Steiner Mühle AG schliesst 2027
Die Groupe Minoteries SA schliesst im kommenden Jahr die einzige grössere Bio-Mühle der Schweiz in Zollbrück im Emmental. Bio Bern und Biofarm bedauern das Aus.
Die Steiner Mühle AG in Zollbrück ist seit 2011 Teil der Groupe Minoteries SA.
«Die Groupe Minoteries SA (GMSA) führt eine Umstrukturierung ihrer Produktion durch, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Synergien besser zu nutzen. In diesem Zusammenhang wird die Steiner Mühle AG mit Sitz in Zollbrück (BE) im ersten Halbjahr 2027 geschlossen», teilt GMSA per Communiqué mit. Für die 28 Angestellten gebe es einen Sozialplan.
Bio und Demeter bleiben Wachstumsmärkte
Der Standort Zollbrück sei rentabel, erklärt Direktor Alain Raymond gegenüber der Berner Zeitung. Doch er hätte in den nächsten Jahren «grosse Investitionen in die Infrastruktur und die Produktionsanlagen erfordert», die für die GMSA nicht tragbar wären. Die Bio-Mehle werden künftig in Granges-près-Marnand VD hergestellt, wo sich auch der Hauptsitz befindet.
Spezialitäten wie Griess, Flocken und Müsli werden künftig am Standort der Schweizerischen Schälmühle E. Zwicky AG in Müllheim-Wigoltingen TG produziert. Hier verfüge man über moderne Ressourcen und die nötigen Kapazitäten, so Raymond. Er ist überzeugt, dass Bio und Demeter langfristig wichtige Wachstumsmärkte bleiben.
Grösste Bio-Mühle der Schweiz
Die Steiner Mühle AG wurde 1959 gegründet. Sie war einer der ersten Lizenznehmer sowohl bei Bio Suisse als auch bei Demeter. Die Zusammenarbeit mit Bio- und Demeter-Bäuerinnen und -Bauern reicht bis in die 60er Jahre zurück.
1980 übernahm sie Thomas Steiner von seinem Vater und baute sie zur einzigen grösseren Mühle in der Schweiz um, die ausschliesslich Bio-Mehl produziert. 2011 verkaufte er den Betrieb mit damals 38 Angestellten an die GMSA, weil er keine interne Nachfolge fand.
Harter Schlag für Produzent:innen
Vom Aus überrascht wurde Beat Gerber, Präsident der Bio Suisse Mitgliedorganisation Bio Bern. In seiner Wahrnehmung lief der Betrieb gut. Als Landwirt aus Zollbrück ist er selber betroffen. Für die Produzent:innen sei das ein harter Schlag. Die kurzen Wege seien sehr praktisch und könnten nun wegfallen. Zwar gibt es kleinere Mühlen im Emmental, die auch Bio-Mehl herstellen. Doch da stelle sich die Frage, ob sie genügend Kapazitäten hätten.
Die Genossenschaft Biofarm in Huttwil BE arbeitet seit dreissig Jahren mit dem bionetz.ch-Mitglied Steiner Mühle AG zusammen und lässt Mehl für eigene Marken herstellen. «Wir bedauern das Aus sehr», sagt Präsident Hans-Ulrich Held. Ohne Mühle werde es auch schwierig, in der Region die Lager und Getreidesammelstellen aufrechtzuerhalten. «Das hängt alles zusammen.» Ob und wie man weiter mit Minoteries zusammenarbeite, werde sich zeigen. Die Gruppe ihrerseits möchte ein «wichtiger Partner für die Bio- und Demeter-Produzent:innen der Region» bleiben.
Verkauf nicht ausgeschlossen
Eine kleine Chance, dass sich eine Käuferschaft für die Mühle findet, sieht Held. Auch die Firma Minoteries schliesst das nicht aus. «Aktuell prüfen wir verschiedene Möglichkeiten», so Direktor Raymond. Die Firma hat drei Millionen Franken für die Abschreibung sowie für den Sozialplan zurückgestellt.
Als einziges börsenkotiertes Mühlenunternehmen in der Schweiz beschäftigt die GMSA 260 Mitarbeiter:innen (in Vollzeitäquivalenten). Das Unternehmen betreibt sechs Produktionsstätten in Granges-près-Marnand VD, Goldach SG, Stein am Rhein SH, Zollbrück BE, Müllheim-Wigoltingen TG und Riddes VS sowie ein Silo in Schwarzenbach SG. 2025 betrug der Umsatz gut 150 Millionen Franken. Die GMSA verarbeitet Rohstoffe, die überwiegend aus der Schweiz stammen.
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