Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt hat sich innerhalb von zwanzig Jahren extrem konzentriert, sodass heute eine Handvoll von Unternehmen die globale Produktion beherrscht. Dieses Oligopol ist das Resultat von unzähligen Übernahmen und Fusionen. Bei Zuckerrüben beträgt der Marktanteil der drei grössten Saatgutproduzenten 90%, bei Mais 57% und 55% bei Sojabohnen. Eine neue Studie untersucht die aktuellen Zusammenhänge. Auftraggeber waren die "Erklärung von Bern" (EvB) und weitere Entwicklungs-, Konsumenten- und Landwirtschaftsorganisationen, darunter die Bio Suisse, IP Suisse und Pro Specie Rara. Durchgeführt wurde die Analyse durch Dr. Toralf Richter der Bio Plus AG (bionetz.ch-Mitglied).

Die Studie zeigt auf, wie der Marktleader Monsanto zusammen mit dem Schweizer Agroriesen Syngenta auch bei gewissen Gemüsearten über 50% der in Europa geschützten Sorten besitzen: 56 % bei Peperoni, 62% bei Tomaten und gar 71% bei Blumenkohl. Daten darüber, welche Sorten Gemüse in der Schweiz effektiv angepflanzt und verkauft werden, existieren nicht. Ohne Transparenz über die Sorten und deren Herkunft können Händler und Konsumierende keinen informierten Kaufentscheid zu treffen; auch eine effektive Kontrolle des Saatgutmarktes durch die Wettbewerbskommission ist ohne diese Zahlen nicht möglich. Beängstigend ist auch die Tatsache, dass fünf der TOP 3 der Saatgutbranche alle auch im Pestizidmarkt eine führende Rolle spielen. Wenn Pestizidproduzenten Saatgut entwickeln, haben sie ein Interesse daran, dass zum Anbau des Saatguts auch Pestizide verwendet werden müssen.

Wegen der Zunahme von Hybridsaatgut, bei welchem sich für die Bauern das Zurückbehalten von Saatgut aus der Ernte für die nächste Aussaat nicht lohnt, und geistigen Eigentumsrechten auf Saatgut, welche den Nachbau und den Saatguttausch zwischen den Bauern verbietet, wächst der kommerzielle Saatgutmarkt rasant weiter. In Tanzania werden noch immer 90% des Saatgutes von den Bauern selbst hergestellt, in der Schweiz sind es bei Weizen nur noch 5-10%. In Europa besitzen fünf Firmen (Monsanto, Dupont, Syngenta, BASF und Bayer) die Hälfte der Patente auf Pflanzen.

Probleme

Der Weltlandwirtschaftsrat IAASTD nennt folgende Probleme, die durch die Konzentration im Saatgutbereich entstehen:

  • Die Konzentration auf wenige Anbieter führt zu einer Konzentration der Forschung und Entwicklung auf wenige Saatgutsorten
  • Die Konzentration erschwert neuen Firmen den Eintritt in den Markt
  • Die wettbewerbshemmende Wirkung kann zu einer massiven Zunahme der Saatgutpreise führen. So sind beispielsweise die Preise für Baumwollsaatgut seit der Einführung von gentechnisch veränderter Baumwolle in den USA um das drei- bis vierfache angestiegen und auch in den Entwicklungsländern ist es zu einer substanziellen Preiserhöhung gekommen.

Marktführer

Monsanto wurde 1901 in den USA gegründet. Erstes Produkt war das künstliche Süssmittel Saccharin. Danach entwickelte sich die Firma zu einem der grössten Chemieproduzenten der USA und stieg nach dem zweiten Weltkrieg in die Pestizidproduktion ein. Monsanto verursachte Millionen von Vergiftungen mit der Produktion von mit Dioxin versetztem Agent Orange, einem Entlaubungsmittel, welches von US-Truppen im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde. 1976 lancierte Monsanto das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, welches schnell zur wichtigsten Einnahmequelle der Firma und zum weltweit am meisten verkauften Herbizid avancierte.

Mit der Saatgutproduktion begann Monsanto in den 80er-Jahren und entwickelte Gentech-Soja, das gegen Monsantos eigenes Herbizid Roundup Ready (Glyphosat) resistent ist. Heute beherrscht Monsanto 90% des Marktes für Gentech-Saatgut. Unzählige Übernahmen (siehe Grafik) machten Monsanto in wenigen Jahren zum grössten Saatguthersteller weltweit. Mit der Übernahme von Seminis, dem weltgrössten Produzent von Gemüsesaatgut für 1.4 Milliarden USD im Jahr 2005, wurde Monsanto auf einen Schlag auch bei Gemüsesaatgut Marktführer.

Quellen und weitere Informationen:

Studie "Strukturen und Entwicklungen des Schweizer und internationalen Marktes für Saatgut am Beispiel ausgewählter Gemüsesorten"

EvB-Medienmitteilung "Wenn die Biotomate von Syngenta kommt"

EvB-Kontakt: Flurina Doppler


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