Zum Hauptinhalt springen
Werbung
163 | 30.09.2026
162 | 30.06.2026
161 | 31.03.2026
160 | 23.04.2026
157 |

European Organic Congress: Bio stärkt Europas Resilienz

Von der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU und strategischen Investitionen bis hin zu wachsenden Märkten und einer Vision für 2040: Der Europäische Bio-Kongress 2026 im irischen Cork machte Investitionen in die Zukunft des Biolandbaus zum Thema und wie dieser zur Stärkung von Europas Resilienz beiträgt.

IFOAM Organics Europe-Präsidentin Dóra Drexler fordert mehr Anerkennung für den Biolandbau. Bild: zVg

Über 260 Vertreter:innen der Bio-Bewegung, Entscheidungsträger:innen, Landwirt:innen, Unternehmer:innen, Forscher:innen und Vertreter:innen der Zivilgesellschaft trafen sich vom 6. bis 8. Oktober in Cork zum Europäischen Bio-Kongress (EOC 2026). Unter dem Leitsatz «Bio: Eine strategische Investition in Europas Resilienz» verknüpften die Diskussionen europäische Politikentscheidungen mit praktischen Erfahrungen von Menschen, die ökologische Höfe, Unternehmen und Gemeinschaften aufbauen. Ein roter Faden kristallisierte sich heraus: Das Potenzial des ökologischen Landbaus erfordert langfristiges Engagement, Investitionen entlang der gesamten Lebensmittelkette und Zusammenarbeit, um ambitionierte Ziele in nachhaltige Veränderungen umzusetzen.

Stärkung lokaler Wertschöpfungsketten

Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen eröffnete den Kongress mit einer Videobotschaft. Sie gratulierte IFOAM Organics Europe, der europäischen Dachorganisation der ökologischen Landbaubewegungen im Vorfeld des 25-jährigen Bestehens im Jahr 2027. Sie hob den Beitrag des ökologischen Landbaus zur Resilienz Europas hervor. Diese wird erzielt durch die Verringerung der Input-Abhängigkeit, den Schutz des Bodens, die Verbesserung des Tierwohls und die Stärkung ländlicher Gemeinschaften und lokaler Wertschöpfungsketten.

Im Eröffnungspanel wurde untersucht, wie die nächste GAP, der EU-Haushalt und der Aktionsplan für den ökologischen Landbau den Sektor über das Jahr 2027 hinaus unterstützen können. Die Präsidentin von IFOAM Organics Europe Dóra Drexler forderte, den ökologischen Landbau als strategische Investition in Resilienz anzuerkennen.

Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit der Landwirt:innen von externen Betriebsmitteln und immer extremeren Wetterereignissen mahnte sie zu systematischen Investitionen in Anbausysteme, die Krisen besser standhalten. Gezielte Unterstützung für die Umstellung auf Biolandbau und dessen Erhalt sowie die Finanzierung von Umwelt- und Klimaschutzmassnahmen standen im Mittelpunkt dieser Diskussion.

Gillian Westbrook, Geschäftsführerin des irischen Bio-Verbandes erläuterte, wie klare Ziele, verlässliche Finanzierung und die Abstimmung nationaler Strategien das Vertrauen in den irischen Bio-Sektor gestärkt haben. Jürn Sanders, Präsident von FiBL Europe und Direktor vom bionetz.ch-Mitglied FiBL Schweiz betonte die Notwendigkeit, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit gemeinsam voranzutreiben.

Klar ist: Um das Potenzial von Bio zu nutzen, braucht es Engagement, Investitionen und Zusammenarbeit. Bild: zVg

Betriebe und Märkte miteinander verbinden

Silvia Schmidt, Policy Manager bei IFOAM Organics Europe zeigte auf, wie der vorgeschlagene Europäische Wettbewerbsfonds die GAP-Förderung und Forschungsmittel ergänzen könnte. Der Übergang von einer reaktiven zu einer vorausschauenden Planung würde Investitionen in langfristige Resilienz, gemeinsame Infrastruktur und die praktische Anwendung von Wissen erfordern.

Niall Ryan, Landwirtschaftsinspektor im irischen Landwirtschaftsministerium hob den Verarbeitungsbedarf im Zuge des wachsenden Bio-Anbaus in Irland hervor. Pat O'Sullivan, Geschäftsführer und Gründer von Master Chefs sowie Gründer von Ellan Farm beschrieb die Schwierigkeiten bei der kontinuierlichen Beschaffung von Bio-Lebensmitteln für die Gastronomie und nannte Lebensmittelzentren und koordinierte Logistik als Möglichkeiten, Produzent:innen und Abnehmer:innen zu verbinden. Margaret Edgills Erfahrungen auf ihrem Bio-Bauernhof in Mount Briscoe zeigten die Chancen gemeinsamer Verarbeitungsanlagen auf, insbesondere dort, wo einzelnen Betrieben die Grösse für Investitionen fehlt.

Eva Pellegrini, Gründungsmitglied der CER Amerina Forre (Comunità Energetica Rinnovabile) stellte das Amerina-Biodistrikt nördlich von Rom und seine Gemeinschaft für erneuerbare Energien als einen Ansatz vor, der Ernährung, Energie und ländliche Entwicklung miteinander verbindet. Lokale Produktion und Kooperation können die wirtschaftlichen Vorteile innerhalb der Gemeinschaften sichern und gleichzeitig die Anfälligkeit für externe Schocks verringern. In all diesen Beispielen hing die Wettbewerbsfähigkeit von Verbindungen ab: zwischen Finanzierung und Umsetzung, zwischen Produzent:innen und Verarbeiter:innen sowie zwischen lokalen Unternehmen und den Kund:innen.

Praktische Beispiele wurden auch in der von Kitty Scully, Geschäftsführerin von Organic Growers Ireland und Colm O'Driscoll, Leiter der Gärten von Lismore Castle Gardens geleiteten Session vorgestellt. Anhand von irischen Betrieben, die sie für ihre Fernsehsendung Home Grown besucht hatten, zeigten sie, wie Direktvermarktung, Verarbeitung, Kooperation und Diversifizierung tragfähige Unternehmen schaffen können. Mehrere Geschichten verdeutlichten, wie diese Möglichkeiten jüngere Familienmitglieder ansprechen und den Lebensunterhalt über Generationen hinweg sichern können.

Wachsende Nachfrage

Die von Joanna Wierzbicka, stellvertretende Direktorin von IFOAM Organics Europe moderierte Marktanalyse zeichnete ein ermutigendes Bild der Nachfrage, zeigte aber auch Herausforderungen für die Lieferketten auf. Lee Holdstock, Leiter der Abteilung für Regulierungsangelegenheiten und Handel bei Soil Association Certification Ltd beschrieb die Erholung und das Wachstum in vielen europäischen Märkten. Er hob Fälle hervor, in denen die heimische Bio-Produktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann, sowie die unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels und der Unternehmensnachfolge.

Tom Chapman, Co-CEO der Organic Trade Association berichtete von einem starken Wachstum in den USA, das massgeblich auf den gestiegenen Bedarf der Konsument:innen an Bio-Lebensmitteln zurückzuführen ist. Lieferengpässe, Handelsdruck und politische Unsicherheit stellen wichtige Herausforderungen dar, während vertrauenswürdige Zertifizierungen, Geschmack und das Gesundheitsinteresse der Konsument:innen neue Kommunikationsmöglichkeiten bieten.

Gemeinsame Vision für 2040

Die Workshops zum Thema Vision 2040 luden die Teilnehmer:innen dazu ein, über die Gestaltung der Zukunft nachzudenken. Eduardo Cuoco, Direktor von IFOAM Organics Europe betonte, dass die Vision auf dem kollektiven Wissen und den Zielen des europäischen Bio-Sektors aufbauen soll. Professor Raffaele Zanoli, die Forscherin Susanne Padel und Jürn Sanders brachten Ideen zu Politik, Märkten und Innovation zur Sprache.

Die Teilnehmenden erörterten Bio-Lebensmittel als zukünftigen Standard, fairere Wertschöpfungsketten, eine stärkere Geschlechtergleichstellung und den Zugang zu Bio-Lebensmitteln für alle. Sie forderten eine neue, auf Bio-Prinzipien basierende Kommunikation und überlegten, wie gemeinsames Handeln den Zugang zu Technologie erweitern und gleichzeitig Daten schützen könnte.

Praktische Umsetzung

Das Expert:innengremium der EU-Öko-Verordnung zeigte auf, wie die laufende Überarbeitung die Kontinuität des internationalen Handels sichern, die Anforderungen vereinfachen und die Integrität des ökologischen Landbaus wahren kann. Die von Lea Bauer, Regulierungsberaterin bei IFOAM Organics Europe moderierte Diskussion verknüpfte die Gesetzesverhandlungen mit den praktischen Bedürfnissen von Landwirt:innen, Unternehmer:innen und Kontrollbehörden.

Das Publikum rückte die Herausforderungen bei der Umsetzung in den Vordergrund, darunter die Kosten der Gruppenzertifizierung für Produzent:innen ausserhalb der EU, sich überschneidende administrative Anforderungen und Hindernisse bei der Verarbeitung und dem Verkauf von Bio-Produkten. Der Austausch unterstrich die Bedeutung praktikabler Regeln für verschiedene Anbausysteme und Handelsbeziehungen.

Mit Blick auf die Zukunft betonten die Redner:innen die Notwendigkeit klarer Übergangsregelungen, unterstützender Sekundärgesetzgebung und leicht verständlicher Leitlinien. Eine Chatbot-Demonstration bot einen weiteren praktischen Beitrag: ein Tool, das Nutzer:innen helfen soll, sich in organischen Regeln zurechtzufinden, indem es Erklärungen mit Bezug zu Quelldokumenten liefert und während der Beta-Testphase Feedback von Mitgliedern einholt.

Menschen und Partnerschaften im Fokus

Die irische Bio-Community erinnerte während des gesamten Kongresses daran, dass langfristige Ziele durch Menschen Gestalt annehmen: Landwirt:innen, die auf Bio umstellen, Unternehmer:innen, die in neue Möglichkeiten investieren, und Gemeinschaften, die zusammenarbeiten. Zum Abschluss des ersten Tages lenkte Gillian Westbrook die Diskussion zurück auf die Landwirt:innen und Unternehmer:innen, die das Herzstück der Bio-Bewegung bilden, und auf die Stärke der Zusammenarbeit.

Ein Video, das Irlands Bio-Community feierte, trug diesen Geist weiter und lud die Teilnehmenden ein, sich eine Zukunft vorzustellen, in der Bio-Lebensmittel zum Alltag gehören und eine florierende Landwirtschaft und lebendige ländliche Gemeinschaften Hand in Hand gehen. Diese Einladung knüpfte an die Gespräche während des Kongresses an: Wie kann man der nächsten Generation Zuversicht vermitteln, Bio-Produkte stärker in den Speiseplan integrieren und eine gemeinsame Richtung bis 2040 entwickeln?

Die Teilnehmenden verliessen Cork mit praktischen Erfahrungen, auf die sie zurückgreifen können, neuen Kontakten und dem gemeinsamen Ziel, das Potenzial von Bio-Produkten in nachhaltigen Wandel umzusetzen. Der Kongress wurde organisiert von IFOAM Organics Europe und dem irischen Landwirtschaftsministerium DAFM sowie in Partnerschaft mit der Irish Organic Association. Der nächste European Organic Congress wird vom 8. bis 10. Juni 2027 im littauischen Kaunas stattfinden.

EOC 2026 Take Home Message

1. Die strategische Bedeutung von Bio wird zunehmend anerkannt.
2. Langfristiges Vertrauen beginnt mit verlässlicher Politik.
3. Resilienz bedeutet, sich vor der nächsten Krise vorzubereiten.
4. Eine wachsende Produktion braucht stärkere Verbindungen zu Märkten.
5. Die Nachfrage wächst, das Angebot muss Schritt halten.
6. Bio soll zu einer zugänglichen und alltäglichen Option werden.
7. Offen kommunizieren und das Vertrauen in den Mittelpunkt stellen.
8. Der nächsten Generation wertvolle Chancen bieten.
9. Praktikable Bio-Vorschriften gestalten und dabei die Integrität wahren.
10. Die Zukunft gemeinsam gestalten, basierend auf organischen Prinzipien.

Quelle: IFOAM Organics Europe

Mit unserem Newsletter informiert bleiben.

Mit unserem beliebten Newsletter finden Sie die neusten Bio-Themen direkt in Ihrem Posteingang.

Weitere Nachrichten