Am vergangenen Freitagabend trafen sich MessebesucherInnen, Bauern und Saatgutproduzenten an der Züla, um sich über die Zukunft von Saatgut auszutauschen. Nach einem Dokumentarfilm beschäftigten sich drei Referenten von der Forschung bis hin zur Produktion eingehend mit der Frage, wie die heutige Saatgutvielfalt erhalten werden kann. «Gen Au Rheinau», der Verein «Bio Zürich & Schaffhausen» sowie «Bioverita» standen hinter der Veranstaltung.

brillenmannRuedi Vögele bei der EinleitungText und Bilder: Eva Kunz // «Der Ursprung eines jeden Lebens ist ein Samenkorn.» Mit diesen prägnanten Worten leitete Ruedi Vögele, Präsident des Vereins Bio Zürich & Schaffhausen, den Abend ein. Wer die Kontrolle über das Saatgut habe, habe zugleich die Kontrolle über die Menschheit. Eine Gefahr für die Saat stelle allerdings deren Überzüchtung dar. Das Thema lancierte dann der Film «Saatgut – Freiheit für die Vielfalt», eine Vorpremiere. Darin ist vom bäuerlichen Saatgut die Rede, das in seinem Fortbestand weltweit gefährdet ist.

Alte Saat neu entdeckt

Sandro Rechsteiner, Chef des Ackerbaus bei der IP-Suisse, stellte in seinem Referat die Methoden der integrierten Produktionsmethode (IP) vor. Die Schweizer Weizenzüchtung berücksichtige, dass die Schweizer Bauern weniger Dünger brauchen wollen. Problematisch sei seiner Meinung nach allerdings, dass sich der Staat zunehmend aus der Züchtung zurückgezogen habe. Züchtungsprogramme für Gerste, Hafer und Roggen gäbe es heute nicht mehr, so Rechsteiner. «Doch Züchtung kann nicht einfach stehen bleiben», sagte er weiter. Am Beispiel der Weizensorte «Sur En» erklärte Rechsteiner, wie die Zukunft der Saatgutzucht aussehen könnte. Die alte Sorte habe den Weg aus der Gen-Datenbank im norwegischen Spitzbergen wieder zurück ins Engadin gefunden. Dort gedeihe sie auf einer Höhe von 1600 Metern – wo herkömmliche Weizensorten nicht mehr wachsen würden.

Zucht versus Gen-Tech

Daran knüpfte der nächste Referent an. Sativa-Chef Amadeus Zschunke sieht in Bezug auf die Saatgutzucht diverse Herausforderungen auf die Züchter zukommen. Speziell bei der Bio-Saat gebe es Schwierigkeiten, denn sie werde oft aus konventionellen Züchtungen gewonnen, was zu Patentstreitigkeiten führen könne. Weiter sprach er die sogenannt «neuen Züchtungsmethoden» an. Viele davon seien eigentlich neue Gentech-Methoden, nur würden diese nicht mehr so leicht als solche erkannt. Züchter seien auch in Bezug auf den Klimawandel mit immer höheren Anforderungen konfrontiert: Die Pflanzen sollen widerstandsfähig und robust gegen Krankheiten sein, gute Erträge einbringen – aber auch schön aussehen und nicht minder wichtig – gut schmecken.

Roboter bestimmt

rueblimann kopieHeinz Höhneisen, BiolandwirtHeinz Höhneisen, Bio-Landwirt aus Andelfingen ZH, sieht das Problem unter anderem in den vielen Gesetzen und Regelwerken, die den Bauern aufgedrückt würden. Des Weiteren bedauerte er in seiner Rede die Automatisierung: «Praktisch neunzig Prozent der Rüebli, die wir bei Migros oder Coop kaufen, werden mit dem Roboter aussortiert.» In Sekundenbruchteilen entscheide ein Automat, ob ein Rüebli weiterkommt oder weg kommt. Massgebend für die Auslese sei die Form des Wurzelgemüses. Problematisch werde dies insbesondere für Rüebli aus Sativa-Saatgut. Sie sind spitzig und fallen aus, denn bei den Detailhändlern finden nur die herkömmliche Sorten mit runden Enden Anklang, so Höhneisen. Für ihn wäre es wünschenswert, wenn es mehr Firmen wie die Sativa in Rheinau gäbe und mehr Menschen, die auf den Markt gingen. «Denen kann ich erklären, warum die Karotten spitzig sind – der Migros oder dem Coop kann ich das nicht.»


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