Welche Auswirkungen die Umsetzung der Trinkwasserinitiative hätte, über die wir am 13. Juni abstimmen, darüber wird viel diskutiert. Bionetz.ch bringt Antworten auf drei häufige Fragen.

Fragen zur Trinkwasserinitiative

Wird das Trinkwasser nach einer Annahme wirklich sauberer?

Agroscope analysierte in einer Studie mögliche Umweltfolgen einer Umsetzung der Trinkwasserinitiative. Die Ökobilanz zeigt: Die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen liesse sich durch die Trinkwasserinitiative reduzieren. Zudem könnte sich die Biodiversität im Inland leicht erholen. Würde der Pestizideinsatz in der Schweiz reduziert und die Tierbestände gesenkt, wären unser Trinkwasser und unsere Gewässer also viel sauberer, so die Studie.

Verlagert die Trinkwasserinitiative die Umweltverschmutzung ins Ausland?

Die gleiche Studie behauptet aber, dass die Umweltbelastung im Ausland zunähme, weil mehr Lebensmittel importiert würden. Die Annahmen der Agroscope-WissenschaftlerInnen zielen aber an der Realität vorbei: Die Studie ignoriert, dass die Trinkwasser-Initiative als Voraussetzung für den Zugang zu Direktzahlungen nicht alle, sondern lediglich chemisch-synthetische Pestizide verbieten würde. Biologische Pflanzenschutzmittel könnten weiterhin verwendet werden, das ist von den InitiantInnen so gewollt und wird auch durch ein Gutachten bestätigt. Mit dem biologischen Pflanzenschutz aber lassen sich die Erträge im Bio-Landbau sehen und werden nicht so stark sinken wie behauptet. Zudem lässt die Studie die Reduktion von Food Waste ausser Acht, die auch einen Teil der Mindererträge kompensieren könnte. Heute macht Food Waste einen Drittel der produzierten Lebensmittel aus. Die Studie bildet nicht ab, wie sich die gesellschaftlichen Konsumgewohnheiten und die damit verbundene Produktion verändern werden. Die Initiative hat eine Übergangsfrist von acht Jahren. Allerdings: wir würden weniger Pestizide und Futtermittel aus dem Ausland importieren und damit auch im Ausland die Umwelt entlasten. Und falls wir mehr Lebensmittel importieren müssten, könnten wir diese auch aus nachhaltigen Quellen beziehen. Denn nachhaltig produzieren, das können unsere Nachbarn nämlich genauso gut wie wir, und manchmal sogar besser. Der Bund kann übrigens die Qualität der Importe regeln. So steht doch seit September 2017 in der Bundesverfassung: der Bund solle für grenzüberschreitende Handelsbeziehungen sorgen, die zur nachhaltigen Entwick­lung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen (Art. 104a der Bundesverfassung).

Stammen die Stoffe im Trinkwasser, die den Menschen gefährden, nur aus der Landwirtschaft?

Viele der erlaubten Pestizidwirkstoffe in der Schweiz sind hormonwirksam. Mehrere hundert Tonnen davon werden in der Landwirtschaft ausgebracht und gelangen so in die Gewässer. Zum Beispiel: Das Fungizid Mancozeb: es wird in der Schweiz grossflächig ausgebracht und rangiert mit einer Verkaufsmenge von 66'698 Kilogramm (2019) auf dem fünften Platz der in der Schweiz am meistverkauften Pflanzenschutzmittel. Seine Anwendungen:  Obstbau, Reben, Kartoffeln und vor allem Gemüse. Mancozeb gilt als gefährlich, namentlich für Kinder, Schwangere und natürlich auch für die Bäuerinnen und Bauern, die diesen Wirkstoff anwenden. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA kam zum Schluss, dass der Wirkstoff die Schilddrüse schädigt und Schilddrüsentumore hervorrufen kann. Sie stufte die Substanz deshalb als hormonschädlich für den Menschen ein. Das Pestizid sei bereits in Kleinstmengen giftig und ist darum in der EU verboten. In der Schweiz noch nicht, obwohl die Schweiz seit Januar hier EU-Recht folgen müsste. Natürlich kommen hormonwirksame Stoffe auch aus den Haushalten. Pille und andere Medikamente machen mengenmässig viel weniger aus. Und teilweise werden diese Hormone von den technisch fortgeschrittenen Abwasserreinigungsanlagen herausgeholt. Die Landwirtschaft ist leider nicht an solche Anlagen angehängt. Viele der erlaubten Wirkstoffe, die krebserregend wirken stammen auch aus der Landwirtschaft. Beispiel Captan: Der Anti-Pilz-Wirkstoff ist seit 1949 zugelassen und wird vor allem im Obst- und Weinbau eingesetzt – im 2019 wurden 43’556 Kilo davon verkauft. Captan steht im Verdacht, krebserregend zu sein – so stufte die unabhängige amerikanische Behörde Environmental Protection Agency (EPA) den Wirkstoff ein. Trotzdem ist er in der Schweiz im Einsatz. Krebserregende Stoffe in den Gewässern und im Trinkwasser können auch aus anderen Quellen stammen, doch ist ihre Menge im Vergleich zu den zirka 2000 Tonnen Pestizidwirkstoffen, die Jahr für Jahr ausgebracht werden, weniger relevant.

Fausta Borsani

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