Seit Anfang 2024 gilt in der Schweiz eine neue Deklarationspflicht: Das Herkunftsland von Brot und Feinbackwaren muss beim Verkauf klar angegeben werden. Die Regelung soll für mehr Transparenz sorgen, bedeutet für Bäckereien und Detailhändler:innen jedoch auch zusätzlichen administrativen Aufwand. Die zentrale Frage bleibt: Beeinflusst die Kennzeichnung das Kaufverhalten der Konsument:innen tatsächlich?

Die Herkunft von Brot muss deklariert sein. rhoDie Herkunft von Brot muss deklariert sein. Bild: LID

Balanceakt für Bäckereien 

Die Umsetzung der neuen Vorschrift verlief in den meisten Betrieben reibungslos. «Wir haben unsere Mitglieder umfassend informiert und bisher wenig Rückmeldungen erhalten. Das deutet darauf hin, dass die Umstellung gut machbar ist», erklärt Urs Wellauer-Boschung, Direktor des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbands (SBC).

Dennoch stellt die Deklaration, insbesondere bei Feinbackwaren, eine Herausforderung dar. «Hier geht die gesetzliche Pflicht über die reine Herkunftsangabe hinaus, insbesondere wenn auch die Swissness genau ausgelobt werden soll», so Wellauer-Boschung weiter. Trotz des zusätzlichen administrativen Aufwands sieht er Vorteile in der neuen Regelung: «Die Transparenz bei Backwarenimporten ist begrüssenswert.»

Wie reagieren Konsument:innen?

Doch achten Konsument:innen überhaupt auf die neue Kennzeichnung? Laut Thomas Brunner, Professor für Konsumentenverhalten an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), könnte sie das Kaufverhalten beeinflussen. «Regionalität ist ein starker Trend, oft wichtiger als Bio», erklärt er. Verbraucher:innen, die Schweizer Qualität schätzen, könnten ihre Wahl bewusster treffen.

Allerdings gibt es auch Kund:innen, die durch die Vielzahl an Labels und Informationen schlicht nicht mehr hinschauen. «Ich würde weniger von Überforderung sprechen, sondern eher von einer bewussten Entscheidung, Informationen zu nutzen oder nicht», so Brunner. Er schätzt die Zahlungsbereitschaft für Schweizer Backwaren als moderat ein: «Für Brot dürfte sie im Bereich von Obst und Gemüse liegen, also rund 20 Prozent mehr gegenüber importierter Ware.»

Mehr Klarheit, aber auch mehr Aufwand

Urs Wellauer-Boschung sieht in der neuen Vorschrift trotzdem einen Vorteil für die Schweizer Backbranche: «Die gesetzliche Vorschrift fordert explizit die Auslobung des Produktionslandes Schweiz – für unsere Mitglieder ist es sehr gut, dass nun die Importe deklariert werden.»
Doch die Politik müsse sich stärker mit der Branche abstimmen, um praxisnähere Lösungen zu finden: «Indem die Politikerinnen und Politiker die Branchen abholen, bevor ein neuer Vorstoss eingereicht oder Änderungen beschlossen werden», fordert Wellauer-Boschung.

Die neue Deklarationspflicht bringt Transparenz und sensibilisiert Konsument:innen für die Herkunft ihrer Backwaren. Für Bäckereien bedeutet sie jedoch zusätzlichen Verwaltungsaufwand.
Ob die Regelung das Kaufverhalten langfristig verändert, bleibt abzuwarten.

Quelle: «Herkunftsdeklaration für Brot: Mehr Transparenz, mehr Aufwand?», LID, 07.03.25

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