieder bestellt? Was, wenn der Chef ein demotivierender Kontrollfreak ist? Wie lebe ich den Mitarbeitenden Prioritäten vor – etwa, dass die Kundin das Wichtigste ist, noch vor Regale einräumen? Wir üben die vier Fähigkeiten der gewaltfreien Kommunikation: Beobachtungen beschreiben, Gefühle ausdrücken, Bedürfnisse wahrnehmen und schliesslich eine Bitte formulieren. Pipifax? So simpel ist das wirklich nicht. Aber es hilft, man fühlt sich verstanden, Chefin und Mitarbeiter reden fortan vom Gleichen, die Kundin fühlt sich ernst genommen und kommt wieder.

Gewaltlose Kommunikation ganz kurz

  • Konflikte? Ärger? Komplimente machen und positive Verbindung herstellen!
  • Alle Menschen wollen gesehen, gehört, anerkannt werden, auch diejenigen, über die ich mich ärgere.
  • Ärger als Signal für den «verurteilenden Modus» zuerst würdigen, dann symbolisch in einem Gefäss versorgen und wohlwollend weitermachen.
  • Den beschreibenden Teil sowie die Bitte (s.o.) in einfachen, ehrlichen Worten vorbringen.
  • Nicken – damit das Gegenüber weiss, dass man zuhört.

    (Literatur: Marshall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation)

Welche Zukunft für den Fachhandel?
Am Nachmittag widmeten sich die über 40 Teilnehmenden der Zukunft vom Fachhandel, genauer den Möglichkeiten und Bedingungen für Läden, Unterstützung zu holen. Manuela Kägi von Bio Partner Schweiz AG erklärte das Programm Renaissance, ein Coachingprogramm für Bioläden, mit dem Ziel diese fitter für den Markt zu machen. Obwohl schon einige Projekte unterwegs sind, erfuhren die Anwesenden nur wenig über Erfolge, Kosten und Details, es sei dafür noch zu früh.  Martin Graf, Präsident des Vereins Svizra Agri Cultura formulierte die ansprechenden Ziele seines Vereins: Achtung der produzierenden Bauern, Wertschätzung für besondere Bio-Produkte, Vermarktung von Geschichten und Hintergründen. Auch hier kann erst die Zukunft weisen, ob sich solche Konzepte noch stärker in den Fachhandel integrieren lassen. Valérie Monnin von Bio Suisse beschrieb die Kommunikations-Aktivitäten ihrer Organisation. Ihr dringender Wunsch: mehr schweizerische Bio-Suisse-Produkte ins Sortiment der Läden. Schliesslich stellte Marc Theurrillat die Angebote von Demeter für den Fachhandel vor: einerseits Hilfe bei der Vermarktung von regionalen Demeter-Produkten und mehr Effizienz bei der Logistik durch Gruppierung der Angebote. Andererseits die geplante und erwünschte Vertretung der Läden in die Demeter Führungs-Gremien.

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Anschliessend diskutierten die Anwesenden in einem von Fausta Borsani, Redaktorin von bionetz.ch,  moderierten Podium mit einem wachen und pragmatischen Publikum. Eine Zusammenfassung der Diskussion: Die TeilnehmerInnen wünschen mehr Koordination unter den Anbietern am Markt und die Zusammenlegung verschiedener Aktivitäten. Zudem sind mehr Hintergrundfakten und positive Geschichten über Projekte und Produkte gefragt, damit KundInnen besser informiert werden können. Die Tagung wurde als sinnvoll und gut beurteilt, jedoch seien die Kosten für eine Teilnahme (zu) hoch. Man solle sich eine Querfinanzierung überlegen, z.B. mit Sponsoring.

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