Auf unseren Alpweiden regiert die Giftspritze. Eins von etwa 30 darauf eingesetzten Pestiziden ist das in der EU verbotene Herbizid Asulam gegen Farne. Dabei sind dessen Halme Futter und Winterbehausung für Wildbienen und andere Insekten, wenn sie nicht vergiftet sind. Sogar Steinhaufen, Lebensraum von Igel, Hermelin, Schmetterlinge und Co. werden gnadenlos todgespritzt, so ein Artikel im aktuellen Beobachter. 

Herbizide auf AlpweidenIst hier die Welt wirklich noch in Ordnung? Immer mehr Herbizide vergiften die Alpweiden. Bild: Pixabay
Viele behaupten, ohne Herbizide ginge es auf der Alp nicht – zu viel Aufwand sei es für die Älpler. Und doch kriegen die Bauern, die ihre Rinder und Kühe auf die Alp bringen, grosszügige finanzielle Hilfen. Leider wird das Geld für noch mehr Herbizide genutzt statt für mehr Handarbeit. Denn die Herbizidspritzerei ist legal und simpel. Wie viele Tonnen Herbizide ausgebracht werden, weiss man leider nicht. Keine Kontrollen, keine Daten - und es kümmert auch niemanden. 

Misswirtschaft sei die Ursache für den Einsatz von Pestiziden auf der Alp, so Fibl-Präsident Martin Ott. «Auf der Herbizidalp widerspiegeln sich die typischen Krankheiten der Zeit.» Ein grosses Problem sind die Hochleistungskühe, die auf die Alp gebracht werden und von den Alpenkräutern allein zu wenig Milchleistung erbringen. Sie brauchen Kraftfutter, das heraufgekarrt wird und erzeugen viel zu Dünger für die Alpweiden. Was unerwünschte Pflanzen wachsen lässt. Letztere spritzt man dann einfach weg. Sogar geschützte Pflanzen werden gespritzt und Wildtiere verenden vom Fressen der vergifteten Pflenzenreste.

Es gibt viel zu wenige biologisch bewirtschaftete Alpbetriebe, sodass auch Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern ihre Tiere auf Alpen geben müssen, die mit der Giftspritze traktiert werden. Bio Suisse, der Dachverband der Bio-Produzenten, hat das Problem so «gelöst». Sobald Bio-Kühe auf die Herbizid-Alp kommen, gelten sie und ihre Milch nicht mehr als Bio. Sobald die gleichen Tiere wieder im Tal sind, wird aber die Mich die sie produzieren, wieder Bio. Clever, oder? Aber wie steht es um Rückstände im Alpkäse, in der Alpbutter, im Fleisch? Interessiert es jemanden?

Es geht zwar auch ohne Gift, mit einem Sensenschnitt, einem Hackenschlag und etwas Fachwissen. Aber alle Versuche, auf unseren Alpen Pestizide zu verbieten, scheiterten bislang. Jetzt liegt die Hoffnung auf der Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide», die voraussichtlich am 13. Juni 2021 an die Urne kommt.

Quelle: «Das Gift auf den Alpweiden», Peter Jaeggi, Beobachter vom 14. Januar 2021

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