von Horst Fiedler

Nestlé-CEO kritisiert Ökolandbau - Prinz zu Löwenstein (BÖLW) kontert Foto: Dr. Felix Prinz zu Löwenstein

Der Vorstandsvorsitzende von Nestlé, des weltweit größten Lebensmittelkonzerns, Peter Brabeck-Letmathe, hat nach einem Bericht des Food Magazine Zweifel daran geäußert, ob die Ernährung der Weltbevölkerung langfristig allein durch Bio-Lebensmittel gesichert werden könne.

Es sei weder praktikabel noch realistisch, die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln allein mit Bio-Produkten zu decken, äußert sich der Nestlé-Chairman.

Ökologisch angebaute Ernteerträge fallen, so ist sich Brabeck-Letmathe sicher, im Vergleich zum konventionellen Landbau um 30 Prozent geringer aus. Aus diesem Grund sei es ausgeschlossen, Bioprodukte zur Lebensmittelversorgung der Weltbevölkerung einzusetzen – mit Ausnahme von wohlhabenden Ländern, in denen sich die Menschen den Luxus leisten könnten. Zudem seien die tierischen Ausscheidungsprodukte, die als Dünger für biologische Erzeugnisse verwendet würden, unhygienisch und verursachen pro Jahr bis zu 40 Todesfälle Brabeck-Letmathe geht davon aus, dass der Markt für biologische Lebensmittel seinen Höchststand erreicht hat und „sehr wahrscheinlich“ nicht weiter wächst.

Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), reagiert auf die Äußerungen des Nestlé-Konzernchefs: „Peter Brabeck-Letmathe ist ein wichtiger Mann. Niemand auf der Welt macht mehr Umsatz mit verarbeiteten Lebensmitteln als sein Unternehmen. Er braucht Masse, billigen Rohstoff. Dass ihm der Ökolandbau ein Graus ist, kann man verstehen.“ Die Thesen, die der Nestlé-Chairman dazu formuliert hat, seien jedoch zu radikal und vor allem falsch: „Erträge im Ökolandbau liegen zwar weit unter den konventionellen Ernteerträgen – wenn auch nur auf den mitteleuropäischen Raum bezogen – aber um welchen Preis! Zerstörung der Artenvielfalt, Anheizen des Klimawandels, Nährstoffüberlastung der Gewässer – um nur ein paar Beispiele als Resultat zu nennen, um industriell hergestellte Nahrung billig anzubieten.“ Zu der „unsinnigen“ These der 40 Todesfälle auf Grund von organischem Dünger beruft sich Prinz zu Löwenstein auf die Food and Agricultur Organization of the United Nations (FAO), die die Zahl der Pestizid-Toten im Jahr auf 40.000 beziffert.

Es gibt kein ‚Weiter so‘ für eine solche Produktion, deshalb muss eine ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren“, betont zu Löwenstein. „Sie kann es auch – es sei denn, wir bestehen darauf, weiterhin die Hälfte aller erzeugten Lebensmittel wegzuwerfen und unseren Fleischkonsum weltweit zum Standard zu machen. Dann langt es tatsächlich nicht mehr – mit keinem (!) Produktionssystem. Für den Erfolg einer ökologischen Intensivierung, die ohne Chemie und intensiven Energieeinsatz auskommt, gibt es hingegen zunehmend ermutigende Beispiele. In meinem Buch ‚Food Crash – Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr‘ sind sie beschrieben. Ich hoffe, man wird es auch bei Nestlé lesen…!“

Quelle: oneco

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