Im Oberwalliser Saastal ist eine lokal angepasste Schafrasse im Begriff, lautlos zu verschwinden. Obwohl die Saaser Mutten seit Schäfer-Generationen zum Saastal gehören und man seit jeher eine traditionelle Alpschäferei mit ihnen betreibt, gerieten sie mehr und mehr ins Abseits. Den letzten verbliebenen Schäferinnen und Schäfern fehlt der Nachwuchs und man schien sich mit dem Rückgang der auffällig grossen Schafe mit den langen Hängeohren abgefunden zu haben. Die Stiftung ProSpecieRara wurde auf den dramatischen Rückgang der Rasse aufmerksam und gibt jetzt mit einem Rettungsprojekt Gegensteuer.

«Als ich das erste Mal im Saaser Ofental in einer Herde Saaser Mutten stand, war es mir unbegreiflich, wie ein so faszinierendes Schaf aufs Abstellgleis geraten konnte», sagt ProSpecieRara-Projektleiter Philippe Ammann. Beeindruckt von der pessimistischen Stimmung unter den Schäfern, die der Abwanderung der jüngeren Generationen und dem allgemeinen Rückgang der Schafhaltung nichts entgegen zu setzen haben, fasste ProSpecieRara den Entscheid, das lautlose Verschwinden der Saaser Mutten zu stoppen.

Die Saaser Mutten verschwinden - Rettungsprojekt gestartet

Um die Kehrtwende einzuläuten, wurden mehrere Massnahmen ergriffen. Mit Hilfe des Landwirtschaftszentrum Visp wurde eine Adressliste der noch aktiven Schäfer zusammengetragen und eine Inventur aller lebenden Schafe in die Wege geleitet. Alle so zusammenkommenden Informationen fliessen in ein Zuchtbuch ein, mit dessen Hilfe ProSpecieRara den Züchtern fortan mit Inzuchtberechnungen ihrer Paarungen zur Seite stehen kann, was bei einem so kleinen Tierbestand sehr wichtig ist. Parallel dazu informiert die Stiftung die Öffentlichkeit über die Lage der Saaser Mutten.

Saaser Mutten Alp im Ofental oberhalb Mattmark-Damm pa-71Saaser Mutten auf der Alp im Ofental oberhalb Mattmark (Bild:ProSpecieRara)

«Die Medienarbeit spielt in der jetzigen, akuten Phase eine wichtige Rolle, denn über sie gelangen wir einerseits an Informationen über noch unbekannte Tiere und andererseits an Menschen, die Saaser Mutten halten wollen,» sagt Ammann. «Besonders schön wäre es, in und um das Saastal neue Betriebe für die Saaser Mutten gewinnen zu können.» Aber auch Schaffreunde in anderen Landesteilen sind bei der Absicherung der alten Rasse willkommen.

Die Saaser Mutten sind grosse, unbehornte Fleischschafe mit mehrheitlich weisser Fellfarbe. Ungefähr ein Drittel der Tiere sind uni schwarz oder braun bzw. gescheckt. Auffällige Rassemerkmale sind die langen Hängeohren und die nach vorne gebogene Ramsnase. Die Tiere sind hornlos, liefern eine eher feine Wolle und werden hauptsächlich ihres Fleisches wegen gehalten. Saaser Mutten zählen zu den grössten Schweizer Schafen und gelten als ruhig und sehr zutraulich. Man sagt ihnen nach, dass sie eine enge Beziehung zu ihrer Betreuungsperson aufbauen.

103 fehlende Tiere: Rettungsprojekt wird zum Kriminalfall

Bei der traditionellen Schafscheid vom Samstag 13. 09. 2014, bei der die Schafe wieder an die einzelnen Besitzer übergeben wurden, wurde das ganze Ausmass klar – 103 Tiere fehlten. «Einzelne Schäfer hatten kein einziges Schaf mehr, bei anderen fehlten einzelne. Nur ein paar wenige, hatten alle ihre Schafe zurück», berichtet Ammann. Sofort wurde beschlossen, das Gebiet mit einem Helikopter abzufliegen. Leider blieben diese und auch weitere Suchen zu fuss erfolglos. Dass nach einem Alpsommer einzelne Schafe fehlen, hat es auch schon gegeben.

«Aber 103 Schafe verschwinden nicht einfach so, da müssen organisierte Profis zugeschlagen haben», sind Ammann und auch die Schäfer überzeugt. Kurze Zeit davor wurden die Schafe bei einem der regelmässigen Kontrollgänge noch gesehen. Da das Sömmerungsgebiet sich an der italienischen Grenze befindet, wurde sowohl die Schweizer als auch die Italienische Polizei eingeschaltet.

Herber Rückschlag fürs Rettungsprojekt

ProSpecieRara hat im Vorfeld auf die Schafscheid aufmerksam gemacht, um neue Züchter für die Saaser Mutten zu finden. Denn die Schafscheid ist der beste Moment, um Tiere zu kaufen, da dann entschieden wird, welche Tiere eingestallt werden und welche zum Metzger oder eben zu neuen Besitzer kommen. «Es sind tatsächlich neue Interessierte unserem Aufruf gefolgt und wollten Schafe kaufen. Da fast ein Drittel der Schafe fehlte, waren aber leider kaum Schafe zu verkaufen», berichtet Ammann, «für das Rettungsprojekt ist dies natürlich ein herber Rückschlag. Sollten die fehlenden Tiere effektiv nicht mehr gefunden werden, stellt sich die Lage der Saaser Mutten noch dramatischer dar, als angenommen.»

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