In einer gemeinsamen Befragung sind Swissveg und bionetz.ch der Frage nachgegangen, ob in der Schweiz «vegi» schon (selbstverständlich) mit «bio» kombiniert wird. Wir finden, es gäbe dafür viele Gründe: Sowohl «bio» wie «vegi» wollen zu der Natur und den Tieren Sorge tragen, dem Klimawandel etwas entgegensetzen und uns Menschen gesund ernähren. Die Resultate der Umfrage könnten noch viele Restaurants inspirieren.

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Fausta Borsani// Swissveg und bionetz.ch haben 169 Restaurants angefragt, die vegetarische und vegane Gerichte anbieten, ob und in welchem Umfang sie auf «bio» wertlegen. Es sind 20 Antworten eingegangen.

«Wir sind voll Bio»

Antworten bekamen wir zum Beispiel vom Restaurant Mohini in Zürich. Für Geschäftsführer Valentin Schmid ist Bio selbstverständlich: «Bei uns ist alles vegi und alles bio». Auch das Bliss Restaurant und Take Away in Fribourg kann das von sich sagen: «Wir sind ein veganes Restaurant und verwenden ausschliesslich Zutaten aus biologischem Anbau. Das ist uns wichtig, weil wir uns auch privat fast ausschliesslich mit Bio-Zutaten ernähren». Ebenso halten es weitere: peacefood.bio in Luzern sowie The Sacred mit Vegelateria in Zürich. Letztere sagen: «Wir sind von Anfang an bio und vegan». Und das CaféLaden in Schwyz schreibt, dass sie alles in Bio- und Demeter-Qualität anbieten, wenn es nur geht.

Auch das Gasthaus Rössli Mogelsberg offeriert seinen Gästen Bio-Gourmet-Menus. Das Kurhaus Casa Reviva in Andiast verkündet: «Bei uns gibt es nur Bio-Produkte zum Frühstück, teilweise aus eigenem Garten. Das Mittag-und Abendessen nehmen unsere Gäste im Hotel Postigliun ein. Dort bekommen sie auch vegetarische Bio-Vollwertkost.» Voll Bio: So halten es das Kurs- und Ferienzentrum Moosmühle in Hefenhofen–Moos, der Löwen in Sommeri, das Öko-Hotel Gruebisbalm/Rigi in Vitznau und das Odeon in Brugg. Dieses lässt uns wissen: «Alle unsere Zutaten und Rohstoffe sind aus biologischem Anbau. Wir haben eine möglichst regionale, saisonale, voll und ganz biologische Menüauswahl. Zu den nicht regionalen Produkten gehören viele für Vegane wichtige Produkte wie Kichererbsen, Nüsse etc.... Das einzige nicht vegane und nicht biologische Angebot sind unsere Pizzas in der Bar, diese gibt es ausschliesslich am Abend».

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«Wir steigern uns»

Das Take Away Tofulino in Winterthur hat mehr als 50% Bio-Anteil und möchte den Anteil steigern. Verschiedene andere Betriebe haben Bio-Produkte im Sortiment, wenn auch unter 50%, möchten aber mehr: CrazyCupCake Café in Luzern, Crêperie La Chouette in Bern, das indische Restaurant Taj Palace in Zürich, das Kapitel Bollwerk in Bern, das «Zum Topf» in Langnau und das Wirtshaus Godswärgjistubu in Albinen. Dieses teilt uns mit: «Für uns steht das regionale Produkt an erster Stelle, ist es aus Bio-Produktion, umso besser. Unsere eigenen Gärten werden alle nach biologischen Grundsätzen bewirtschaftet».

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«Wir bleiben so»

Den Anteil von unter 50% und sogar unter 30% in etwas gleich behalten möchte die Sonnmatt Bergpension & Gesundheitszentrum in Ebnat-Kappel. Das einzige Restaurant, das vegetarische oder vegane Menus anbietet, aber diese nach eigener Aussage gar nicht mit Bio-Zutaten herstellt, ist das Berghaus Niederhorn (keine Homepage gefunden). Sie erklären es so: «Wir sind ein Ausflugslokal. Die meisten unserer Gäste wünschen ein günstiges Angebot und fragen gar nicht nach Bio».

Und es geht doch

Auf die Frage, warum nicht alle Anbieter von vegetarischem Essen dieses mit Bio-Zutaten kochen würden sagt Valentin Schmid von Mohini: «Es fehlt immer noch an der Aufklärung der vegetarisch und vegan essenden Konsument*innen. Es geht um «tief-grünes» Verständnis, Weitsicht und Vorbildfunktion mit praktischer Umsetzung....das ist ganzheitlich vegi und bio!» Aber auch Mohini muss die Angestellten und die Miete (im teuren Zürich) zahlen und die Bio-Rohstoffe einkaufen, wie macht das Valentin Schmid? Er habe eine No-Waste Politik, enge Beziehungen zu seinen langjährigen Lieferanten und eine gute Lagerhaltung. So könne er effizient einkaufen. Ausserdem macht er ein Mittagsmenu pro Tag, das erleichtert die Planung. Es geht also schon.

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Nachtrag

Nachträglich hat bionetz.ch auch bei den zwei grossen Player der Vegibranche in der Schweiz, Tibits und Hilt, nachgefragt. Hiltl schreibt: «Sie finden unsere Philosophie hier: Hiltl - gesunder Genuss. Wo wir in Bio- oder Demeterqualität einkaufen können, machen wir dies natürlich. Wir beziehen beispielsweise über das FARM-Projekt von Marinello, da sind selbstverständlich viele Bio-Produkte im Bereich Gemüse und Früchte dabei, aber nicht immer ausschliesslich. Zudem beziehen wir beispielsweise unseren Räuchertofu, Okara etc. über Swissoja – alles in Bioqualität. Mal gibt es Kirschen vom Ennikerhof, mal Bio-Spargeln von einem Kleinbetrieb und Getreide von Böhler (Demeter). Für uns ist neben der Qualität, die Nachhaltigkeit und Regionalität in diesem Zusammenhang ebenso äusserst wichtig und wo wir Bio anbieten können, werden wir dies auch immer tun». Hiltl beteuert weiter: «Wir arbeiten mit ausgesuchten und langjährigen Partnern zusammen, welche unsere hohen Qualitätsansprüche erfüllen. Nicht alle Höfe können oder wollen sich aber das Bio Label leisten».

Tibits bedauert, nicht an der Umfrage teilgenommen zu haben und teilt uns mit: «Sehr wohl liegen uns Bioprodukte sehr am Herzen. Bei uns sind 100% der Backwaren und Patisserie seit vielen Jahren in Schweizer Bio-Qualität. Ebenfalls sind die noch wenigen tierischen Produkte fast 100% Schweizer Bio- oder sogar Demeter-Qualität. Auch alle Tofu- und Tempeh-Produkte sind in Schweizer Bio-Qualität.  Auch Getreide beziehen wir wenn möglich aus der Schweiz und bereiten z.B. unsere Risottos statt aus ausländischem Reis aus Schweizer Bio-Gerste oder -Dinkel zu. Einige exotische Getreidesorten, z.B. unser Fair-Trade-Bio-Quinoa, können wir (noch) nicht aus der Schweiz beziehen. Beim Gemüse arbeiten wir mit diversen Bio Bauern zusammen, wie z.B. Böhler aus Seuzach, und engagieren uns für die Vielfalt auch beim Saatgut. Beim Eis unterstützen wir einen kleinen Luzerner Nischenbetrieb, Dolce Amore, welcher Bio Glacé herstellt. Unser Ziel ist es, den Anteil an Bio-Produkten in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen – hierzu sind wir laufend im Austausch mit möglichen neuen Partnern».

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Kommentar: Die vegetarische und biologische Einstellung gehören doch zusammen. In meinen Augen kann man nicht gegen die Ausnützung und das Leid von Tieren sein und dann gleichzeitig eine Landwirtschaft unterstützen, die unzählige Lebewesen mit Pestiziden und synthetischen Düngern direkt vergiftet oder indirekt auf dem Gewissen hat, weil sie ihnen den Lebensraum und die Nahrung entzieht. Das leuchtet mir nicht ein. Darum finde ich, dass sich viel mehr Restaurants, die vegetarische und vegane Gerichte anbieten, von den konsequenten Restaurants, die ganz auf Bio setzen, inspirieren lassen sollten. Grosse und kleine.

 

 

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