Einem bunten Ameisenhaufen gleich versammelten sich über 300 Personen aus Forschung, Politik, Wirtschaft und Naturschutz am 2. Tag der Insekten Schweiz, organisiert von BirdLife Schweiz und Insect Respect. Sie tauschten sich aus, diskutierten neueste Erkenntnisse und suchten nach Massnahmen gegen das Insektensterben.

bild teilnehmende tdiDie etwa 300 Teilnehmenden am 2. Tag der Insekten. © Andrea Isler

Fausta Borsani//Die Menge und Vielfalt an Insekten hat in den letzten Jahrzehnten drastisch abgenommen. Die Gründe sind vielfältig: einerseits verschwinden durch die intensive Landwirtschaft immer mehr Insekten aus unserer Landschaft, andererseits führen die zunehmende Überbauung und Zerschneidung der Lebensräume zum enormen Insektensterben.

Sauberkeitswahn
Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Schmetterlingsfachmann aus Bayern, stellte fest: «Der Stickstoffdünger ist zum Erstick-Stoff der Artenvielfalt im Kulturland geworden. Pestizide töten Insekten zusätzlich, genauso aber auch unser masslos übertriebene Sauberkeitswahn.» Dieser führt vielerorts dazu, dass insektenreiche Strassenränder mitten in der Blüte vollständig gemäht oder öffentliche Flächen mit Gift gespritzt werden.

Selbst ist die einzelne Gemeinde!
Ulrich Veith, Bürgermeister von Gemeinde Mals im italienischen Südtirol, machte mit seiner Rede Mut und zeigte auf, wie es auch in der Schweiz gelingen könnte, das Kulturland wieder insektenfreundlicher zu gestalten. «In Mals wir wollten nicht warten, bis von den hohen PolitikerInnen etwas zum Schutz der Natur und der Insekten kommt, sondern haben innerhalb der Gemeinde selber etwas unternommen.» Trotz viel Gegenwind ist es in Mals nun mit Unterstützung der Bevölkerung gelungen, auf allen landwirtschaftlichen und privaten Flächen der Gemeinde den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gesetzlich zu verbieten. Und heute finden dort Bioprodukte aller Art immer grösseren Absatz.

Vom Saulus zum Paulus
Am eindrücklichsten fand ich die «Beichte» von Dr. Hans Dietrich Reckhaus, Initiator von Insect Respect und Geschäftsführer der Reckhaus AG. «Die Wirtschaft muss ihre Geschäftsmodelle auf Biodiversität hin prüfen», sagte er. Lebendig, humorvoll und mit einer Prise Demut zeigte er den 10-jährigen Weg, den seine Mitarbeitenden und er zurückgelegt haben  - vom Produzent von Insektiziden und Mittel gegen Insekten zum Gestalter von insektenfreundlichen Flächen und Inspirator für eine auch Insekten und die Biodiversität respektierende Wirtschaft.

naturgartenEin Naturgarten - Lebensraum für Insekten. © BirdLife Schweiz

Das Momentum nutzen
Mit Agrarpolitik AP22+, der Trinkwasser- und Pestizid-Initiative, der Revision des Raumplanungsgesetzes und der kommenden Doppelinitiative für Biodiversität und Landschaft ist viel in Bewegung gekommen. Das gilt es zu nutzen, um unsere Partner, die Insekten, zu retten und zu schützen.

insekt auf insect respect flaecheInsekt auf Insect-Respect-Fläche. © Jelena Gernert / Insect Respect

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