Eine Agroscope Modellrechnung zeigt: Die Schweiz kann selbst genug Lebensmittel produzieren, um im Notfall die ganze Bevölkerung zu ernähren: mit viel weniger Fleisch und mehr Kartoffeln und Brot.

bread 399286 1280Mehr Brot und Kartoffeln, weniger Fleisch, so könnte die Schweiz auf Lebensmittel- und Futtermittelimporte verzichten, wenn es denn sein müsste. Bild: Pixabay

Der Krieg in der Ukraine weckt die Angst vor Engpässen. Weil die Ukraine und Russland dieses Jahr keinen Weizen exportieren, droht weltweit eine Nahrungskrise. Die Schweiz ist davon kaum betroffen. Doch um unabhängiger zu werden, müsse die Schweiz die Selbstversorgung steigern, fordern SVP und Bauernverband. Dazu müsse man die Produktion hochfahren und Umweltstandards senken.

Heute importieren wir etwa die Hälfte unseres Essens. Es wäre möglich, den Selbstversorgungsgrad deutlich zu erhöhen. Wie auf den vorhandenen Flächen am meisten Nahrung produziert werden könnte, zeigt ein Modell, das die Bundesforschungsanstalt Agroscope im Auftrag des Bundes entwickelt hat. In diesem Notfallszenario werden weder Nahrungsmittel noch Tierfutter importiert. Dünger, Diesel und Maschinen sind aber frei verfügbar. Dank viel mehr Kohlenhydraten und weniger Fleisch ist es knapp möglich, die ganze Bevölkerung zu ernähren. Pro Person und Tag stehen 2300 Kalorien zur Verfügung. Das reicht zum Überleben.

Um den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen müssen wir mehr Pflanzen selber essen, statt sie zu verfüttern. Davon wollen SVP und Bauernverband nichts wissen. Sie fordern den Verzicht auf Ausgleichsflächen, die zugunsten der Artenvielfalt extensiv genutzt werden. Dabei handelt es sich um weniger als ein Prozent des Ackerlandes. «Eine Intensivierung dieser Fläche bringt nicht viel», sagt Agroscope-Forscher Albert von Ow. Es seien eher ungünstige Produktionsstandorte, die ohnehin wenig hergäben.

Selbstversorgung sei kein Selbstzweck, betont ETH-Agronomieprofessor Robert Finger. Gemäss Bundesverfassung soll die Landwirtschaft Nahrung bereitstellen, aber auf nachhaltige Weise. Finger rät davon ab, ökologische Standards zu senken: «Wir schädigen die Ressourcen und damit die Produktionsgrundlagen, wenn wir nicht umweltfreundlich Landwirtschaft betreiben.» Angesichts der Krise solle man mehr pflanzliche statt tierische Produkte konsumieren, nicht die Landwirtschaft intensivieren. Es sei genug Nahrung da, wenn man sie richtig nutze.

Schweiz: Flächen ermöglichen ausreichende Kalorienzufuhr

Quelle: Wie sich die Schweiz selbst ernähren könnte, Daniel Bütler, Beobachter vom 14. April 2022

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