Nach einem Bericht der «taz» vom 3.12.2014 wurde erneut ein Bio-Betrugsfall in Rumänien aufgedeckt. Rund 5.500 Tonnen konventionelles Getreide und Ölsaaten, entspricht ca. 220 Lkw-Ladungen, wurde – laut taz-Recherche - unter anderem nach Deutschland verkauft. Die Lieferungen wurden grösstenteils bereits verarbeitet, beispielsweise zu Sonnenblumenöl oder Mehl.

Aus einer Liste des rumänischen Agrarministeriums, die der taz vorliegt, geht hervor, dass die Firmen «Grains Trading» und «JustOrganic SRL» von Januar bis April 2014 insgesamt 3.017 Tonnen Sonnenblumenkerne, Weizen, Mais und Raps mit Bio-Siegel an fünf deutsche Firmen geliefert haben, an Getreide- und Ölmühlen sowie an einen Händler.

Warenfluss nicht nachvollziehbar

Das rumänische Ministerium teilte der taz mit: «Während Inspektionen der Lieferanten stellte die Kontrollstelle einige Unregelmässigkeiten fest.» Vor allem sei nicht nachvollziehbar gewesen, wo die Waren herkamen, und es hätten die in Rumänien für Bio-Exporte vorgeschriebenen Papiere gefehlt. Genaueres aber wollte die Behörde auch auf mehrfache Nachfrage nicht preisgeben, schreibt Jost Maurin von der taz. Die Firmen mussten ihre Tätigkeit unterbrechen, war die Auskunft. Laut taz konnten die Betrüger durch das Umdeklarieren der Waren allein mit den Exporten nach Deutschland über 400.000 Euro Zugewinn machen (im Vergleich mit konventioneller Ware).

taz rumaenien mais 2 12 12 2014Ob das bio ist? Rumänischer Bauer bei seiner Maisernte (Bild: taz/ reuters).

Eine der beschuldigten Firmen, JustOrganic SRL, ist schon seit dem Frühjahr 2012 einschlägig bekannt und war in einen grossen Bio-Betrugsskandal mit Soja-Exporten nach Italien verwickelt. Gegen Hauptinvestor, Gianpaolo Romani, wurde Anfang 2014 gerichtlich Hausarrest erlassen, dem Geschäftsführer Daniel Ciubotaru wurde vorübergehend verboten, sich geschäftlich zu betätigen. Dass die italienische Justiz gegen die beiden vorging, war in der Branche bekannt. Die rumänischen Aufsichtsbehörden drückten jedoch ein Auge zu - das Ergebnis wird jetzt offenbar.

Gefordert: Einheitlicher Vollzug in allen EU-Ländern

«Obwohl die Regierung in Bukarest nach dem EU-Bericht 2013 Besserung gelobte, konnte der aktuelle Fall passieren», schreibt die taz. Jochen Neuendorff, Geschäftsführer der Göttinger Kontrollstelle «GfRS», fordert deshalb die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, mehr Druck auf Rumänien auszuüben. «Der Landwirtschaftsminister sollte sich im EU-Agrarrat dafür einsetzen, dass rumänische Betriebe und Unternehmen genauso penibel wie die deutschen Bio-Bauern kontrolliert werden», erklärt Neuendorff gegenüber der taz.

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