Ein Kongressanlass der Biofach 2015 behandelte das Thema «Innovation in der ökologischen Landwirtschaft». Es sollen mehr EU-Mittel in die Umstellförderung fliessen. Das ist eines der Ziele von mindestens zwei Landwirtschaftsministerien aus wichtigen EU-Ländern.

Markus Johann - Es war ein hochkarätig besetztes Podium: Neben der holländischen Landwirtschaftsministerin, Sharon Dijksma (die Niederlande war dieses Jahr Partnerland an der Biofach), war auch der deutsche Landwirtschaftsminister, Christian Schmidt, vertreten. Beide versuchten in ihren Referaten darzulegen, wie innovativ ihre Länder in der Förderung der ökologischen Landwirtschaft bereits sind.

Christian Schmidt stellte sich gleich zu Beginn seines Referats selbst (nicht) «unter den Scheffel» und erwähnte, dass Deutschland innerhalb der EU der grösste Biomarkt sei. Die Nachfrage nach Biolebensmitteln nehme in Deutschland jedes Jahr zu, die Produktionsflächen jedoch nur unterproportional dazu.

«Wie soll dem nun etwas entgegen gesetzt werden?», lautete eine der Fragen aus dem Plenum. Mit intensiverer Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis, meinte dazu Bundesminister Schmidt. Beispielsweise würden Lupinen- und Resistenzzüchtungsprogramme speziell gefördert. Eine spezielle Eiweissstrategie soll die Abhängigkeit von den Eiweissimporten verkleinern, respektive die Sojaanbauflächen in Deutschland ausweiten. Zudem hätten sie seitens des Bundesministeriums mit dem BÖLW (Bundesverband ökologischer landwirtschaftlicher Organisationen) einen vielversprechenden nationalen Zukunftsplan erarbeitet. Die Umstellbestrebungen sollen intensiviert werden.

Biofach 2015 MJ Foto Podium Innovation in der ökolog LW 2Hochkarätiges Podium: Im Vordergrund Christopher Stopes, Präsident von «IFOAM EU» (ganz links) und die holländische Landwirtschaftsministerin, Sharon Dijksma, ganz rechts aussen Götz Rehn (Bild: Markus Johann)

Was Bundesminister Schmidt überhaupt nicht positiv beurteilt, ist die von der EU Kommission vorgeschlagene Totalrevision der EU-Ökoverordnung. Da sei in den letzten Jahren vieles schief gelaufen und die EU-Agrarminister seien momentan dabei, in Brüssel mehr Einfluss zu nehmen. Zudem würden sie versuchen, noch mehr Finanzmittel für die Bioförderung zu beschaffen. «Es braucht mehr und attraktivere Prämienansätze für die umstellungswilligen Landwirtschaftsbetriebe», so die von Schmidt geäusserte Überzeugung.

Sharon Dijksma ging als holländische Landwirtschaftsministerin noch einen Schritt weiter. Sie will in ihrem Land die sozialen Arbeitsstrukturen auf den Höfen verbessern helfen sowie die Fördermassnahmen für Biosaatgut intensivieren. Was sie persönlich immer stark beeindrucke, sei die stets positive Lebenseinstellung der Biobauern, betonte Dijksma.

Götz Rehn, Gründer und CEO von «Alnatura», stellte eine der Hauptzielsetzungen seines Unternehmens dar: «Wirtschaften für die Menschen, aktiv und innovativ!» Das Biomarktwachstum in Deutschland würde 5%, das jährliche, durchschnittliche Wachstum von Alnatura jedoch 16% betragen. Die Stützen dieser sehr positiven Entwicklung seien einerseits die Bäuerinnen und Bauern und andererseits die Konsumentinnen und Konsumenten.

«Leider waren wir in letzter Zeit zu erfolgreich. Deshalb haben wir nun bei Alnatura zu wenig Bioware zum Vermarkten», so Rehns Fazit. Alnatura hat daher auf Eigeninitiative vor kurzem ein nationales Umstellprogramm lanciert, für das sich umstellungswillige Bauern anmelden können. Diese werden dann beraten und während der Umstellphase speziell betreut und finanziell zusätzlich unterstützt.

Rehn ist der festen Überzeugung, dass die Produzentenpreise für die Landwirte unbedingt steigen müssen. Denn aus Rehns Sichtweise ist klar – die Konsumentinnen und Konsumenten sind weiterhin bereit, für gute Biolebensmittel einen Mehrpreis in Kauf zu nehmen. «Es müssen zudem wesentlich mehr finanzielle Mittel in die Bioforschung fliessen, weil es für den Biolandbau noch sehr viel Forschungsbedarf gibt», betonte Rehn.

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