Am Samstag 8.11. 2014 wurde in der Baumschule von Roland Wenger in Unterlangenegg (BE) der erste ProSpecieRara-Pfirsichhain. eröffnet. Gut 40 verschiedene Weinbergpfirsich-Sorten werden hier in einem Muttergarten vereint und so vor dem Aussterben bewahrt.

An milder Lage mit Blick in die Berner Alpen werden am kommenden Samstag rund 80 Weinbergpfirsich-Bäume gepflanzt. Sie werden den Fussweg den Hügel hinauf zum Bergli, wo die Baumschule von Roland Wenger liegt, säumen. Mit ihren rosa bis lachsfarbenen Blüten sind sie bezaubernde Frühlingsboten. Die seltenen Bäume werden hier fachmännisch gepflegt und so vor dem Verschwinden bewahrt. Sie dienen aber auch als Mutterbäume, mittels derer Reiser sie vermehrt werden.

Ein kulturelles Erbe

Als Begleiter der Rebberge hat der Weinbergpfirsich seit dem 16. Jahrhundert einen festen Platz in unserer Kulturgeschichte. Als bevorzugter Selbstbefruchter wurde der eher kleinfruchtige Pfirsich jeweils über den Kern vermehrt, selektioniert und an unser Klima angepasst. So sind je nach Region ganz unterschiedliche Sorten entstanden. Das Fleisch der einen ist leuchtend rot (Blutpfirsich), andere
sind gelbfleischig und mit haariger Schale, die dritten weissfleischig und wiederum andere eher für die Herstellung von Konfitüren und Sirupe geeignet. Mit der Intensivierung des Rebbaus verschwand der schmucke Weinbergpfirsich aus den Rebbergen, so dass ihn ProSpecieRara unter ihre Fittiche genommen hat.

Blutpfirsich von AllschwilIm Pfirsichhain vertreten: Blutpfirsich von Allschwil BL (Bild: ProSpecieRara)

Detektivarbeit im Pfirsichhain

Auf einen Aufruf im 2009 haben mehr als 80 Personen Weinbergpfirsichkerne eingeschickt. Unter Berücksichtigung von internationalen Standards und historischer Literatur wurden die für eine systematische Beschreibung wichtigen Frucht- und Baummerkmale erarbeitet. 16 Pfirsichsorten konnten bis anhin näher beschrieben und fotografiert werden. Weitere folgen in den kommenden Jahren.

Der Pfirsichhain in Unterlangenegg erleichtert diese Arbeit, da nun die Sichtungen aller Sorten an einem Ort vorgenommen werden können. Stärken und Schwächen des 'Blutpfirsich von Allschwil BL', des 'Weinbergpfirsich von Flanthey VS' oder des 'Weinbergpfirsich von Buttwil AG' können so im direkten Vergleich beobachtet werden. Ist ein Typ besonders widerstandsfähig gegenüber der bei Pfirsichen gefürchteten Kräuselkrankheit? Oder gefällt ein Typ durch sein rotes, mit Gerbstoffen angereichertes und gesundes Fruchtfleisch? Gespannt dürfen die ersten Früchte in ungefähr drei Jahren erwartet werden.

Dieser einmalige Pfirsichhain ist ein gemeinsames Projekt der Naturbaumschule Roland Wenger und ProSpecieRara. Es wird finanziell unterstützt durch den Fonds Landschaft Schweiz.

Quelle und weitere Informationen:

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