Die Untersuchung der Bio Suisse und der ART Reckenholz-Tänikon belegen fundiert, was schon lange an vielen Einzelfälle beobachtet werden konnte: Obwohl Schweizer Biolebensmittel als starker Bestandteil der derzeit vielzitierten Qualitätsstrategie bewährt haben, fehlen die landwirtschaftlichen Neueinsteiger in die Biolandwirtschaft und in der Konsequenz auch die kleineren und regional orientierten Bioverarbeitungs- und -Vermarktungsinitativen.

Gerade die Verbindung von Regionalität und Bioqualität schafft zusätzliches Vertrauen und Glaubwürdigkeit für den Ausbau des Biomarkts. Zudem bestehen z.B. im Getreidebereich massive Unterdeckungen des Inlandanteils, weil sich gerade für grössere Ackerbaubetriebe die Bioumstellung aufgrund des Direktzahlungssystems nicht lohnt.

Es stellt sich einmal mehr die Frage, ob die staatlichen Fördermittel und Lenkungsabgaben nicht marktverzerrend wirken. Mit Blick auf die zunehmende Marktöffnung ist eine Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems gefragt, dass am Markt bewährten Qualitätsstandards auch die entsprechende Beachtung entgegenbringt. Dazu gehört auch der Einbezug der ganzen Wertschöpfungskette von Stall und Feld bis auf den Tisch der KonsumentInnen.

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Kontakt: p.jossi@bionetz.ch


Hier lesen Sie die Original-Medienmitteilung:

Bio wächst - wo bleiben die Bio-Produzenten?

Der Biomarkt wächst, doch die Bauern zögern, auf Biolandbau umzusteigen. Bio Suisse führte zusammen mit der ART Reckenholz-Tänikon eine Befragung durch, um die Einstiegshürden und Ausstiegsgründe zu evaluieren. Es sind in erster Linie finanzielle Argumente und die häufigen Richtlinienänderungen. Auch die Politik muss sich klar zur Bioförderung bekennen.

Der Biolandbau hat sich in der Landwirtschaft und bei den Konsumenten etabliert, der Biomarkt ist im vergangenen Jahr um 11, 2 Prozent gewachsen. Der Umsatz mit Bioprodukten beläuft sich auf 1,44 Mia Franken. Rund 12 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe arbeiteten 2008 biologisch. Innerhalb von zehn Jahren verdreifachte sich die Anzahl Biobetriebe auf über 6000. Zwischen 2005 und 2007 sank ihre Anzahl um 3,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum hingegen hat die Biofläche um 7 Prozent zugenommen und beträgt heute 11,4 Prozent der Landwirtschaftsfläche.

Bio Suisse wollte diesen Entwicklungen auf den Grund gehen und führte zusammen mit der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon eine Befragung durch, um die Umstellungsgründe zu eruieren, die mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel nichts zu tun haben.

Ausstiegsgründe, Einstiegshürden
Aus- und Einstiegsgründe sind vor allem finanzieller Art. Ausgestiegen sind zahlreiche Milchbetriebe in der Bergregion. Die meist genannten Ausstiegsgründe sind die Preise für Bioprodukte, welche den höheren Aufwand nicht decken, zu geringe Direktzahlungen, der Aufwand für die Kontrollen sowie häufige Richtlinienänderungen.

Fazit: Politik, Richtlinien, Absatzförderung, Beratung

Bio Suisse setzt sich für bessere politische Rahmenbedingungen, finanzielle Anreize für die Bauern und attraktive Absatzmärkte ein sowie für klare, wirksame Richtlinien, welche dem hohen Qualitätsanspruch der Knospe Rechnung tragen.

In der Politik wurde diese Woche ein wichtiger Erfolg erzielt: der Nationalrat befürwortete im Rahmen des Konjunkturprogammes 50 Mio Franken für die Bio-Umstiegsförderung. Bio Suisse setzt sich auch stark für die Beibehaltung der Bioprämie und -Direktzahlungen ein.
Im Rahmen der Absatzförderung arbeitet Bio Suisse mit den Marktpartnern zusammen, damit die Bauern möglichst rasch vom Wachstum im Biomarkt profitieren können und auch der steigenden Nachfrage nach Bioprodukten entsprochen werden kann. In der Produktion legt Bio Suisse grössten Wert auf ein ausgeglichenes, gesundes Wachstum. Überangebote sollen vermieden werden. Es mangelt vor allem an Brot- und Futtergetreide, Raps, Eier sowie Spezialkulturen wie Beeren und Kräutern. Mit einer gezielten Beratung sollen möglichst viele Landwirte für den Biolandbau gewonnen werden.

Weitere Auskünfte:

Jacqueline Forster-Zigerli, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Bio Suisse, 079 704 72 41

Stefan Flückiger, Geschäftsführer Bio Suisse, 079 621 29 84

Atlant Bieri, Mediensprecher Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, 079 763 70 36

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