Viele Konsument*innen meiden Palmöl in Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten. Denn Palmölplantagen sind verantwortlich für die Abholzung der Tropenwälder, die Zerstörung der Lebensräume des Orang-Utans und die Vertreibung von Gemeinschaften aus traditionell bewirtschaftetem Land. Einer in der Sonntagszeitung jüngst erschienener Artikel erklärt, warum der Ersatz von Palmöl aber meist nicht sinnvoll ist und eher cleverem Marketing entspringt.

palm 1464660 1280Aus den Früchten der Ölpalme wird Palmöl gewonnen. Mit 30 Prozent Marktanteil ist Palmöl vor Sojaöl das meist angebaute Pflanzenöl der Welt. Bild: Pixabay

Expert*innen warnen vor einem Palmöl-Boykott. Besser sei es laut der Umweltschutzorganisation WWF, zertifiziertes Palmöl zu verwenden, das nach ökologischen und sozialen Kriterien gewonnen wurde. Denn die Alternativen zu Palmöl (z.B. Sojaöl) können die Umwelt noch stärker belasten: deren Anbau braucht viel mehr Fläche für den gleichen Ertrag und benötigt in der konventionellen Anbauweise Unmengen an giftigen Pestiziden und Düngemittel.

Palmölfrei als Marketingstrategie

Dennoch kommen immer wieder neue Lebensmittel auf den Markt, die als «palmölfrei» ausgelobt werden. Wie sinnvoll ist das? Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Z.B. beim Kakao-Brotaufstrich Le Cacao von Hero. Ein Fairtrade-Logo und die Aufschrift «ohne Palmöl» prangen auf dem Glas. Cleveres Marketing, aber: Den Fairtrade-Richtlinien entsprechen zwar der enthaltene Zucker und der Kakao, nicht aber das Kokosöl. Das zusammen mit Sonnenblumenöl verwendete Kokosöl verbraucht bei der Gewinnung viele Ressourcen, sagt John Garcia-Ulloa, Doktor der Umweltwissenschaften bei der ETH Zürich. «Wenn Hersteller statt Palmöl Kokosöl verwenden, ist das schlecht für die Umwelt. Es wird mehr Fläche benötigt. Das bedroht die Artenvielfalt.» Die gefährlichen Arbeitsbedingungen beim Anbau von Kokos werden zudem kaum kontrolliert. Also: lieber Nutella mit zertifiziertem Palmöl als ein Produkt mit konventionellem Kokosöl kaufen.

Druck der Konsument*innen

Eine schlechtere Lösung für die Umwelt ist auch die Migros-Margarine ohne Palmöl. Das verwendete Kokosfett ist zwar Fairtrade- und biozertifiziert. Doch trotz dieser Labels ist die Kokos-Margarine aus Sicht der Nachhaltigkeit weniger ressourceneffizient, weil dessen Herstellung viel mehr Fläche beansprucht als die Margarine mit zertifiziertem Palmöl. Aber weil die Kund*innen eine palmölfreie Margarine gewünscht hätten, sei die Migros diesem Wunsch nachgekommen. Unternehmen reagieren auf den Druck von Konsument*innen, die Palmöl grundsätzlich verurteilen. Bei Coop war das bei den Bärentatzen so. Nun verwendet der Detailhändler Rapsöl. Auch dieses Öl benötigt beim Anbau viel mehr Fläche als Palmöl. Und gerade beim Schweizer Raps werden viele Pestizide eingesetzt, sofern er nicht aus Bio-Anbau kommt. Darunter leiden Insekten und Vögel.

Persönliches Greenwashing

Mit dem Ersatz von Palmöl wollen sich einige Hersteller aus der Schusslinie nehmen. Jedoch: Wer Produkte mit Palmöl boykottiert, fühlt sich zwar vielleicht besser. Aber die persönliche Ökobilanz wird dadurch nicht besser, sie verkommt eher zu persönlichem Greenwashing. Besser wäre es, auf stark verarbeitete Lebensmittel zu verzichten und sich konsequent biologisch zu ernähren.

Quelle: SonntagsZeitung vom 5. Juli 2020

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