Seit der letzten Erhebung von Avenir Suisse im Herbst 2018 sind die volkswirtschaftlichen Kosten der Schweizer Agrarpolitik um 4% auf 20,7 Mrd. Fr. jährlich gestiegen. Avenir Suisse hat das «Privilegienregisters der Schweizer Landwirtschaft» aktualisiert, das die Kosten der Agrarpolitik detailliert auflistet.

nature 213364 1280Im 2020 kommen die Schweizer Bäuerinnen und Bauern weiter unter Druck. Bild: Pixabay

37% sind Umweltkosten

Das «Avenir-Suisse-Privilegienregister der Schweizer Landwirtschaft» misst möglichst alle Agrarsubventionen. Seit der ersten Ausgabe dieser landwirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Bilanz im Jahr 2018 sind die volkswirtschaftlichen Kosten erneut angestiegen, und zwar um 4% auf
20,7 Mrd. Fr. jährlich. Die Steuerzahlenden kommen für 23% auf, 18% berappen die Konsumenten, 37% sind Umweltkosten und 22% davon belasten die Unternehmen in Form verpasster Opportunitäten des Exports.

Umweltkosten für Pestizideinsatz, Phosphorüberschuss und Biodiversitätsverlust steigen

Die zusätzlichen Ausgaben von 700 Mio. Fr. pro Jahr innert 16 Monaten sind zu einem grossen Teil den gestiegenen Umweltkosten in der Gesamtrechnung geschuldet: Pestizideinsatz, gestiegener Phosphorüberschuss und Biodiversitätsverluste summieren sich allein auf zusätzliche 300 Mio. Fr. jährlich. Vereinzelt wird mit den Agrarsubventionen umweltschädliches Verhalten gar gefördert oder zumindest nicht sanktioniert (z.B. reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Pestizide).

Die Bauernfamilien profitieren zuwenig von den Subventionen

Als politische Rechtfertigung für viele Subventionen und Vergünstigungen werden von der Agrarlobby regelmässig «in Nöten steckende Bauernfamilien» angeführt. Dies, obschon gerade diese Familien am wenigsten vom aktuellen System profitieren dürften: Beachtliche Teile der aufgewendeten Steuergelder fliessen an vor- und nachgelagerte Teile der agrarwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Die Schweizer Bäuerinnen und- Bauer sind gleich von zwei Seiten unter Druck: Einerseits müssen Schweizer Bauerinnen und- Bauer hohe Preise für landwirtschaftliche Hilfsmittel bezahlen, anderseits sind sie mit tiefen Margen beim Verkauf ihrer Produkte an Verarbeiter und Detailhändler konfrontiert.

Private Haushalte finanzieren fast ein Drittel dieser Kosten

Zur Finanzierung dieser Agrarpolitik trägt jeder private Haushalt in der Schweiz rund 2300 Fr. pro Jahr bei: So schultert eine «Konsumentenfamilie» 1000 Fr., der Löwenanteil resultiert aus dem rigiden Grenzschutz für Landwirtschaftsgüter. Zusätzlich fliessen rechnerisch pro Haushalt weitere 1300 Fr. mittels Steuerzahlungen in den Agrarsektor. Die Schweiz gibt  - basierend auf den Bundes- und Kantonsausgaben - rechnerisch drei Mal so viel für die Agrarwirtschaft aus wie für die ETH Zürich. Auch erhält ein in der Landwirtschaft Beschäftigter heute rechnerisch rund 25% mehr Geld von der öffentlichen Hand wie ein Rentner aus dem AHV-Topf. Und: der Staat gibt heute gleichviel für den Umweltschutz aus wie für die Landwirtschaft - dies in Zeiten einer allgemein höheren Sensibilisierung für ökologische Themen. Die Schweizer Agrarpolitik benötigt demnach eine grundlegende Reform: Eine standortgerechtere Landwirtschaft, Forschung, technische Innovationen und Lenkungsabgaben auf umweltschädliche Hilfsstoffe könnten zum Beispiel nicht nur Ausgaben in Milliardenhöhe reduzieren, sondern würden gleichzeitig die Umwelt entlasten.

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